Meisterschaftskandidaten im Check: Dortmund bleibt ganz locker
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 10.01.2011 - 11:36Düsseldorf (RP). Der BVB geht als großer Favorit auf den Titel in die Rückrunde. Auf leise Provokationen aus München geht der Tabellenführer gar nicht ein. Mittelfeldspieler Bender erklärt: "Wir sind schlau genug."
Natürlich wollen die großen Bayern noch ein Wörtchen mitreden. Und sie schicken aus dem vornehmen Trainingslager in Katar schon mal selbstbewusste Grußadressen an die Konkurrenz. Die sehen sie in erster Linie im Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund – trotz eines Rückstands von 14 Punkten. "Dortmund", sagt Nationalspieler Thomas Müller, "hat eine hervorragende Hinrunde gespielt. Aber wenn der BVB schwächelt, müssen wir voll da sein. Wir sind der FC Bayern. Sollte die Borussia mit 85 Punkten Meister werden, kann man ihr nur gratulieren. So weit ist es aber noch nicht."
Der Spitzenreiter lässt sich damit nicht locken. "Wir sind auch als junge Kerle schlau genug", erklärt Sven Bender (21), der bislang eine herausragende Saison im defensiven Mittelfeld spielt und der Kreativkraft Nuri Sahin den Rücken freihält. Vom Druck des Gejagten will Bender nichts wissen. "Wir haben eine gute Hinrunde gespielt und wollen darauf aufbauen", sagt er. Der Kollege Sahin, den die Bundesliga-Profis zum besten Spieler der ersten Serie gewählt haben, versichert: "Bei uns wird bestimmt keiner bequem, wir werden noch härter arbeiten, um die Rückrunde noch besser zu gestalten."
Münchens Torwart-Roulette
Sein Team vertraut auf einen hochentwickelten Mannschaftsgeist (Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: "Das ist in dieser Hinsicht die tollste Truppe, die wir je hatten") und die überragende Abwehrarbeit, an der sich stets alle zehn Feldspieler voller Hingabe beteiligen. Beweis für diese besondere Dortmunder Qualität: Das Team hat in 17 Bundesliga-Spielen nur zehn Gegentreffer hinnehmen müssen. Das ist der Spitzenwert.
Die Münchner können davon allenfalls verschämt träumen. Sie hatten vor allen Dingen eine Innenverteidigung, die nicht einmal entfernt den hohen Ansprüchen des Klubs entsprach. Trainer Louis van Gaal setzt deshalb auf den Generationswechsel. Thomas Kraft (22) wird Jörg Butt (36) beerben, wofür van Gaal einen formidablen Krach mit der Unternehmensspitze riskiert, die in diese dramatische Verjüngungsaktion nicht einbezogen war. Vor Kraft sollen es die Nachwuchskräfte Holger Badstuber (21) und Breno (21) richten. Das wird ihnen nur gelingen, wenn die Münchner zur kompakten Spielweise des Frühjahrs 2010 zurückkehren, als Teamgeist die Defensiv-Schwächen ausglich. Aber nicht einmal ein perfekter Verlauf der Rückrunde wird für den Titel reichen, wenn Dortmund einigermaßen stabil auftritt.
Bayers Probleme mit Ballack
Schon der Auftakt am Freitag (20.30 Uhr/Live-Ticker) lässt Rückschlüsse zu. Denn Dortmund tritt bei einem seiner Verfolger an. Wie Mainz hat Bayer Leverkusen zehn Punkte Rückstand. Anders als Mainz aber hat Bayer die fußballerische Substanz, zumindest den zweiten Platz zu sichern. Einiges wird davon abhängen, wie es Trainer Jupp Heynckes gelingt, Michael Ballack zu integrieren.
Ohne Ballack hatte sich eine Ordnung in der Truppe entwickelt. Und ausgerechnet der Spieler der Vorrunde, Arturo Vidal, bekleidet im defensiven Mittelfeld jene Position, auf die Ballack bei seinem Wechsel im Sommer abonniert schien. Vidals Nebenmann ist Kapitän Simon Rolfes, der nicht nur bei Heynckes höchstes Ansehen genießt. Weil jedoch kein Trainer an Ballack in guter Form vorbeigehen wird, könnte er sich weiter vorn zentral eingliedern und möglicherweise den Brasilianer Renato Augusto auf die Außenbahn zwingen.
Wenn die Leverkusener ihre fußballerischen Qualitäten von Beginn der Rückrunde an zur Geltung bringen, könnten sie Dortmund noch einmal auf den Pelz rücken. Wie wenig freilich ein einzelner Erfolg im direkten Aufeinandertreffen am Ende bewirkt, zeigte die Hinrunde. Leverkusen startete mit einem 2:0 beim BVB.
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