Schalke siegt im Ruhrpott-Derby: Dortmunds emotionaler Absturz
VON TIM RÖHN - zuletzt aktualisiert: 26.09.2009 - 22:44Dortmund (RPO). Am Ende musste der Frust einfach raus. Mit 0:1 hatte Borussia Dortmund das 134. Revier-Derby gegen den FC Schalke 04 verloren, der schlechteste Saisonstart seit 24 Jahren war perfekt, und dann waren da noch diese Provokationen.
Schalke-Stürmer Jefferson Farfan hatte sein Tor ausgiebig vor der Südtribüne gefeiert, Teamkollege Manuel Neuer reckte nach dem Schlusspfiff der "gelben Wand" die Faust entgegen, und offensichtlich hatten die Schalker Anhänger auch noch Fan-Utensilien des Erzrivalen geklaut. Jedenfalls wurden im Gäste-Fanblock kurz vor Schluss schwarz-gelbe Fahnen mit BVB-Emblem hochgehalten.
Das war zuviel für die Dortmunder. Auf der Südtribüne kochte die Wut über, heftig wackelten die Fans an den Zäunen. Die Spieler trauten sich kaum zur Südtribüne, verharrten in der Nähe der Mittellinie - und echauffierten sich vor allem über das Verhalten von Neuer. Mit Mühe konnten die Streithähne auseinander gehalten werden.
Als der Ball im Signal-Iduna-Park nicht mehr rollte, herrschte vor allem in Sachen Begleitumstände Gesprächsbedarf. BVB-Coach Jürgen Klopp kritisierte Neuer: "Da redet man vorher von Deeskalation, und dann macht Manuel sowas."
Neuer selbst war sich keiner Schuld bewusst, schoss stattdessen gegen die BVB-Fans: "Ich bin 45 Minuten vor der Dortmunder Tribüne bepöbelt und beschmissen worden." Und auch von einer angeblichen Tätlichkeit gegen Kevin Großkreutz ("Er hat mir den Ellbogen ins Gesicht geschlagen") wollte er nichts wissen: "Ich habe nichts gemerkt. Das war ich nicht, das muss ein anderer Manuel Neuer gewesen sein."
Schalke-Trainer Felix Magath nahm seinen Schützling in Schutz ("Das war im Rahmen"), wird sich in den kommenden Tagen aber Farfan wegen dessen Jubel zur Brust nehmen: "Es ist ein Wermutstropfen, dass der eine oder andere in die falsche Fanecke gegangen ist, das gehört sich nicht. Man feiert mit den eigenen Fans. Darüber wird noch zu reden sein."
Redebedarf gibt es aber vor allem bei den Dortmundern. Zuletzt war der Klub in der Saison 1985/1986 so schlecht in die Saison gestartet. Nach sechs Spielen ohne Sieg ist der BVB auf den 15. Tabellenplatz abgerutscht, zumindest im Moment ist die 2. Liga näher als der erhoffte Platz im Europapokal.
"Es ist klar, dass es jetzt rauher wird bei uns. Jetzt müssen wir sehen, wie wir damit umgehen", erklärte Klopp, um den allerdings noch keine Trainerdiskussion entbrannt ist. Stattdessen steht die Frage im Raum, ob Lucas Barrios den BVB aus der Krise schießen kann.
Der Welttorjäger (38 Tore für Colo Colo in Chile), von der Boulevard-Presse unlängst zum "Weltnixjäger" erklärt, wartet auch nach sieben Spielen noch auf seinen ersten Bundesliga-Treffer. Als Ersatz für den abgewanderten Publikumsliebling Alex Frei taugt er so nicht. Gegen Schalke war er nah dran, scheiterte aber an der Unterkante der Latte.
Während die Dortmunder unruhige Tage verleben, herrscht in Gelsenkirchen Heiterkeit. Königsblau rückte auf den dritten Tabellenplatz vor, unter der Woche glückte der Achtelfinal-Einzug im DFB-Pokal (3:0 in Bochum).
Trainer Magath hatte es sich beim Amtsantritt zur Aufgabe gemacht, Anhängerschaft und Verein miteinander zu versöhnen - mit Erfolg. Wie schon nach dem Sieg in Bochum brüllten die Schalker Fans auch nach dem Derby-Sieg "Wir wollen den Trainer sehen". Magath marschierte in die Kurve und ließ sich feiern.
Der Wolfsburger Meistertrainer ist mit dem Derby-Sieg in Dortmund endgültig auf Schalke angekommen.
Die Bilder des Neuer-Jubels und der Rudelbildung finden Sie hier.
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