Großkreutz, Sahin und Co.: Dortmunds junge Hoffnungsträger
VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 19.01.2010 - 09:50Köln (RP). Die 21-jährigen Kevin Großkreutz, Mats Hummels und Nuri Sahin setzen Akzente beim 3:2-Sieg von Borussia Dortmund in Köln. Klubchef Hans-Joachim Watzke lobte den "extrem starken Willen" der Mannschaft, die zwei Gegentreffer wegsteckte.
Der Düsseldorfer Schriftsteller Jan Weiler klagte mal über die "Kevinisierung" der Welt. Dabei ist es mitnichten so, dass sich die halbe Spielplatzbesatzung umdreht, wenn Mama oder Papa "Kevin" ruft. Tatsächlich führte der Vorname allein im Jahr 1991 die Hitliste der männlichen Vornamen in Deutschland an – im Jahr der Erstaufführung des Kinofilms "Kevin allein zu Haus". Ansonsten lag Kevin in den vergangenen Jahren stets ziemlich weit hinter all den Jans, Christians, Leons und Maximilians zurück.
Überdurchschnittlich häufig fiel der Name Kevin am Sonntag in der Bundesliga. Kuranyi traf für Schalke, McKenna für Köln und Großkreutz für Dortmund. Der 21-jährige Mittelfeldspieler des BVB erzielte in der Nachspielzeit beim 1. FC Köln den Siegtreffer zum 3:2. "Mir hat der Trainer schon in der Pause gesagt, ich solle öfter den Abschluss suchen. Vielleicht würde ja einmal einer abgefälscht. Genau das ist eingetroffen", sagte Großkreutz, der jetzt bereits zum fünften Mal hintereinander in der Startformation spielte.
Es ist noch nicht lange her, da stand der gebürtige Dortmunder mit dem Irokesen-Haarschnitt noch auf der Südtribüne: "Ich komme aus dem Ruhrpott, und ich weiß, was die Fans sehen wollen: leidenschaftlichen und ehrlichen Fußball. Und das bringt die Mannschaft momentan." Nach einem Gastspiel bei RW Ahlen kehrte er im Sommer in seine Heimatstadt zurück.
Die Dortmunder entwickeln sich. Von Platz fünf, wo sie derzeit stehen, sind es nur drei Zähler bis zur Champions-League-Qualifikation. Der zu Übertreibungen neigende Münchner Ehrenpräsident Franz Beckenbauer sieht in den Dortmundern gar eine Mannschaft, die man im Kampf um den Titel beachten müsse. So weit ist die Mannschaft, die in Köln einen 2:0-Vorsprung aus der Hand gibt, aber noch nicht.
Auf jeden Fall verfügt sie über Potenzial. Neben dem in dieser Spielzeit überaus zuverlässigen Patrick Owomoyela (31) standen in Marcel Schmelzer, Neven Subotic und dem zweimaligen Torschützen Mats Hummels drei 21-Jährige in der Verteidigung. Hummels zählt für Reiner Adrion, den Trainer der Nationalmannschaft U21, sogar zum Kreis der Spieler, die noch "auf den WM-Zug springen" können. In Kapitän Nuri Sahin und Sven Bender postierte Trainer Jürgen Klopp zwei ebenso junge Profis im defensiven Mittelfeld des BVB: Der eine wurde gerade 21, der andere wird es im April.
Dass Klopp auf diese junge Generation setzt, ist freilich auch der Not geschuldet. In Sebastian Kehl, Tinga und Tamas Hajnal fehlen dem Coach, der sich die letzten Minuten nach einem Disput mit dem Schiedsrichtergespann von der Tribüne aus angucken musste, seine erfahrensten Mittelfeldspieler wegen Verletzungen. Auf der Bank saßen am Sonntag die Jungspunde Mario Götze (17), Julian Koch (19), Daniel Ginczek (18) und Marco Stiepermann (18).
"Was die Mannschaft nicht zuletzt aufgrund der Personalsituation in den letzten Wochen geleistet hat, ist schon außergewöhnlich", fand Vereinsboss Hans-Joachim Watzke, "die Mannschaft verfügt über einen extrem starken Willen und Charakter."
In Sachen Jugendstil steht der BVB dem von Trainer-Manager Felix Magath neu ausgerichteten Nachbarn Schalke 04 in nichts nach. Aber solche Vergleiche hört Kevin Großkreutz nicht gern. Denn der pflegt seine Abneigung gegen die Königsblauen, wie besonders deutlich wurde, als er sich im Frühherbst beim Derby mit Schalkes Schlussmann Manuel Neuer anlegte und damit zum ersten Mal in der Bundesliga auffiel.
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