Samstagspiel in der Bundesliga: Duell der Trainer-Zwillinge: Klopp vs. Tuchel
zuletzt aktualisiert: 21.11.2009 - 17:55Dortmund/Mainz (RPO). Jürgen Klopp kommen immer wieder die Tränen. Der sympathische Trainer findet kaum Worte, wenn er sprechen will, wird er hier und da von den Zwischenrufen der Fan-Heerscharen in der Mainzer Innenstadt unterbrochen. Seine Stimme ist kaum zu vernehmen, klingt verheult. Dann berappelt er sich und dankt seinen Fans. Er versucht es zumindest.
"Alles was ich bin, alles was ich kann", fängt er an. Dann muss er wieder weinen, die Fans applaudieren erneut, es ertönen laute "Jürgen, Jürgen"-Rufe. Dann setzt Klopp, der in offener Lederjacke auf dem Podium steht, wieder an: "Habt ihr mich werden lassen. Alles." Es war wohl der emotionalste Abschied eines Bundesliga-Trainers, als Klopp am 23. Mai 2008 die Karnevalshochburg verließ und zu Borussia Dortmund wechselte. Am Samstag (18.30 Uhr im Live-Ticker) trifft Klopp nun erstmals auf seine alte Liebe.
"Ich muss meiner alten Liebe weh tun", sagt der BVB-Coach Jürgen Kloppvor dem Spiel. "Natürlich ist es eine besondere Partie. Ich hatte in Mainz 18 wunderschöne Jahre als Spieler und Trainer", sagt Klopp, dem in Mohamed Zidan, Neven Subotic und Markus Feulner drei Mainzer Profis nach Dortmund gefolgt sind.
Die Entwicklung beim FSV verfolgt Klopp mit Freude und zollt Präsident Harald Strutz sowie Manager Christian Heidel ein dickes Sonderlob: "Ich glaube nicht, dass viele andere Bundesligisten den Mut gehabt hätten, einen U19-Trainer zum Chef zu machen. Aber vielleicht haben sie es aus der Erfahrung gemacht, dass es mit mir so gut geklappt hat."
Der FSV setzt in Trainer-Neuling Thomas Tuchel auf einen Typen wie Klopp - locker, authentisch, fußballverrückt. Und doch will der 36-Jährige keine Klopp-Kopie sein. "Er rasiert sich seltener als andere. Vielleicht ist das eine Gemeinsamkeit", sagt Klopp. "Jürgen hat in Mainz eine Ära geprägt. Mein Wunsch ist es, das auch zu schaffen", so Tuchel: "Aber ich mache das auf meine Art."
Vom Jugend- zum Chefcoach
Unmittelbar vor der Saison wurde Tuchel nach der Entlassung von Jörn Andersen vom Jugend- zum Chefcoach befördert. Nach zwölf Spielen hat er den FSV mit viel Leidenschaft auf Platz sechs geführt - vier Punkte und drei Ränge vor der Borussia. Deshalb werde man, so Klopp, nicht den Fehler machen und den FSV unterschätzen.
"90 Prozent meiner Wachzeit denke ich über Fußball nach", sagt Tuchel über sich selbst. Seine Karriere als Fußball-Profi musste er wegen Knieproblemen mit 24 Jahren früh beenden. Er machte ein Studium zum Betriebswirt, jobbte nebenher in einer Bar. Danach schloss er die Ausbildung zum Fußball-Lehrer mit der Note 1,4 ab.
Bei allen Übungen und taktischen Besprechungen bezieht er die Mannschaft eng mit ein: "Wenn ich einen Plan entwerfe oder etwas trainieren lasse, sollen sich die Spieler darin wiederfinden und wohl fühlen. Sie müssen es ja schließlich umsetzen."
Wie Klopp greift auch Tuchel auf Psycho-Tricks zurück. Vor dem 2:1 gegen Bayern München zeigte er als Motivation eine Szene aus dem Film "An jedem verdammten Sonntag". Vor dem 2:1 gegen 1899 Hoffenheim machte er die Spieler mit Video-Szenen über Haka, dem Kriegs- und Ritualtanz der Maori, heiß.
Vor dem direkten Aufeinandertreffen am Samstag sind sich Klopp und Tuchel aber in einem Punkt nicht einig. "Wenn Mainz bei uns verliert, wird die Welt dort nicht untergehen", sagt Klopp. Doch Tuchel kontert: "Wir haben inzwischen den Anspruch, überall gewinnen zu wollen."
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