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Nationaltorhüter Robert Enke ist tot: Ein Großer, der ungekrönt blieb

VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 11.11.2009 - 02:58

Düsseldorf (RPO). Die deutsche Nationalmannschaft hatte ihr Training gerade erst beendet, da erreichte das Lager des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Schocknachricht: Robert Enke ist tot. Der Torhüter von Hannover 96  hätte bei den Vorbereitungsspielen für die WM 2010 in Südafrika eigentlich dabei sein sollen. Wegen einer Viruserkrankung wurde er aber nicht für die Länderspiele gegen Chile am Samstag und vier Tage später gegen die Elfenbeinküste nominiert. Fußball-Deutschland reagierte zutiefst schockiert auf die Nachricht von Enkes Tod.

Enkes Klubpräsident Martin Kind bestätigte die Nachricht nach einer Tagung der Deutschen Fußball Liga (DFL). Er war auf der Rückreise gerade in Langenhagen gelandet, als ihn die schreckliche Neuigkeit erreichte. "Das ist ganz furchtbar. Robert Enke war labil, das hat er in der Öffentlichkeit überlagert", erklärte er.

Eigentlich war gestern ein Feiertag für den Deutschen Fußball-Bund. Mit viel Glamour wurden die Trikots für Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika vorgestellt. Aber am Abend nach dem Training für das bevorstehende Testspiel gegen Chile in Köln war Fußball nur noch Nebensache. Da erreichte die Führung der Nationalmannschaft eine schreckliche Nachricht. Robert Enke, der Torwart von Hannover 96, ist tot.

Er starb nach Angaben der Polizei "an einem Bahnübergang in Neustadt am Rübenberge". Enkes Berater bestätigte, dass es sich um Selbstmord handelte. Enke wurde nur 32 Jahre alt. "Wir sind alle geschockt", sagte Oliver Bierhoff, der Manager der deutschen Nationalmannschaft.

Enke, der noch bis zum Sommer die Nummer eins im Tor der deutschen Nationalmannschaft war, hatte wegen einer in ihren Ursachen nicht geklärten Viruserkrankung wichtige Länderspiele verpasst und wohl auch die Chance, als erster Tormann mit nach Südafrika zu fahren.

Der Schlussmann von Hannover 96 hatte 2006 bereits einen harten Schicksalsschlag hinnehmen müssen. Seine erst zweijährige Tochter Lara starb an einem Herzfehler. Bis heute unvergessen ist der emotionale Moment, in dem Enke sein bereits schwer krankes Töchterchen nach einem Spiel auf dem Arm über den Rasen trug.

Enke ließ Leistungen sprechen

Enke war kein typischer Profifußballer. Er formulierte seine Ansprüche nicht über die Öffentlichkeit, die Hochglanz-Szene so mancher Kollegen war nicht seine Welt. Er ließ lieber seine Leistungen im Tor für sich sprechen.

Das trug ihm zunächst eine Bilderbuchkarriere ein. Von Jenapharm kam er zum FC Carl Zeiss Jena in Thüringen und schaffte als viel beachtetes Talent den Sprung in die große Fußballwelt ­– zunächst zum Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Schon da aber berichten enge Wegbegleiter von zumindest zeitweiligen psychischen Problemen.

Für die Öffentlichkeit blieben sie unbemerkt, weil Enke gelernt hatte, seine Gefühle zu verbergen. Die Leistungen auf dem Platz stimmten weiter. Sie brachten ihm ein Engagement beim portugiesischen Vorzeigeklub Benfica Lissabon ein. Dort wurde der Deutsche mit dem unspektakulären Torwartstil sogar Kapitän. Seine Fähigkeiten spachen sich herum in Europa. Und Enke landete beim großen FC Barcelona.

Karriereknick in Barcelona

Dort ereilte ihn der erste Karriereknick. Der sensible Torwart vergrübelte seine Form, und er musste erfahren, dass Geduld im Profifußball nicht zählt. Barcelona lieh ihn zu Fenerbahce Istanbul in die Türkei aus. Aber auch da kam Enke nicht richtig auf die Beine. Die eigenen Fans bewarfen ihn nach schwachen Vorstellungen mit Gegenständen. Enke löste den Vertrag.

Aber er bewies Steherqualitäten. Von Barca ließ er sich zu Teneriffa in die zweite spanische Liga transferieren. Er fand seine Form wieder und wurde auch für den deutschen Markt interessant. In Hannover wuchs er zu einem der besten Torhüter der Bundesliga. Das Magazin "kicker" und die Kollegen im deutschen Profifußball wählten ihn mehrmals zum besten Torwart. Auch bei vielen anderen Experten kam er mit seiner sachlichen Art gut an. Jegliche Show-Attitüde war ihm fremd.

Außerhalb der Fachkreise gab es weniger Anerkennung, weil Enke einerseits bei einem kleinen Klub spielte, andererseits seine Rolle auf dem Feld vergleichsweise unauffällig interpretierte. Bei den Kollegen war er auch deswegen sehr beliebt. Seine Emotionen aber verbarg er vor ihnen genauso wie vor der Öffentlichkeit.
In Enke geht ein Großer, der ungekrönt bleibt.


Robert Enke im Stenogramm

Geboren: 24. August 1977 in Jena, gestorben am 10. November 2009 in Neustadt am Rübenberge
Verheiratet mit Teresa, eine adoptierte Tochter
Verein: Hannover 96
Frühere Vereine: SV Jenapharm Jena, Carl Zeiss Jena, Borussia Mönchengladbach, Benfica Lissabon, FC Barcelona, Fenerbahce Istanbul, CD Teneriffa
Erstes Länderspiel: 28. März 2007 in Duisburg gegen Dänemark (0:1)
Länderspiele: 8 (0)
Bundesligaspiele: 196 (0)
1. Liga Portugal: 77 (0)
Primera Division: 1 (0)
1. Liga Türkei: 1 (0)
Größte Erfolge: Dritter Platz 2000 in der portugiesischen Liga mit Benfica Lissabon

Quelle: RP

 
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