Van Gaals verrückte Forderungen: Einwurf und Elferschießen – alles weg!
zuletzt aktualisiert: 08.03.2010 - 11:45München (RPO). Louis van Gaal, Trainer des Fußball-Rekordmeisters Bayern München, fordert umfangreiche Reformen im Regelwerk und den Einsatz moderner Technik. "Wir brauchen technische Hilfsmittel. Ich will alles", sagte van Gaal dem kicker.
Die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) hatten sich am Wochenende zum wiederholten Mal gegen die Einführung technischer Hilfen entschieden - sehr zum Verdruss van Gaals, der sich zudem am "passiven Abseits" stört. "Wir brauchen klare Regeln. Das muss abgeschafft werden", sagte er.
Dass sich der IFAB gegen den vieldiskutierten, aber technisch realisierbaren Chip im Ball aussprach, empörte den Niederländer: "Es ist doch Wahnsinn, dass wir das nicht verwenden", sagte van Gaal, "wir müssen das menschliche Urteil ausschalten, weil es immer subjektiv ist." Die in der Europa League getesteten Torrichter lehnte er deshalb ab: "Das kann man mit einem Chip lösen."
Der 58-Jährige ging noch weiter. Mit Hilfe einer elektronischen Seitenauslinie könnten Schiedsrichter-Assistenten überflüssig gemacht werden: "Weg mit den Linienrichtern. Die Technik haben wir und können sie auf einen Millimeter einsetzen." Van Gaal forderte: "Wir brauchen wie im Basketball oder Eishockey zwei Schiedsrichter, einen in jeder Hälfte und in der Diagonalen positioniert."
Zudem sprach sich der Bayern-Coach für eine Abschaffung des Einwurfs aus: "Das muss ein Einschuss sein." Laut van Gaal würde das Spiel dadurch "attraktiver" werden, denn der Einschuss habe den Effekt eines Freistoßes: "Das ist besser, weil dann die verteidigenden Teams nicht so einfach den Ball ins Aus schießen."
Und auch vom Elfmeterschießen hält der Niederländer wenig. Das sei nur eine "Lotterie". Als Gegenmodell bot van Gaal das sogenannte "Gladiatorenspiel" an: "Geht eine Partie in die Verlängerung von zweimal 15 Minuten, wird alle fünf Minuten von jeder Elf ein Mann herausgenommen." Ab der 115. Minute würde dann nur noch sechs gegen sechs gespielt. "Jetzt gewinnt nur noch die bessere Mannschaft - und nicht der einzelne Spieler beim Elfmeterschießen", sagte van Gaal.
Kommentar von Gianni Costa
Es ist ein durchaus ehrenwertes Vorhaben, eine Sportart vor allzu vielen Neuerungen zu bewahren. Beim Weltverband Fifa ist der Beschützerinstinkt allerdings ein wenig zu intensiv ausgeprägt. In der Schweizer Zentrale in Zürich hat man den Fußball zum Stillstand verdonnert. Das Spiel ist immer rasanter geworden, Schüsse und Kombinationen sind fürs menschliche Auge zum Teil nur schwer erfassbar. So vergeht kaum ein Wochenende, an dem nicht irgendwo auf irgendeinem Platz Szenen falsch bewertet werden. Das bekommt man durch die hundertste Wiederholung im TV präsentiert, die Unparteiischen dürfen Hilfsmittel aber nicht nutzen.
Profi-Fußball ist in allererster Linie ein Wirtschaftsfaktor mit Milliardenumsätzen. Fehler können sportlich und finanziell fatale Folgen haben. Es ist unverständlich, ausgereifte und bei Tests bewährte Technik nicht einzusetzen. In anderen Bereichen stellt die Fifa sich nicht so an. Sie hat zugelassen, dass der Ball ein Hightechgerät geworden ist, das dementsprechend vermarktet wird.
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