Fußball-Bundesliga: Eiszeit bei den dicken Kumpels von einst
zuletzt aktualisiert: 06.02.2010 - 12:52Frankfurt/Main (RPO). Der obligatorische Händedruck vor dem Anpfiff, ein paar belanglose Sätze und ein gequältes Lächeln: So unterkühlt wird sich am Samstag (ab 15.30 Uhr im Live-Ticker) wahrscheinlich das Wiedersehen von Hannovers Trainer Mirko Slomka und seines ehemaligen Lehrmeisters Ralf Rangnick (1899 Hoffenheim) gestalten – zumindest darüber scheinen sich die ehemaligen Busenfreunde einig zu sein.
Ansonsten ist man sich längst nicht mehr grün, ist nichts mehr geblieben von der großen Verbundenheit alter Tage. Es herrscht Eiszeit vor der Reunion des einstigen 96-Trainerteams. "Leider ist der enge Kontakt abgerissen, die Freundschaft zerbrochen. Ich sehe keine Chance, dies zu ändern", sagte Slomka vor dem Duell der Krisenklubs am Samstag in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena (15.30 Uhr/live bei Sky und Liga total). Es ist das erste Mal, dass sich Slomka und Rangnick als Trainer in der Bundesliga gegenüberstehen.
Gründe für die so abrupt auf der Strecke gebliebene Freundschaft wollte Slomka nicht nennen, das sei "privat". Auch Rangnick will nichts mehr von einem "Kumpel Slomka" wissen. "Das Verhältnis ist anders, als es vor fünf Jahren war. Es gehen auch Ehen auseinander, obwohl man sich am Anfang richtig gut verstanden hat", meinte der Hoffenheimer Trainer, der die angespannte Situation aber nicht dramatisieren will: Nur weil man kein Freund mehr sei, müsse man kein Feind sein. Rangnick: "Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass wir ein paar Sätze wechseln."
Der Anfang vom Ende war offenbar besiegelt, als Slomka im Januar 2006 zum Cheftrainer bei Schalke 04 befördert wurde und dort die Nachfolge von Rangnick antrat. Dabei hatte die gemeinsame Zeit bei Hannover (2001 bis 2004) mit dem Bundesliga-Aufstieg als Krönung "Co" Slomka und seinen Chef Rangnick zusammengeschweißt. "Jeder weiß, was wir damals für ein inniges und freundschaftliches Verhältnis hatten", meinte der 96-Trainer ein wenig melancholisch.
Trotzdem findet Slomka lobende Worte für Rangnick: "Ich konnte sicherlich viel von ihm mitnehmen. Gerade von der Akribie, die Ralf an den Tag legt." Aber andauernde Vergleiche mit seinem früheren Lehrmeister scheinen Slomka zu nerven. "Ich bin anders, habe mein eigenes Profil."
Dabei teilen die ehemaligen Kumpels so viel in diesen Tagen. Ihre Klubs stecken in der Krise. Und sie sind die Hoffnungsträger auf dem anvisierten Weg zurück in die Zukunft. Nach zwei Niederlagen seit seinem Amtsantritt bei den Niedersachsen (nur zwei Punkte aus den vergangenen neun Partien) will Slomka gegen Hoffenheim die Wende erzwingen. Helfen sollen dabei die Neuzugänge Arouna Kone und Elson. "Wir haben zwei Akteure geholt, die ein gewisses Standing in ihren Vereinen hatten. Mit ihnen wird 96 ein anderes Gesicht zeigen", sagte Slomka.
Auch die Hoffenheimer, schlechteste Mannschaft der Rückrunde (0 Punkte/0:7 Tore), wollen ihre Talfahrt stoppen und nach sieben Partien ohne Sieg endlich wieder einen "Dreier" einfahren. Angesichts der unbefriedigenden Situation steht eine etwaige Verlängerung seines bis 2011 laufenden Kontraktes für Rangnick derzeit nicht ganz oben auf der Dringlichkeitsliste. "Wichtig ist das Spiel am Samstag. Außerdem habe ich ja noch anderthalb Jahre Vertrag. Da sehe ich noch keine Notwendigkeit, ein Zeichen zu setzen. Das Sportliche ist jetzt erst einmal wichtiger", erklärte der 51-Jährige.
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