Bundesligisten auf Spielersuche: Endspurt im Transferpoker
VON STEPHAN SEEGER - zuletzt aktualisiert: 25.08.2010 - 11:24Düsseldorf (RPO). Bis zum 31. August ist der Transfermarkt noch geöffnet, danach geht bis zum Winter nichts mehr. Die Bundesligisten müssen ihre Personalplanungen bis kommenden Mittwoch abgeschlossen haben, danach können sie erst im Januar wieder aktiv werden. Kurz vor Toreschluss pokern die Klubs noch um Verstärkungen. Ein Überblick.
Der VfL Wolfsburg sucht händeringend nach einem Spielmacher. Manager Dieter Hoeneß klopfte bei Juventus Turin wegen Diego an, hatte Rafael van der Vaart von Real Madrid auf dem Zettel und gab offenbar ein Angebot für Hamburgs Eljero Elia ab, der allerdings eher auf dem Flügel spielt. Alle Versuche scheiterten. Jetzt erhöhten die Niedersachsen dem Vernehmen nach das Angebot für den Brasilianer Diego und sind bereit, 20 Millionen Euro locker zu machen. Der Wechsel des Südamerikaners rückt näher, könnte in diesen Tagen als perfekt gemeldet werden.
Dann wäre der Weg frei für Zvjezdan Misimovic. Der Bosnier spielt in den Planungen des VfL nur dann eine Rolle, wenn kein neuer Regisseur gefunden wird. Ansonsten stehen die Zeichen auf Abschied, Schalke-Trainer Felix Magath bekundete immer wieder sein Interesse. Die Ehe zwischen Magath und dem 28-Jährigen hat dem VfL in der Saison 2008/2009 die erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte beschert, beide Partner wünschen sich eine erneute Zusammenarbeit. Aber: Auch Galatasaray Istanbul will den Mittelfeldspieler verpflichten.
Schalke will Baptista
Neben Misimovic buhlt Schalke 04 offenbar um die Dienste von Julio Baptista. Magath will die Mannschaft auf jeden Fall noch verstärken, um in der Champions League konkurrenzfähig zu sein. Der AS Rom verlangt für Baptista laut italienischen Medienberichten fünf Millionen Euro Ablöse, Schalke ist bereit, dem Brasilianer einen Vier-Jahres-Vertrag anzubieten.
Neben Baptista, der im offensiven Mittelfeld zu Hause ist, sucht Magath nach einem torgefährlichen Stürmer, der neben Techniker Raul für die nötige Durchschlagskraft sorgen soll. Angeblich hat Magath Jan-Klaas Huntelaar vom AC Mailand im Visier. Ob Schalke die 14 Millionen Euro Abslöse zahlt, ist jedoch fraglich.
Fraglich ist auch die Zukunft von Martin Demichelis bei Bayern München. Der Argentinier provozierte Trainer Louis van Gaal gleich am ersten Spieltag, als er nicht auf der Bank Platz nehmen wollte. Der FC Chelsea und Juventus Turin sollen Interesse zeigen, Bayern ist nicht abgeneigt, den Verteidiger gehen zu lassen. Ersatz für den "Gaucho" könnte dann aus den eigenen Reihen nachrücken. "Wenn er gehen will, wäre das für mich kein Problem. Wenn Demichelis geht, haben wir ja noch Maximilian Haas", sagte van Gaal zu einem möglichen Abgang Demichelis'. Der 24-jährige Haas ist Kapitän der Bayern-Amateure.
Neben Demichelis könnte auch Anatoli Timoschtschuk den Rekordmeister noch verlassen. Laut russischen Medien ist Dynamo Moskau, Arbeitgeber von Ex-Nationalspieler Kevin Kuranyi, am Ukrainer interessiert.
Silvestre im Anflug auf Bremen
Einen Ersatz für den zu Real Madrid abgewanderten WM-Star Mesut Özil hat Werder Bremen bereits gefunden. Wesley kam für 7,5 Millionen Euro vom FC Santos und soll im Mittelfeld für Glanzlichter sorgen. Das Erreichen der Champions-League-Gruppenphase spült den Hanseaten garantierte 15 Millionen Euro in die Kassen, hinzu kommen die 18 Millionen für Özil. Geld, das in neue Spieler investiert werden soll. Werder sucht nach Alternativen für die wackelige Abwehr, die in den ersten vier Pflichtspielen acht Gegentore kassierte. Heißer Kandidat: Mikael Silvestre. Der 33-jährige Franzose ist ablösefrei, nachdem sein Vertrag beim FC Arsenal nicht verlängert wurde. "Wir sind in aussichtsreichen Gesprächen, es sieht so aus, dass Silvestre zu uns kommt", so Manager Klaus Allofs.
Der VfB Stuttgart spielt dagegen auf Zeit. "Wir werden Ruhe bewahren", sagt der neue Manager Fredi Bobic im Hinblick auf neue Spieler. Das 0:2 zum Auftakt in Mainz hat gezeigt, dass bei den Schwaben personell noch etwas passieren muss. Die Mannschaft ist durch den Abgang von Sami Khedira (Real Madrid), Aleksandr Hleb (FC Barcelona) und Jens Lehmann (Karriereende) schwächer geworden.
Viel Zeit bleibt den Vereinen nicht mehr. Wer jetzt nicht zuschlägt, wird im Winter womöglich ein böses Erwachen erleben.
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