Konfliktpotenzial zum Saisonstart: Es brodelt in der Bundesliga
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 06.08.2011 - 10:32(RP). Selten in der Geschichte der Fußball-Bundesliga gab es schon vor dem Saisonstart so viel hohes Konfliktpotenzial wie in diesem Jahr. Es ist Ausdruck großer Nervosität in der Liga.
Köln Die Absetzung von Lukas Podolski als Kapitän hat eine große Fanschar verärgert. Denn der Nationalspieler ist Publikumsliebling, Kultfigur – und viele bewerten die aufsehenerregende Entscheidung des neuen Trainers Stale Solbakken so, dass der FC ohne Not einen Brandherd geschaffen hat. Solbakken gerät ins Zentrum der Kritik, wenn die ersten Spiele missraten. Dann ist Unruhe programmiert.
Leverkusen Bringt Michael Ballack die Saison bei Bayer 04 zu Ende? Der neue Coach Robin Dutt hat ein starkes Angebot im zentralen, defensiven Mittelfeld. Da wird es der langjährige DFB-Kapitän schwer haben, sich vor allem gegen Simon Rolfes und Lars Bender, womöglich auch gegen Gonzalo Castro durchzusetzen. Es ist schwer vorstellbar, dass Ballack, der vor nicht langer Zeit einziger deutscher Weltstar war, sich auf Dauer mit einem Platz auf der Bank abfindet.
Wolfsburg Das Pokal-Aus in Leipzig hat den Werksklub erschüttert. Trainer Felix Magath will das System wechseln, er wird den Kader durch neue Spieler erweitern. Brisant war die Absetzung von Marcel Schäfer als Kapitän – wenngleich Magath betont, er glaube, dem 27-Jährigen damit helfen zu können. Der Nationalspieler galt als einer der Lieblingsschüler Magaths.
Augsburg Michael Thurk war Torjäger und Publikumsliebling. Doch der Bundesliga-Aufsteiger stellte ihn kurz vor Saisonbeginn frei – in erster Linie aus sportlichen Gründen, als Folge der Systemumstellung, wie es heißt. Die Entscheidung erhitzt im Umfeld des Vereins die Gemüter. Die Vermutung liegt nahe, dass man in Thurk, der mit seinen Chefs mehrmals auf Konfrontationskurs gegangen sein soll, einen Profi loswerden wollte, von dem man weitere Konflikte erwartete. Die Frage: Wie reagieren die Anhänger des FCA bei dessen Bundesliga-Premiere heute gegen Freiburg?
Hamburg Der HSV befindet sich in einem Verjüngungsprozess, den der neue Sportchef Frank Arnesen und Trainer Michael Oenning eingeleitet haben. Vermutlich braucht der Klub für den Umbruch Zeit. Und Geduld der Fans. Doch nach dem 1:2 beim Test gegen den FC Valencia reagierten Fans mit Pfiffen. Im Mittelpunkt des Unmuts stand Heiko Westermann. Der alte und neue Kapitän wehrte sich. "Alle Leute, die gepfiffen haben, sollten sich mal hinterfragen", sagte der frühere Schalker. "Wir brauchen einfach Zeit zur Entwicklung, das geht nicht von heute auf morgen." Oenning erklärte: "Ich kann so etwas nicht nachvollziehen. Gerade jetzt brauchen wir die Unterstützung unserer Fans."
Schalke Wo und wie genau soll Raúl künftig beim Pokalsieger agieren? Als Spielmacher im offensiven Mittelfeld, nicht in der Spitze? Bereits in der vergangenen Saison zog sich der Weltstar aus Spanien oft zurück, ganz neu für ihn wäre die Rolle deshalb nicht. Dennoch bleiben Mutmaßungen, der 34-Jährige sei vielleicht unzufrieden. Genährt werden sie dadurch, dass Raúl es ablehnte, einen Posten im Mannschaftsrat zu übernehmen. Abzuwarten ist, ob er tatsächlich noch eine volle Saison für Schalke spielt.
Bremen Der Streit zwischen Geschäftsführer Klaus Allofs und Aufsichtsratschef Willi Lemke um Werders Finanz- und Personalpolitik sorgte für Aufsehen. Denn er wurde öffentlich ausgetragen – bei den Bremern bisher unüblich.
München Schon Ende der vorigen Saison hatten Proteste der Ultras gegen den neuen Torhüter Manuel Neuer die Atmosphäre in München vergiftet. Die Partie gegen Mönchengladbach zeigt womöglich, ob die Fan-Gruppierung, die nur eine Minderheit der Bayern-Anhänger ist, noch Widerhall findet – sofern Neuer nach seiner Magen-Darm-Erkrankung spielen kann.
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