Transferpoker: Europa jagt deutsche Stars
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 16.07.2010 - 07:52Düsseldorf (RP). Der deutsche Fußball scheint wieder zum Exportschlager zu werden – wie in den 80er und 90er Jahren. Die großen Klubs sind hinter den Spielern des WM-Dritten her. Eine spanische Zeitung meldet, dass Sami Khedira bereits mit Real Madrid handelseinig sei.
Die Welt hat sich jetzt lange genug die Augen gerieben. Inzwischen wissen die Experten, dass deutscher Fußball durchaus modern, zeitgemäß, manchmal sogar zauberhaft sein kann. Und es ist kein Wunder, dass die ganz großen Klubs in Europa an diesem Zauber teilhaben wollen. Die Jungs aus Joachim Löws Team sind begehrt wie ihre sportlichen Ahnen in den späten 80er und frühen 90er Jahren.
Am heftigsten wird an Bastian Schweinsteiger, Mesut Özil, Lukas Podolski und Sami Khedira gebaggert. Mit unterschiedlichen Aussichten allerdings. Nach den jüngsten Meldungen von der Transferbörse hat Khedira die besten Chancen auf schnelle Vermittlung.
Die spanische Sportzeitung "Marca" meldete, er sei handelseinig mit Real Madrids neuem Trainer José Mourinho und sei auch schon auf dem Klubgelände gesehen worden. Sein Berater Jörg Neubauer dementierte eilig. "Das ist Unsinn", sagte er, "wir haben keinen persönlichen Kontakt zu Real."
Das zumindest könnte sich zügig ändern, weil selbst Khediras Verein, der VfB Stuttgart, einen Transfer des Mittelfeldspielers nicht ausschließt. 2011 nach Ablauf seines Vertrags könnte der 23-Jährige den Klub ablösefrei verlassen. Nur vor dem Vertragsende würde der VfB also an einem Wechsel verdienen.
Trainer Christian Gross erklärte: "Aufgrund der Vereinspolitik, die einen Verkauf von Khedira ins Auge fassen muss, wäre es töricht, sich darüber keine Gedanken zu machen." Madrid soll bereit sein, zehn Millionen Euro als Ablösesumme zu zahlen. Stuttgart hätte dafür einen der besten defensiven Mittelfeldspieler in Europa verloren.
Khedira würde nicht allein dem schnöden Mammon, sondern auch dem Mythos Real verfallen. Seit Jahren wirft der Madrider Klub mit viel Geld um sich, den entsprechenden internationalen Erfolg hat er allerdings nicht eingefahren. Den soll nun Mourinho bringen. Und der ist, das weiß die Zunft nicht erst seit seinem Triple-Gewinn (Meisterschaft, Pokal, Champions League) mit Inter Mailand, ein Verfechter der sehr dosierten Offensive, ein Sicherheits- und Systemfanatiker. Kluge Spieler mit taktischem Geschick, wie Khedira es ohne Zweifel ist, passen wie gemalt in seine Vorstellungen vom modernen Fußball.
Khediras Nationalmannschafts-Kollege Lukas Podolski galt bislang nicht als Prototyp des taktischen Universalgenies. Bei der WM aber hat er den zahlreichen Scouts der Klubs nachgewiesen, dass er auf mehreren Positionen verwendbar ist und sogar die beherzte Abwehrgrätsche beherrscht. Folglich schwärmt in jüngster Zeit Adriano Galliani, der Vizepräsident des AC Mailand, der Öffentlichkeit was über Podolski vor. Seine Vielseitigkeit sei beeindruckend, lobte Galliani, und wenn es dem Klub gelinge, Stürmer Klass-Jan Huntelaar wieder zu verkaufen, könne der Kölner gern kommen. Der 1. FC, der sich von Podolskis Rückkehr vor einem Jahr eine Renaissance des großen Kölner Fußballs versprach, hat sich nicht geäußert.
Da waren die Bayern weniger zurückhaltend. Auf das Interesse von Chelsea London und Real Madrid an Bastian Schweinsteiger antworteten die Münchner kategorisch: "Unverkäuflich." Präsident Uli Hoeneß betonte: "Wenn ich beim FC Bayern bin, spiele ich bei einem der größten Klubs."
Das behaupten die bescheidenen Bremer nicht. Und sie scheinen Mesut Özil nicht unbedingt ans Weserstadion zu schweißen. "Wir wollen mittel- und langfristig mit ihm verlängern", erklärte Klubchef Klaus Allofs, "aber wenn sich eine neue Situation ergibt, müssen wir uns damit auseinandersetzen." Im Klartext: Lieber in diesem Sommer eine Ablösesumme von 20 Millionen Euro einsacken als im nächsten Sommer gar nichts. Denn dann endet Özils Vertrag.
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