Matchwinner beim Supercup auf Schalke: Fährmanns großer Abend der Genugtuung
VON JANNIK SORGATZ - zuletzt aktualisiert: 24.07.2011 - 12:43Gelsenkirchen (RPO). Erst begruben sie ihn unter sich, dann trugen sie ihn auf Händen. Schalkes Torwart Ralf Fährmann hat seiner Mannschaft mit zahlreichen Paraden und zwei entschärften Elfmetern den ersten Titel der Saison gesichert. Im Spiel um den Supercup der DFL avancierte der Nachfolger von Manuel Neuer zum Matchwinner.
Nicht nur die Halbwertszeit von Helden ist im Fußball äußerst kurz. Auch ein vermeintlicher Depp kann sich binnen Monaten wieder zum Liebling wandeln. Der Weg, den Keeper Ralf Fährmann zurückgelegt hat, ist besonders kurios.
Am 12. März 2011 absolvierte er im Trikot von Eintracht Frankfurt sein bis Samstagabend letztes Spiel auf Schalke. Noch immer warteten die Hessen auf ein Tor in der Rückrunde. Dann legte sich Fährmann beim Stand von 0:0 den Ball vor, übersah in seinem Rücken aber Schlitzohr Raul. Der Schalker Stürmer rauschte in den Abschlag des Torwarts, der ihn ziemlich ungestüm von den Beinen holte – Elfmeter, 0:1, ein Sinnbild.
Bundesliga-Debüt im Derby
Der Weg der Eintracht führte immer tiefer in den Tabellenkeller. Fährmann entpuppte sich als eine der wenigen Konstanten, im positiven Sinne. Vielen guten Partien setzte er gerade am 34. Spieltag die Krone auf, als er bei Meister Borussia Dortmund hielt, was zu halten war, darunter zwei Elfmeter. Frankfurt stieg trotzdem ab, der 22-Jährige stieg auf. Sein Ex-Verein Schalke 04 suchte nach dem Abgang von Manuel Neuer einen Schlussmann. Fährmann war nicht erste Wahl, aber er kostete nichts.
2003 war der Chemnitzer erstmals zu den Königsblauen gewechselt, im Alter von 14 Jahren. Über die Jugend und die zweite Mannschaft arbeitete er sich hoch in den Profikader. 2008 dann das Bundesliga-Debüt – im Derby beim BVB. Schalke führte nach 54 Minuten 3:0, Dortmund glich in der 89. noch aus. Es folgten zwei weitere Spiele, weil Neuer an einem Mittelfußbruch laborierte.
Man kann leicht durcheinander kommen, wenn man nachzählt, wie viele Kreise sich am Samstagabend für Fährmann schlossen: Rückkehr in die Veltins-Arena, Rückkehr ins Schalke-Trikot, wieder gegen den BVB, wieder zwei Elfmeter pariert. Einzig Raul konnte er nicht erneut in seinem Rücken übersehen, weil der Spanier sich nun meist viele Meter vor ihm bewegt.
"Der Sieg ist eine Genugtuung, einfach super", sagte Fährmann. Wie groß die Lücke ist, die sein Vorgänger hinterlassen hat, dessen sei er sich bewusst. "Ich tue mein Bestes, diese Lücke in der neuen Saison zu schließen."
Die Dortmunder Angreifer brachte der einmalige U21-Torwart gleich mehrfach zur Verweiflung. In der regulären Spielzeit hielt er überragend gegen Robert Lewandowski (43.), als der Pole allein auf ihn zulief. Auch für Mario Götze war kein Vorbeikommen nach genau einer Stunde. Im letzten Derby Anfang Februar gelang es den damaligen Meistern in spe nicht, Manuel Neuer zu überwinden. Jetzt, Ende Juli, bestritt in Fährmann erneut ein Schalker Schlussmann 90 Derby-Minuten ohne Gegentreffer.
Erst im Elfmeterschießen gelang es Ilkay Gündogan und Mats Hummels, die neue Nummer eins von S04 zu überwinden. Dann tauchte Fährmann gegen Kevin Großkreutz blitzschnell ab und parierte dessen flachen Versuch. Gegen Leitner war der Keeper machtlos, bevor er gegen Ivan Perisic erneut die Ecke ahnte. "Was Schöneres kann es einfach nicht geben", sagte Fährmann.
Fährmann stärkt sich selbst den Rücken
Wochenlang war spekuliert worden, ob in Jens Lehmann ein weiterer Rückkehrer bei Schalke landet – ein 41-Jähriger. Ursprünglich war Manager Horst Heldt zudem an den Überfliegern Ron-Robert Zieler (Hannover 96) und Kevin Trapp (1. FC Kaiserslautern) interessiert. Die Transfers scheiterten jeweils an den hohen Millionenbeträgen, die die Klubs forderten. Fährmann war die Billiglösung – ablösefrei nach dem Abstieg von Eintracht Frankfurt. Gleich zu Beginn betonte Heldt, dass sein neuer Torwart "nicht automatisch gesetzt" sei.
Auf Vertrauensbeweise musste der lange warten. Jetzt hat Fährmann sich selbst den Rücken gestärkt. Unter der Woche hatten die Schalke-Fans mit Spott auf die Benimmregeln der Bayern-Ultras für Manuel Neuer reagiert. Regel 3 beherzigte Fährmann gleich nach der Siegerehrung: Er darf "sich der Nordkurve nähern". Regel 3.1 müsste seit Samstag lauten: "am liebsten mit einem Pokal".
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