1. Bundesliga 17/18
| 11.57 Uhr

Fan-Krawalle
Mob und Spiele

Polizei geht gegen HSV-Fans vor
Polizei geht gegen HSV-Fans vor FOTO: rtr, saw
Leverkusen/Hamburg. Im Vorfeld des Derbys zwischen dem 1. FC Köln und Bayer 04 liefern sich in Leverkusen 400 Hooligans eine Schlägerei. In Hamburg hindern Polizisten Fans mit Tränengas und Schlagstöcken offenbar daran, in den Kabinentrakt zu gelangen.

Das Derby zwischen dem 1. FC Köln und Bayer Leverkusen lag noch gut fünf Stunden in der Zukunft, da hatte die Leverkusener Polizei ihren ersten Spielbericht schon geschrieben. Ein Gewinner ist aus dieser Meldung nicht herauszulesen, wohl aber die Dimension der Schlägerei, die sich Anhänger beider rheinischer Vereine am Samstagabend in der Leverkusener Innenstadt geliefert hatten. Knapp 400 Personen prügelten sich demnach in der Nähe einer Fankneipe - oder, wie es in der Polizeimeldung heißt: "Zeitgleich näherten sich plötzlich etwa 150 Kölner Störer, von denen viele mit weißen T-Shirts bekleidet waren, über die Bismarckstraße und stürmten auf die vor dem ,Stadion- eck' versammelten etwa 250 Leverkusener Anhänger zu. Daraufhin maskierten sich die Leverkusener Störer teilweise und bewaffneten sich mit Latten und Verkehrszeichen."

Immerhin von 200 Beteiligten habe man im Verlauf des Abends die Personalien feststellen können, berichtet die Polizei weiter. Es werde nun wegen Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Aber zu diesem Zeitpunkt musste sie sich eben auch eingestehen, dass der gut gemeinte Appell an friedliche Rivalität vom Tag zuvor gescheitert war. In besagtem "Fanbrief" hieß es: "Als Polizei sind wir neutral und unterscheiden nicht nach Vereinsfarben. Wir unterscheiden nur zwischen friedlichen Fans und gewaltbereiten Störern. Gegen Personen, die Aggression und Gewalt schüren oder Straftaten begehen, werden wir konsequent vorgehen und erforderliche Maßnahmen treffen - egal ob im Stadion-Umfeld oder an einem anderen Ort der Stadt."

Die Vorfälle von Leverkusen rücken den Fußball damit einmal mehr mit Schlagzeilen in den Fokus, die die Vermarkter der DFL so gar nicht gebrauchen können, wenn sie die Bundesliga als Premium-Produkt weltweit offerieren. Doch fest steht eben auch: Massenschlägereien unter Hooligans sind zum einen keine Erfindung des Social-Media-Zeitalters, sie gab es schon in den 80ern, und zum anderen ist inzwischen vielerorten eine gewisse Abgestumpftheit in der öffentlichen Wahrnehmung gegenüber Fan-Ausschreitungen spürbar. Ausschreitungen, wie es sie am Samstag auch in Hamburg gab.

Bei Krawallen rund um die 1:2-Heimpleite des Hamburger SV gegen Hertha BSC erlitten neun Personen Verletzungen. Dies teilte die Polizei mit. Demnach verletzten sich sechs Ordner, zwei HSV-Anhänger sowie eine Polizistin. Deren Blessur sei aber nicht auf einen tätlichen Angriff zurückzuführen, sagte eine Pressesprecherin. HSV-Problemfans hatten sich schon im Stadion Auseinandersetzungen geliefert, nach dem Abpfiff der Partie mussten Ordnungshüter dann auch vor der Arena nach eigenen Angaben Schlagstöcke und Tränengas einsetzen. Offenbar wollten die Anhänger in den Kabinentrakt der Hausherren gelangen.

HSV-Klubchef Frank Wettstein verurteilte das Verhalten und kündigte an, konsequent gegen die Gewalttäter vorzugehen. "Das ist nicht tolerierbar. Wir sind in engem Austausch mit den Sicherheitskräften und werden alles Mögliche tun, um solche Störer künftig nicht mehr in unserem Stadion zu haben", sagte Wettstein: "Wir bedauern es sehr, dass es zu Verletzungen gekommen ist." Der Bundesliga-Dino ist nach dem Kölner 2:0 gegen Leverkusen Tabellenletzter und wartet seit 14 Spielen in der Liga auf einen Sieg. Dem Traditionsklub von der Elbe droht der erste Bundesliga-Abstieg.

Mit Kyriakos Papadopoulos will Neu-Trainer Christian Titz übrigens möglichst bald reden. Der auf die Ersatzbank beorderte Grieche hatte beleidigt reagiert und seinen Einsatz gefordert. Neues sei nicht das Beste, kritisierte Papadopoulos. Der 26-Jährige ist zur griechischen Nationalmannschaft gereist. "Wenn wir mit ihm gesprochen haben, werden wir verkünden, was wir machen", sagte Titz. Die Querelen im Verein scheinen ihren Anteil an der Missstimmung unter den Fans zu haben. Das hat der Samstag gezeigt.

(RP/dpa/sid)
 
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