Borussia Mönchengladbach: Favre und seine Vorbilder
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 10.12.2011 - 12:26Mönchengladbach (RP). Es ist ein festes Ritual. Irgendwann, wenn Borussias Trainer Lucien Favre am Wochenende nach Spielen nach Hause kommt, werden Ergebnisse gesucht. In England. In Spanien. In Frankreich. Spiele des FC Barcelona zum Beispiel. Oder jene von Arsenal London. Oder die Leistungen eines dritten Klubs, der aber nicht so recht in diese Auflistung passen möchte: Es ist der FC Lorient, ein kleiner, nordfranzösischer Klub. Es sind drei besondere Vereine für Lucien Favre. Denn auf eine bestimmte Art und Weise sind sie für ihn Vorbilder.
Wenn der Fußballlehrer heute Nachmittag (15.30 Uhr/Live-Ticker) beim Gastspiel von Borussia Mönchengladbach in Augsburg auf der Bank sitzt, ist es ein sehr erfahrener Trainer, der die Mannschaft betreut. Favre ist 54 Jahre alt, hat viel gesehen und erlebt. 1993 zum Beispiel durfte der Schweize 15 Tage beim großen Johan Cruyff in Barcelona hospitieren. "Ich war bei der ersten Mannschaft und der Jugend", erinnert sich Favre. "Ich habe dort so viel gelernt."
Es war die Zeit, in der der Niederländer den Katalanen als Trainer das System einbläute, das sie heute so erfolgreich macht: das flache Kurzpassspiel, diese geduldigen Kombinationen mit dem plötzlichen, aber tödlichen Pass in die Spitze. "Deshalb bin ich bis heute ein Barca-Sympathisant", betont der Coach. Gleichzeitig hat er Teile der Spielweise des Champions-League-Siegers für seine Borussia übernommen. Ein bisschen Barcelona schimmert immer durch, wenn der Steilpass auf Marco Reus in die Spitze gespielt wird.
Favre lernte weiter. Drei Jahre nach der Hospitanz in Barcelona folgte London. Arsène Wenger war in England noch ziemlich unbekannt, als er den FC Arsenal übernahm. Jedoch nicht für Favre. Dieser kannte den Franzosen noch aus seiner Spielerkarriere. "Als Wenger bei Arsenal angefangen hat, bin ich hingeflogen und habe mir das Training angeschaut", sagt der 54-Jährige. Der Franzose gilt als extremer Jugendförderer. Er formte junge Talente wie Patrick Vieira, Cesc Fabregas oder Robin van Persie zu Weltklassespielern, gab selten Geld für gestandene Profis aus. Ähnliches glückt auch Favre in Gladbach. Er vertraut jungen Spielern wie Marc-André ter Stegen, Tony Jantschke, Havard Nordtveit oder Patrick Herrmann – und auch die Neuverpflichtungen waren Spieler mit Perspektive.
Bleibt noch Christian Gourcuff. Der Franzose gehört zu den Persönlichkeiten, die Lucien Favre als Freund bezeichnen würde. Gourcuff trainiert, mit einer kurzen Unterbrechung, den FC Lorient. 1991 stand er das erste Mal beim Klub aus der bretonischen Hafenstadt, damals Drittligist, am Ruder. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte. "Bei Christian habe ich mein letztes Trainerdiplom gemacht", erinnert sich Favre. Das war Anfang der 90er Jahre. Die Freundschaft hält bis heute. "Ich war vergangenes Jahr noch einmal bei ihm ", sagt Favre. Und als Trainertypen sind sie sich sehr ähnlich. Gourcuff bevorzugt eine schöne Spielweise gegenüber der ergebnisorientierten – und das, obwohl die finanziellen Mittel des Vereins überschaubar sind. Wie auch in Gladbach.
Der Lucien Favre, der heute so viel Erfolg bei Borussia Mönchengladbach hat, ist ein Produkt seiner Erfahrungen. Aber nicht nur. "Du kannst von jeder Mannschaft lernen", sagt der Fußballtrainer. "Aber wirklich verbessern tust du dich am Ende nur durch deine eigenen Ideen."
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