Titelkampf in der Bundesliga: FC Bayern greift in die Psycho-Kiste
zuletzt aktualisiert: 06.02.2012 - 13:15Düsseldorf (RPO). Uli Hoeneß lüftet ein lang gehütetes Geheimnis, Franz Beckenbauer erklärt Borussia Dortmund zum großen Titelfavoriten – im Kampf um die Meisterschaft greift der FC Bayern München ganz tief in die Trickkiste.
"Als sie (die Dortmunder, Anm. d. Red.) mal gar nicht mehr weiter wussten und Gehälter nicht mehr zahlen konnten, haben wir ihnen ohne Sicherheiten zwei Millionen gegeben für einige Monate", plauderte Bayern-Präsident Hoeneß am Samstag während einer Fanveranstaltung in Hamburg aus.
Es soll sich um eine Zahlung aus dem Jahr 2003 handeln, als der damalige BVB-Präsident Gerd Niebaum und Manager Michael Meier den damals hochverschuldeten Traditionsklub beinahe in die Insolvenz getrieben hätten. Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bestätigte am Sonntag den Wahrheitsgehalt der Hoeneß-Aussage. "Ja, ich kann eine Leihgabe bestätigen", sagte er auf Anfrage der Ruhr Nachrichten.
Bayern-Trainer Jupp Heynckes glaubt nicht an eine gezielte Attacke seines Präsidenten an die Adresse des wohl härtesten Konkurrenten um die Meisterschaft. "Ich sehe das nicht als Kalkül. Es liegt ja auch schon ein paar Jahre zurück. Ich finde es grundsätzlich sehr positiv, wenn es in der Liga Solidarität gibt", meinte der 66-Jährige am Montag in der Pressekonferenz.
Ohne die Bayern-Millionen wären die Lichter bei den Borussen, die 2005 vor dem wirtschaftlichen Kollaps standen, möglicherweise ausgegangen. Inzwischen hat sich der BVB finanziell so gut erholt, dass er sogar den Wettbewerb mit dem Bayern um die Verpflichtung von Nationalspieler Marco Reus für 17,5 Millionen Euro gewann.
"Sitzen gemütlich auf dem Sofa"
Ehrenpräsident Franz Beckenbauer rief den BVB derweil zum Titelfavoriten aus und forderte Dortmund auf, die Tiefstapelei zu beenden. "Kloppo, ihr seid der deutsche Meister, ihr seid nun auch Tabellenführer - und damit seid ihr der Titelfavorit", schrieb Beckenbauer in seiner "Bild"-Kolumne.
Seine Münchner hätten die Leichtigkei verpasst, "den Vorsprung auszubauen", so Beckenbauer weiter: "Und die schwierige Zeit beginnt erst mit der Zusatzbelastung durch die Champions League. Die Dortmunder sitzen dann gemütlich auf dem Sofa. So wurden sie auch vergangene Saison Meister."
Der Titelverteidiger hat jedoch so gar keine Lust auf die Favoritenrolle. "Wir beschäftigen uns damit nicht, weil uns der Druck den Spaß am Fußball nehmen würde", sagte Jürgen Klopp auf die Frage nach der Meisterschaft. Und auch Kevin Großkreutz schob die Favoritenrolle gewohnt schnippisch den Münchnern zu. "Bayern hat doch gesagt, dass sie mehr Qualität haben. Dann sollen sie's zeigen!"
"Sind Sie verrückt?"
Gänzlich aus dem Hickhack im Titelrennen raushalten wollen sich dagen offenbar der FC Schalke und Borussia Mönchengladbach. Von Rückschlägen wollten beide Teams nach Unentschieden am Wochende dann auch so gar nichts wissen.
"Sind Sie verrückt?" fragte Borussia-Trainer Lucien Favre einen Journalisten, der das 0:0 beim VfL Wolfsburg als Rückschlag gewertet hatte. "Wir haben sieben Punkte aus drei Spielen geholt. Das ist nicht schlecht, oder?" Und auch sein Schalker Kollege Huub Stevens war mit dem 1:1 gegen Mainz nicht unzufrieden. "Wir haben nicht gegen den FC Hüppelbüpp gespielt", formulierte Stevens seine Einschätzung. "Wir haben wieder einen Schritt in eine gute Richtung gemacht. Das hört sich für einige fremd an, aber wir sind noch in der Entwicklung."
Am nächsten Spieltag stehen sich die zwei Außenseiter im Titel-Vierkampf dann im direkten Duell gegenüber. Vermutlich völlig unbeeindruckt von den Psycho-Spielchen der Konkurrenz.
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