1. Bundesliga 16/17
| 07.17 Uhr

Dettmar Cramer wird 90
Bayern-Coach und Fußball-Pionier in über 70 Ländern

Bilder: Dettmar Cramer: Bayern-Trainer, Weltenbummler, "Napoleon"
Bilder: Dettmar Cramer: Bayern-Trainer, Weltenbummler, "Napoleon" FOTO: dpa, sv nic
Reit im Winkl. In mehr als 70 Ländern war Dettmar Cramer als Fußballtrainer aktiv - am Samstag feiert der einstige Bayern-Coach seinen 90. Geburtstag. In seiner oberbayerischen Heimat ist eine kleine Feier geplant.

Viele machten es ihm nach, Dettmar Cramer aber war ein Pionier. Als erster großer deutscher Fußballtrainer wagte der spätere Coach des FC Bayern München in den 60er Jahren den Schritt ins Ausland. Was in der globalisierten Sportwelt von heute Normalität ist, war damals ungewöhnlich. Mut und Abenteuerlust aber brachte Cramer, der an diesem Samstag (4. April) seinen 90. Geburtstag feiert, ebenso mit wie die nötige Weltoffenheit.

Bis 1974 arbeitete Cramer für den Weltverband Fifa als Instrukteur und Trainer in rund 70 Ländern, ehe er für wenige Monate US-Nationalcoach wurde und schließlich 1975 für drei Jahre zum FC Bayern ging. Mit den Münchnern gewann er in der Beckenbauer-Ära zweimal den Europapokal der Landesmeister und einmal den Weltpokal. Deutscher Meister wurde er aber nie. Auch nicht während späterer Engagements bei Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen. Den Ruf als Weltenbummler bestätigte der pedantisch Arbeitende danach als Nationalcoach Saudi-Arabiens und als Trainer der Olympia-Auswahl Südkoreas.

Alle Bayern-Trainer in der Bundesliga FOTO: afp, GS

Cramer konnte sich für neue Kulturen begeistern - auch, um sich Respekt zu verschaffen. Vor seiner Station Ende der 80er Jahre in Japan hatte er mit zwei Bleistiften ausgiebig das Stäbchenessen geübt. Tags drauf konnte er Spiegeleier damit zerteilen, die Spieler staunten. Cramer beschränkte sich sein ganzes Leben lang nicht nur auf Fußball, er bildete sich abseits des Rasens fort. In Japan beschäftigte er sich etwa mit dem Zen-Buddhismus.

Dank seiner Fähigkeiten als Fußball-Professor, wie er oft tituliert wurde, bezeichnen ihn die Japaner bis heute als Vater des modernen japanischen Fußballs. Trotz seiner hohen Anerkennung im ostasiatischen Land gab Cramer sich stets bescheiden. "Ich weiß nicht, wer mehr gelernt hat: Die Japaner von mir oder ich von den Japanern", sagte er in einem Interview. Das Gespür für Gesten fehlte ihm in der Trainerzeit nicht. "Napoleon" wurde er genannt, in entsprechender Montur posierte er im Münchner Olympiastadion.

Beim FC Bayern gibt es zu seinem runden Geburtstag aus Rücksicht auf die Gesundheit des betagten Ex-Trainers keine größeren Ehrungen. Lediglich die Dettmar Cramer Foundation plant in seinem oberbayerischen Heimatort Reit im Winkl Feierlichkeiten mit Musikkapelle, Geburtstagsgrüßen und Geschenkübergaben. In Teilen sei der Ablauf "abhängig von Herrn Cramers Gesundheitszustand", heißt es in der Einladung.

Was er durch den Fußball erreicht habe, "verdanke ich Sepp Herberger", befand der gebürtige Dortmunder stets. Schon als 16-Jähriger war dem späteren Bundesverdienstkreuz-Träger nach einem Jugendlehrgang mit dem Weltmeister-Macher von 1954 klar, dass er Trainer werden wollte. Als dessen späterer Assistent arbeitete Cramer zwischenzeitlich auch für den Deutschen Fußball-Bund. Nach Herbergers Rücktritt 1964 erfüllte sich der Wunsch, sein Nachfolger zu werden, aber nicht. Der DFB entschied sich für Helmut Schön.

Nichts hasste der nur 1,65 Meter große Cramer - vom früheren Nationaltorhüter Sepp Maier einmal despektierlich als "laufender Meter" bezeichnet - mehr als Misserfolge. "So lange besser möglich ist, ist gut nicht genug", war sein Leitspruch. "Ich habe versucht, es immer noch ein bisschen besser zu machen."

(dpa)
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