1. Bundesliga 16/17
| 07.15 Uhr

TV-Vermarktung
St. Pauli provoziert die Werksklubs

Die TV-Einnahmen der Bundesliga-Klubs
Die TV-Einnahmen der Bundesliga-Klubs
Düsseldorf. Keine Kohle für "Werksklubs" - und damit das Ende der Solidargemeinschaft? Der von Andreas Rettig, Geschäftsführer des Zweitligisten FC St. Pauli, eingereichte Antrag an die Deutsche Fußball Liga (DFL) für deren Mitgliederversammlung am 2. Dezember in Frankfurt/Main sieht vor, dass sich künftig der VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen, 1899 Hoffenheim und ab 2017 eventuell auch Hannover 96 selbst vermarkten sollen.

An den Einnahmen aus der Fernseh- sowie der Gruppenvermarktung (adidas-Ligaball, Krombacher, Hermes-Ballbote) sollen sie nicht mehr wie gewohnt partizipieren.

"Wir sind über diesen Antrag sehr überrascht, da er nach den gültigen Regularien der DFL-Satzung unzulässig ist", sagte Leverkusens Geschäftsführer Michael Schade unserer Redaktion. So könne es nicht im Interesse der Mehrzahl der deutschen Profiklubs sein, dass die Solidargemeinschaft und die Zentralvermarktung, von der insbesondere die Zweitligisten profitierten, aufgegeben werden. "Für die gesamte Bundesliga wäre dies eine schädliche Entwicklung, die die Grundwerte des Erfolgs der Profiklubs in Gefahr bringen würde", meinte Schade. "Das ist ein typischer Rettig. Er macht das, was er gerne tut: Er gibt ein bisschen Schweinchen schlau", betonte Bayers Sportchef Rudi Völler. Der Antrag sei für ihn "ein bisschen populistisch, unnötig, nicht in Ordnung und enttäuschend".

"Wir denken", sagte Hannovers Präsident Martin Kind, "dass dieser Antrag nicht mehrheitsfähig sein wird. Sollte ihm stattgegeben werden, ist die Zentralvermarktung am Ende, dann würde es eine Einzelvermarktung geben." Dadurch würden beispielsweise Vereine wie Bayern München oder Borussia Dortmund profitieren, ein Klub wie der SV Sandhausen oder der FSV Frankfurt aber könnten deutlich weniger Geld einnehmen.

Derzeit regelt die DFL die "satzungsgemäße Verteilung" der Einnahmen durch TV-Rechte zentral. Von den 2,5 Milliarden Euro des 2017 auslaufenden Vierjahresvertrags erhielten die Bundesligisten in dieser Saison 680 Millionen Euro, 170 Millionen Euro (20 Prozent) gingen an die Zweitligisten.

Angeblich will St.Paulis Manager Rettig, ehemaliger DFL-Geschäftsführer, am 2. Dezember über eine entschärfte Version abstimmen lassen. So sollen die betroffenen Vereine nicht gänzlich von den Einnahmen ausgeschlossen werden, sondern lediglich Abschläge in Kauf nehmen. Traditionsvereine wie Eintracht Frankfurt oder der Hamburger SV wären dem Vorschlag zumindest nicht vollkommen abgeneigt und haben ebenso wie Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke bereits Argumente für eine Neuverteilung der TV-Honorare gebracht.

So sprach Watzke davon, dass Tradition oder das Fanaufkommen bei Auswärtsspielen bei der Verteilung berücksichtigt werden. Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef von Bayern München, hatte zuletzt für die zentrale TV-Vermarktung geworben. "Unter einer Bedingung: Die internationale Wettbewerbsfähigkeit des FC Bayern und der Bundesliga darf nicht gefährdet sein." Denn die Bundesliga, so Rummenigge, lebe "von der Spitze".

Quelle: RP
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