Interview: Schnusenberg: "Bis 2010 Deutscher Meister"
zuletzt aktualisiert: 18.02.2008 - 14:49Düsseldorf (RPO). Josef Schnusenberg, Präsident des FC Schalke 04, schaut trotz der vergangenen Freitag erlittenen Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg (1:2) optimistisch in die Zukunft der Königsblauen. Seine Knappen sollen bis 2010 endlich Deutscher Meister werden.
Frage: Herr Schnusenberg, Schalke 04 steht am Dienstag erstmals im Achtelfinale der Champions League - als letzter deutscher Klub. Was bedeutet es für den Verein?
Josef Schnusenberg: "Es ist eine große Herausforderung, eine Riesengeschichte, zumal kaum einer damit gerechnet hat. Ins Achtelfinale zu kommen, hat der Mannschaft einen Schub gegeben. Auf der anderen Seite zeigt es, dass es auch in Zukunft erstrebenswert ist, weiter in der Champions League zu spielen."
Was trauen Sie der Mannschaft noch zu?
Schnusenberg: "Unter den letzten 16 ist die Qualität schon sehr hoch. Aber bezeichnend war, dass nach der Auslosung nur zwei Vereine richtig zufrieden waren: Porto und wir. Wir werden sicherlich von den Portugiesen ein bisschen unterschätzt. Wenn wir jetzt noch eine Runde weiterkommen, dann will ich nicht sagen, dass alles möglich ist. Denn die Luft wird immer dünner. Aber schauen wir mal."
Was sagt der Schatzmeister?
Schnusenberg: "Man hat mich ja belächelt, als ich von zwölf Millionen Euro Einnahme im Achtelfinale gesprochen habe. Ich denke, wir liegen sogar etwas drüber. Das bringt uns ein Riesenstück Sicherheit. Wir haben 2007 eine fantastische Bilanz, und das schlägt sich natürlich auch für 2008 nieder. Wenn auch noch das Viertelfinale käme, wäre es eine Supersache. Bisher haben wir aus der Champions League insgesamt rund 28 Millionen eingenommen."
Wie sind denn die Zahlen für 2007?
Schnusenberg: "Der Gesamtumsatz liegt bei 155 Millionen Euro, aber für mich ist nicht der Umsatz entscheidend, sondern was überbleibt, und das ist ganz ordentlich. "
Und wie sieht es für 2008 aus?
Schnusenberg: "Es würde natürlich wieder schlechter ausfallen, wenn wir nicht in die Champions League kämen. Wir haben nur mit dem UEFA-Cup, also deutlich niedriger geplant. Aber wir hätten auf jeden Fall auch bei unserem gestiegenen Gehaltsniveau am Ende eine schwarze Null. Bei etwa 115 Millionen Euro liegt der Break-Even-Punkt."
Auch wenn es dem Verein finanziell gut geht - im Sommer feiert Dortmund, weil Schalke dann 50 Jahre ohne Schale ist.
Schnusenberg: "Natürlich lechzen wir alle nach der Schale. In diesem Jahr müssten wir schon eine ganze Menge Glück haben, um sie noch zu erreichen. Aber unser vorrangiges Ziel ist der dritte Platz, wenn wir den erreichen, sind wir alle zufrieden. Dann sollen die Dortmunder ruhig feiern."
Und wann feiert Schalke?
Schnusenberg: "Ich hoffe, noch während meiner Amtszeit, also bis 2010."
Wie realistisch ist das?
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Schnusenberg: "Es ist schon realistisch. Die Mannschaft hat ein Riesenpotenzial, die Neuzugänge sind gut eingeschlagen. Da muss sicherlich in den nächsten Jahren noch der ein oder andere ergänzt werden. Aber wir sind fast auf allen Positionen doppelt besetzt."
Und wann schließt Schalke, wie von Ihnen vorhergesagt, zu Bayern München auf?
Schnusenberg: "Das war eine rein mathematische Rechnung. Rudi Assauer hat immer gesagt, die Bayern sind uns 20 Jahre voraus. Das ist jetzt 15 Jahre her. Also sind sie nur noch fünf Jahre vorne... Aber im Ernst: Die Rahmenbedingungen sind gut, wir haben ein mindestens genauso gutes Stadion, unsere Mannschaft wird immer besser, und mit unserem Sponsoring haben wir aufgeschlossen. Man sollte sich ehrgeizige Ziele stecken. Wir müssen uns mit dem, was wir haben, ja nicht verstecken, wir können selbstbewusst auftreten."
Und 2015 schwimmen Sie im Geld?
Wir haben für Sie die Fakten des 20. Spieltags zusammengestellt. mehr
Schnusenberg: "Das habe ich angekündigt, aber mit einem Augenzwinkern: Fakt ist, wenn das Stadion bezahlt ist, haben wir zusätzliche Liquidität in der Größenordnung von 12, 13 Millionen jährlich. Das versetzt uns schon in die Lage, noch selbstbewusster aufzutreten."
Wann könnte es schwierig werden?
Schnusenberg: "Unser Kader und die Besoldung sind ausgerichtet auf Erfolg. Ein Jahr ohne Champions League kann man immer überbrücken, aber wenn man es zwei Jahre hintereinander nicht schafft, muss man sich schon Gedanken machen, wie man das auffängt. Wir sollten schon die Zeit in der Champions League dazu nutzen, uns zu konsolidieren und auf schwächere Zeiten vorbereitet zu sein. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass im Alten Testament der Pharao jemanden namens Josef damit beauftragt hat, in den fetten Jahren für die mageren Jahre vorzusorgen."
Schalke hat ja auch immer noch 130 Millionen Euro Verbindlichkeiten.
Schnusenberg: "Dem stehen die Arena, die Spielerwerte, das gesamte Gelände gegenüber. Vor einigen Jahren ist der Wert von Schalke 04 auf 600 Millionen Euro taxiert worden. Im Verhältnis dazu sind die Schulden überschaubar."
Muss sich die Bundesliga für private Investoren öffnen?
Schnusenberg: "Nein. Ein Investor will mitreden und wirtschaftliche Vorteile herausziehen. In England ist es doch so, wie Michel Platini gesagt hat: Die haben keinen englischen Präsidenten mehr, keine englischen Spieler mehr, die Stadien und Vereine gehören alle Ausländern, dann können sie eigentlich auch im Ausland spielen."
Und sie nehmen nicht an der EM teil...
Schnusenberg: "Genau. England ist für mich das typische Beispiel, wohin es führen kann, wenn man fremdbestimmt wird. Vielleicht sehe ich es zu idealistisch, aber ich glaube, jeder der Schalke verkaufen wollte, würde Schiffbruch erleiden."
Sie haben in dieser Saison rund zwölf Millionen Euro für neue Spieler investiert...
Schnusenberg: "Wir haben aber auch eine sehr gute Transferbilanz. Das Saldo zwischen Einkauf und Verkauf liegt bei zwei Millionen."
..., wann ist Schalke so weit, um einen Ribery mitzubieten?
Schnusenberg: "Es birgt auch eine Menge Risiken, alles guckt bei Bayern auf Ribery, wenn er ausfällt, bricht die ganze Mannschaft zusammen. Aber einen internationalen Star hier zu haben, würde schon Spaß machen. Wenn wir alles so umsetzen, wie wir es vorhaben, dann werden wir irgendwann gar nicht umhinkommen, so einen Knaller zu holen."
Wann?
Schnusenberg: "Wenn wir die Champions League gewinnen. Oder vielleicht brauchen wir auch so einen, um dahin zu kommen. Aber im Ernst: Wir haben aus der Vergangenheit gelernt. Wir haben sicher einiges zu schnell gemacht, Stadionbau, Mannschaftsumbau. Es hat alles geklappt, aber es hätte auch anders ausgehen können. Es war sehr eng. Deshalb müssen wir mit Augenmaß investieren."
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