1. Bundesliga 16/17
| 20.59 Uhr

Sieben Zweitligisten verzichten
Fan-Widerstand gegen Flüchtlingsaktion wächst

Flüchtlingsaktion "Wir helfen": Der Fan-Widerstand wächst
BVB-Fans protestierten am Donnerstag in der Europa League gegen die geplante Aktion. FOTO: dpa, mjh jai
Berlin. Während sieben Zweitligisten – am Freitag kamen der MSV Duisburg und der 1. FC Kaiserslautern dazu – angekündigt haben, an diesem Wochenende nicht mit dem "Wir helfen"-Logo für Flüchtlinge auflaufen zu wollen, halten die Erstligisten an der Aktion fest. Vielen Fans passt das gar nicht. In der Europa League protestierten Anhänger von Borussia Dortmund. Von Antje Rehse

Der FC St. Pauli hatte den Stein ins Rollen gebracht. Die Hamburger hatten am Mittwoch bekanntgegeben, dass sie nicht an der Aktion von DFL, Hermes und Bild beteiligen werden. "Der FC St. Pauli ist seit vielen Wochen auf verschiedenen Ebenen zu einem Thema, das seit Monaten alle emotional bewegt, aktiv, um den Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, zu helfen", hatte Geschäftsführer Andreas Rettig erklärt. Er betonte, dass sein Verein für eine Willkommenskultur stehe "und wir handeln damit auf eine Art und Weise, die unseren Klub schon seit Jahrzehnten ausmacht. Wir leisten ganz praktische und direkte Hilfe dort, wo sie gebraucht wird".

Am kommenden Wochenende sollten alle 36 Mannschaften der 1. und 2. Fußball-Liga auf dem linken Trikotärmel den Aufdruck der "Bild"-Aktion "Wir helfen - #refugeeswelcome" tragen – statt des sonst üblichen großen Sponsorenlogos des Versandunternehmens Hermes. Klein sind dabei auch die Logos der Zeitung und von Hermes abgebildet. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hatte zu dieser freiwilligen Aktion aufgerufen.

Erhitzt wurden die Gemüter vieler Fans vor allem durch die Reaktion von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann auf die Entscheidung des Zweitligisten. In einem Tweet unterstellte er dem FC St. Pauli, Flüchtlinge seien dort nicht willkommen.

Unter dem Hashtag #BILDnotwelcome machten Twitter-User danach ihrem Ärger Luft und forderten ihre Lieblingsvereine zu Solidarität mit den Kiez-Kickern auf. Erhört wurden sie unter anderem vom VfL Bochum, der sich ebenfalls entschloss, auf das Logo zu verzichten und das mit dem Diekmann-Tweet begründete. Gegner Fortuna Düsseldorf lief beim Spiel am Freitagabend mit einer veränderten Form des Aufnähers auf. Das Logo der "Bild"-Zeitung war abgeklebt.

"Der VfL Bochum 1848 begrüßt sämtliche Hilfsmaßnahmen, die in Not geratene Menschen unterstützen. (...) Allerdings hat uns die scharfe Reaktion seitens der Bild-Chefredaktion ob der Absage eines anderen Klubs an die Aktion dazu gebracht, sich mit diesem Verein solidarisch zu zeigen", hieß es in der Stellungnahme.

Auch der 1. FC Union Berlin, der SC Freiburg und der 1. FC Nürnberg werden ohne das "Wir helfen"-Badge auflaufen. Am Freitag zog auch der MSV Duisburg nach. Die "Zebras" werden mit einem Sondertrikot auflaufen, auf dem "Refugees Welcome" zu lesen sein, das Badge aber fehlen wird.

Die "Bild" äußerte sich in einer schriftlichen Stellungnahme enttäuscht über die Absagen: "Bild findet es sehr schade, dass einzelne Vereine die gemeinsame Aktion mit DFL und Hermes nicht unterstützen – hier geht es schließlich um die gute Sache." Diekmann selbst goss mit einem Tweet, bei dem auf dem "Wir helfen"-Badge anstelle des Bild-Logos das des Pauli-Rivalen Hamburger SV zu sehen ist, weiteres Öl ins Feuer.

Von den 18 Bundesligisten wollen sich, Stand Freitagabend, alle an der Aktion beteiligen. Das missfällt den Fans. Anhänger von Borussia Dortmund positionierten sich am Donnerstag beim Europa-League-Spiel gegen Krasnodar (2:1) mit verschienenen Bannern. "Die Flüchtlingskatastrophe für das eigene Image zu instrumentalisieren? Das bringt nur die Bild", hieß es unter anderem. Fans andere Vereine haben für den kommenden Bundesliga-Spieltag ebenfalls Proteste angekündigt.

Der FSV Mainz 05, der am Freitag gegen die TSG 1899 Hoffenheim den Spieltag eröffnete, begründete seine Teilnahme wie folgt: "Der Wert des gemeinsamen Signals zu Gunsten der Flüchtlinge steht für uns über der aktuell geführten Diskussion. Unsere Solidarität gilt den Flüchtlingen!"

(areh)
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