1. Bundesliga 17/18
| 16.18 Uhr

Pillen-Beichte in Biographie
Frank Mill ist kein Doping-Aufklärer

Frank Mill ist kein Doping-Aufklärer
Frank Mill stellt in Essen seine Biographie vor. FOTO: Stefan Klüttermann
Meinung | Düsseldorf. In seiner Biographie berichtet Ex-Nationalspieler Frank Mill von ominösen Pillen, die er mit Whiskey heruntergespült hat und nach deren Einnahme er wie aufgedreht war. Zur Aufarbeitung der Doping-Problematik im Fußball trägt er damit nicht bei. Von Stefan Klüttermann

Frank Mill ist kein Doping-Aufklärer. Er ist auch kein Kronzeuge, der in seiner am Montag veröffentlichten Biographie den Missbrauch leistungssteigernder Substanzen im Fußball ans Licht bringt. Der 59-Jährige ist nur der nächste Ex-Profi, der den – in seinem Fall – einmaligen Einwurf ominöser Pillen als nostalgische Anekdote aus einem früheren Profifußball erzählt. Ohne Anklage. Ohne Forderung. Und damit letztlich auch ohne Wirkung.

Was dem deutschen Fußball fehlt, ist keine weitere launige Episode, die Dopingmissbrauch in der Kabine als einmaligen Ausrutscher beschreibt, aber nicht Ross und Reiter sowie Ausmaß und Verantwortliche des Medikamentenbetrugs nennt. Was dem deutschen Fußball fehlt, ist der Wille, den schon vor Mill von anderen Ex-Profis wie Toni Schumacher und anhand von Studien mindestens nahegelegten Doping-Missbrauch früherer Tage aufklären und systematisch aufarbeiten zu wollen. Was es braucht, ist ein Ende volkstümlicher Geschichten vom Einsatz harmloser Vitaminspritzen und vielleicht zu vieler Schmerztabletten. Denn Verharmlosung – selbst nur im Rückblick – konterkariert unterm Strich den Einsatz jedes engagierten Doping-Aufklärers.

Doch im Fußball gilt auch heute noch die mal von Franz Beckenbauer getätigte und längst unfreiwillig komisch klingende Versicherung, im Fußball mache Doping ja gar keinen Sinn. Da habe man ja alle paar Tage ein Spiel und der Körper demzufolge keine Erholungsphasen. Heute werde das kein Profi mehr versuchen, ist sich Mill sicher. Es gibt ja schließlich Kontrollen. Man muss die Scheuklappen schon sehr eng angezogen haben, um ausgerechnet den Fußball in Sachen Doping-Missbrauch für eine Insel der Glückseligkeit inmitten von verseuchten Sportarten zu halten. Damals wie heute.

 
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