1. Bundesliga 17/18
| 13.16 Uhr

Freitagsspiel der Bundesliga
Frankfurt nimmt Europa ins Visier

Bundesliga 09/10: Bochum - Frankfurt
Bundesliga 09/10: Bochum - Frankfurt FOTO: ddp
Bochum (RPO). Ausgerechnet Chefkritiker Heribert Bruchhagen gab als Erster die Zurückhaltung auf. "Wenn wir diese Leistung konservieren können, schließe ich nichts aus", sagte der sonst so betont sachliche Vorstandsboss von Eintracht Frankfurt nach dem eindrucksvoll herausgespielten 2:1 (1:1) der Hessen beim VfL Bochum und blies zur Attacke auf einen Europa-League-Platz.

Zwar seien die vor der Eintracht platzierten Mannschaften "keine Laufkundschaft", auch sei "genügend Rückschlagpotenzial vorhanden". Doch der mit Bravour bestandene Charaktertest sechs Tage nach dem 2:1-Triumph über Bayern München veranlasste Bruchhagen zu ungewohnt offensiven Aussagen: "Es wäre töricht, wenn wir die kleine Chance nun nicht in Angriff nähmen."

Dass Trainer Michael Skibbe die Sachlage anders sieht, wundert in Frankfurt niemanden mehr. Zu häufig schon waren die beiden Eintracht-Macher verschiedener Meinung. "Die Mannschaften, die vor uns platziert sind, werden uns nicht mehr herankommen lassen. Der sechste Platz ist unrealistisch", sagte Skibbe. Er erinnerte erneut an das Saisonziel, die 46-Punkte-Marke zu überschreiten, was der Eintracht zuletzt 1994 gelungen war. 41 Punkte sind es jetzt schon, und in den meisten der noch folgenden sechs Begegnungen wartet nicht gerade die Creme de la Creme der Liga.

Und wenn die Eintracht so weitermacht, muss sich auch Bayer Leverkusen am kommenden Samstag warm anziehen. In Bochum ging Frankfurt mit der Führung der Gastgeber durch Lewis Holtby (10.) so um, als sei sie nie gefallen. Marco Russ (29.) glich für die nicht nur technisch haushoch überlegenen Gäste (64 Prozent Ballbesitz) schnell aus. Auch dass der einst schon zum Fehleinkauf gestempelte Caio den Siegtreffer erzielte (64.) und erneut gut spielte, ist ein weiteres starkes Symbol für den Höhenflug der Hessen.

Fast genüsslich lobte Skibbe den Brasilianer als "einen unserer Matchwinner" und nahm ihn gegen alle vorangegangene Kritik in Schutz. "Als er zu uns kam, ist er mit Erwartungen überfrachtet worden. Er ist erst 23 und kann noch viel lernen. Er ist ein guter Junge, der weiß, wie Fußball funktioniert", sagte Skibbe. Dass sich sein Trainervertag mit Überschreiten der 40-Punkte-Marke automatisch bis 2011 verlängert hat, wollte er nicht bestätigen - wohl aber, "dass ich auch im kommenden Jahr Eintracht-Trainer sein werde".

Auch Heiko Herrlich wird in Bochum Coach bleiben, fragt sich nur, in welcher Liga. Das Neun-Punkte-Polster auf den Relegationsplatz, das die Westfalen noch vor einem Monat vorwiesen, schrumpft immer mehr. Doch Abstiegskampf ist tief im Westen Dauerzustand, und entsprechend unaufgeregt waren die Reaktionen.

"Ich bin überzeugt, wir schaffen den Klassenerhalt, auch wenn die Situation prekärer geworden ist", sagte Manager Thomas Ernst. Konkret bezeichnete er sie als "warnende Momentaufnahme".

Herrlich blieb genauso gelassen und betonte, dass der VfL sein Ziel erreichen werde. Bedient von der schwachen Leistung seiner Mannschaft war er dennoch. "Nach der Führung haben wir das Fußballspielen eingestellt und so viele Fehler gemacht, wie ich es hier noch nicht erlebt habe."

Seit fünf Monaten ist er im Amt, von neun Heimspielen gewann sein Team nur eines. "Die Pfiffe der Fans tun weh, aber sie sind nachvollziehbar", sagte Herrlich. Das Kellerduell beim SC Freiburg am kommenden Samstag bezeichnete er als "Schlüsselspiel, in dem wir zeigen müssen, dass wir zurecht in die Liga gehören".


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(SID/chk)
 
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