Bescheidener Heißsporn: Freiburger Mentalitätswechsel auf Trainerbank
zuletzt aktualisiert: 02.01.2012 - 19:57Freiburg (RPO). Christian Streichs Verbundenheit zum SC Freiburg ist hörbar. Dabei ist es nicht nur der markante badische Dialekt, der den 46-Jährigen bei seiner ersten Einheit als Cheftrainer des Bundesliga-Schlusslichts verriet. Auch das Understatement und die Bescheidenheit, die der Klub über Jahre vorgelebt hat, klingen in Streichs Worten durch, wenn er über seinen Posten spricht. Streich scheint die Philosophie der Breisgauer verinnerlicht zu haben - und passt dennoch nicht so recht ins beschauliche Bild.
"Ich bin ein anderer Typ. Ich versuche, gewisse Dinge so zu machen, wie sie mir entsprechen", sagte Streich, der im Gegensatz zu Vorgänger Marcus Sorg als Heißsporn gilt. Zuletzt hatte Streich als Co-Trainer unter Sorg im Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin im November sein Temperament nicht unter Kontrolle gehabt und wurde von Schiedsrichter Markus Wingenbach auf die Tribüne geschickt, später zudem zu einer Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro verdonnert.
"Ich bin manchmal emotional. Wir müssen schauen, dass wir das gut hinkriegen. Aber das gehört auch dazu", sagte Streich, der weitere lebhafte Auftritte an der Seitenlinie nicht ausschließt: "Manchmal ist es ja so, dass die vierten Offiziellen einem schon sehr eng auf die Pelle rücken. Emotionen gehören dazu. Ich kriege das geregelt. Meistens."
Mit seiner betriebsamen Art, einem straffen Führungsstil und deutlichen Ansprachen hatte der Hoffnungsträger der Freiburger bislang Erfolg. Unter seiner Regie holte der Klub 2008 die deutsche A-Jugendmeisterschaft, gewann zudem drei Mal den DFB-Junioren-Vereinspokal (2006, 2009, 2011). Als der Verein den jüngsten Erfolg einfuhr, widmeten seine Spieler ihm den Triumph: "Drei mit einem Streich", hieß es auf dem Sieger-T-Shirt.
Ohnehin hat der gelernte Industriekaufmann und studierte Deutsch-, Sport- und Geschichtslehrer ein Händchen für den Nachwuchs. Unter dem zweifachen Vater blühte die seit 1995 von ihm betreute Freiburger Fußball-Schule auf und brachte unter anderem die Bundesliga-Profis Dennis Aogo (Hamburger SV), Sascha Riether (1. FC Köln) und Ömer Toprak (Bayer Leverkusen) hervor. Sein Erfolgskonzept? Seine Emotionalität. "Man muss sie zeigen, damit die Spieler wissen, dass man lebt."
Seine eigene Profi-Karriere hatte Streich nach einem Mittelfußbruch im Jahr 1995 beenden müssen. Neben dem Lokalrivalen Freiburger FC hatte der gebürtige Weiler für die Stuttgarter Kickers, den FC Homburg und den SC Freiburg die Schuhe geschnürt. Für den Sport-Club kam der frühere Mittelfeldspieler in der Saison 1987/1988 zu 22 Zweitliga-Einsätzen und zwei Toren.
"Ich bin lange im Verein und mit ihm verwoben", sagte Streich, der seit Amtsantritt von Robin Dutt 2007 zum Trainerstab des Freiburger Profiteams gehört. "Dass ich einmal Cheftrainer werden würde, daran habe ich nie gedacht", sagte Streich und ließ bei aller Emotionalität doch wieder die Freiburger Tugenden zm Vorschein kommen: Understatement und Bescheidenheit.
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