Borussia Mönchengladbach: Friend will die Jokerrolle nicht
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 15.02.2010 - 12:09Mönchengladbach (RP). Michael Frontzeck hat möglicherweise ein Problem. 28 Punkte hat seine Mannschaft, die von Borussia Mönchengladbach, gesammelt, und ist auf dem besten Weg, die Rest-Saison im Niemandsland der Bundesliga-Tabelle zu verbringen.
Das entspricht exakt der Zielstellung des Klubs, der sich in der vergangenen Spielzeit nur mit Ach und Krach gerettet hat. Doch ist die Distanz zu den gefährlichen Regionen des Klassements nun schon zu einem frühen Zeitpunkt sehr groß, elf Punkte nämlich, und die Taten der tief im Schlamassel befindlichen Teams aus Hannover, Nürnberg und Berlin lassen aktuell keine Überdinge vermuten. So wurde Frontzeck gefragt, ob seine Mannschaft daher entspannter herangehen könne an die kommenden Aufgaben. "Nein", sagte der 45-Jährige. "Wir sind nie relaxed, es müssen immer 200 Km/h kommen."
Nur nicht die Spannkraft verlieren, das weiß Frontzeck, denn mit 28 Punkten ist noch keiner in der Liga geblieben. Die Prognose jedoch, dass die Borussen am Ende weit mehr Zähler beisammen haben werden, die sei erlaubt. Denn das Gladbacher Team funktioniert gut als Gesamtheit – was dem Trainer das nächste Problem beschert. Allerdings eines, dem Stürmer Rob Friend, beim 2:1 gegen Nürnberg Schütze des Siegtores, das Wort "Luxus" voranstellte.
Friend und sein Angriffspartner Karim Matmour waren 22 Sekunden auf dem Feld, als Matmour das Luftduell gegen "Club"-Torwart Raphael Schäfer für sich entschied (was die Nürnberger als Foulspiel reklamierten) und Friend den Ball mit der Schuhsohle über die Linie stubste. "Es war nicht das schönste, aber das schnellste Tor meiner Karriere", berichtete Friend und stellte klar: "Ich will jetzt aber nicht als Joker hingestellt werden." Spielen will der Kanadier, und das von Beginn an. Doch er und Matmour sind derzeit nur zweite Wahl, den ersten Sturm bilden Raúl Bobadilla und Roberto Colautti. Letzterer schoss das 1:0 gegen Nürnberg.
Vier Stürmer, die heiß sind auf Tore (beim Heimspiel gegen Bremen schoss Bobadilla zwei) – Frontzeck hat die Qual der Wahl. "Klar, dass jeder spielen will. Aber ich verlange, dass alle verantwortungsbewusst mit meinen Entscheidungen umgehen", sagte der Trainer. Heißt: Wer nicht spielt, darf nicht murren, sondern soll da sein, wenn er rein kommt. So wie es gegen Nürnberg auch Tony Jantschke, der den gesperrten Tobias Levels vertrat, und Marcel Meeuwis, der statt des verletzten Thorben Marx spielte, taten. "Der Trainer weiß, dass wir 25 gute Spieler haben und nicht nur elf", sagte Jantschke.
Bislang hat es Michael Frontzeck hinbekommen, die Balance zu halten und keine Unzufriedenheit aufkommen zu lassen. Er hat klare Strukturen, jeder weiß, wo er dran ist. Und jeder weiß, dass Borussia momentan recht sorgenfrei ist, aber keinesfalls sorglos sein darf. Bleibt es dabei, hat Frontzeck kein Problem.
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