Werder Bremen: Fritz arbeitet sich aus dem Tief
zuletzt aktualisiert: 25.02.2010 - 17:23Bremen (RPO). Am Donnerstag musste er zuschauen, als sein Verein Werder Bremen versuchte, gegen Twente Enschede das Achtelfinale in der Europa League zu erreichen. Probleme im Oberschenkel zwangen Clemens Fritz zur Pause.
Wieder ein kleiner Rückschlag für den 29 Jahre alten Rechtsverteidiger, der seit der Europameisterschaft 2008 so richtig nicht mehr auf die Beine gekommen ist. Vor 18 Monaten war der Blondschopf noch Stammkraft bei der Nationalmannschaft, an die WM in Südafrika aber verschwendet er zur Zeit keinen Gedanken - sagt er.
"Zum Fitnesstest der Nationalmannschaft waren zuletzt knapp 30 Spieler eingeladen. Ich war nicht dabei und kann gut einschätzen, was das bedeutet", erklärt Fritz. Dabei herrscht gerade auf seiner Position im Team von Joachim Löw eine gewisse Unsicherheit. Wie Andreas Beck nach seinem Innenbandriss im Knie zurückkommt, weiß niemand, Jerome Boateng ist durch seinen Platzverweis im WM-Qualifikationsspiel in Russland aufgefallen, Arne Friedrich durch die Hertha-Krise verunsichert und Philipp Lahm will links spielen.
Fritz registriert diese Situation natürlich auch. "Sicher hatte ich die WM in den vergangenen Monaten immer im Hinterkopf", sagte er "ich hatte tolle Erlebnisse mit der Nationalmannschaft, daran erinnere ich mich gerne." Und in seiner Verfassung von 2007/08 wäre er natürlich ein Kandidat. Aber an die Form konnte er eben lange nicht anknüpfen.
"Ich hatte in der letzten Saison mit einigen kleineren Verletzungen zu kämpfen, habe dadurch nie zu meinem Spielrhythmus gefunden", erklärt der Erfurter seine Talsohle. Dazu mag auch eine gewisse Grunderschöpfung und Leere im Kopf gekommen sein. Seit seinem Wechsel von Bayer Leverkusen an die Weser 2006 startete er praktisch ohne Pause voll durch. Meisterschaftskampf, Champions League, Nationalmannschaft - Vollgas. Und irgendwann kommt dann mal das Loch.
Fritz ist außerdem ein Spieler, der seine Leistung hinterfragt, der sich Gedanken macht über sein Umfeld und sein Spiel. "Ich habe auch in schwächeren Phasen immer das 100-prozentige Vertrauen des Trainers gespürt. Und mich dadurch natürlich umso mehr damit beschäftigt, warum ich dieses Vertrauen nicht auch zu 100 Prozent zurückzahlen konnte", erzählt er, "wenn man allerdings an sich zweifelt, dann kommt man automatisch in Situationen, in denen man sich auf dem Platz für den falschen Weg entscheidet."
Trotzdem hat Werder seinen Vertrag bis 2012 verlängert. Auch ein Vertrauensbeweis, der hilft. Langsam aber beständig hat sich Fritz aus seiner Krise herausgespielt. Eine gute Hinrunde hat er abgeliefert, gegen Bayern München zu Beginn der Rückserie wurde er zum besten Bremer gewählt. Hoffnungsschimmer. "Diese Saison kann ich wieder zunehmend das umsetzen, was von mir erwartet wird", analysiert der 29-Jährige, "Insgesamt bin ich aber noch nicht zu 100 Prozent zufrieden und weiß, dass ich mich noch steigern kann." Und wenn ihm das gelingt, ruft vielleicht Jogi Löw doch noch an.
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