1. Bundesliga 17/18
| 09.58 Uhr

Furioses Hinrundenfinale
Ein Spiel dauert 95 Minuten

Naldo lässt Schalke fast so jubeln wie im Derby
Naldo lässt Schalke fast so jubeln wie im Derby FOTO: dpa, htf fgj
Düsseldorf. Der 17. Bundesliga-Spieltag war einer der späten Entscheidungen. In Frankfurt, Augsburg, Dortmund und Bremen änderte sich die Punkteverteilung noch in der Nachspielzeit, in Stuttgart verhinderte das nur Torwart Sven Ulreich. Von Robert Peters

Der gute, alte Sepp Herberger hat mal wieder Recht behalten. "Ein Spiel dauert 90 Minuten", hat Deutschlands erster Weltmeistertrainer gesagt. Als er das sagte, gab es die Nachspielzeit noch nicht. Er meinte: "Ein Spiel dauert, bis der Schiedsrichter abpfeift." Am Samstag dauerte das manchmal 95 Minuten. Und wer vorher die Bundesligastadien in Bremen, Dortmund, Frankfurt, Stuttgart und Augsburg verlassen hatte, weil er die Spiele für entschieden hielt, der verpasste das Wichtigste.

Bremen Werder Bremens Fans blätterten sich im Internet schon durch die Blitztabelle und wähnten sich zu Weihnachten jenseits der Abstiegszone. Da kam Fabian Frei und erzielte den Mainzer Ausgleich zum 2:2. Sein Trainer Sandro Schwarz raste völlig außer sich auf den Platz und umarmte jeden, der nicht schnell genug zur Seite sprang. Frei entzog sich dem Griff des Trainers nicht. "Man hat bei jedem den Stein gespürt, der ihm vom Herz gefallen ist", sagte Frei. Die Bremer meinte er damit nicht.

Dortmund Die ersten Experten arbeiteten sich bereits zu der Schlussfolgerung vor, dass auch Peter Stöger Borussia Dortmund nicht durch Handauflegen von allen Problemen heilen könne. Da traf Christian Pulisic kurz vor dem Abpfiff zum 2:1-Siegtreffer gegen die TSG Hoffenheim. Das war der zweite Erfolg im zweiten Spiel des neuen Trainers. Und unverzüglich fühlen sich die Dortmunder wieder auf dem richtigen Weg. "Wenn wir uns konsolidieren, wenn wir an ein paar Dingen arbeiten, dann werden wir im Frühjahr eine richtig gute Mannschaft sein", erklärte Stöger. "Der BVB ist wieder da!", riefen die Fans auf der Südtribüne. Zu den ganz großen Taten reicht es allerdings noch nicht. Der Hoffenheimer Coach Julian Nagelsmann bemerkte zu Recht, dass der Dortmunder Sieg die Kräfteverhältnisse im Spiel nicht unbedingt spiegelte. Auch Stöger räumte ein: "Dieses Spiel muss man nicht gewinnen." Er lobte aber ausdrücklich die intakte Moral seines Teams. "Die Mannschaft ist bereit, alles reinzuwerfen, was sie derzeit zur Verfügung hat", sagte er. Betonung zumindest hörbar auf "derzeit".

Frankfurt Der Dortmunder Revier-Nachbar Schalke 04 wies zum wiederholten Mal nach, dass er wirklich erst geschlagen ist, wenn die Mannschaft im Bus sitzt und wenn dieser Bus dann auch abgefahren ist. Eintracht Frankfurt war 20 Minuten vor dem Ende einer hart geführten Partie mit 2:0 in Führung gegangen. Aber Schalke wollte sich mit der Niederlage einfach nicht abfinden. Embolo sorgte für den Anschlusstreffer. Und als in allen anderen Stadien die Zuschauer tatsächlich bereits auf dem Weg zu den Parkplätzen oder den öffentlichen Verkehrsmitteln waren, legte Naldo den Frankfurtern den Ausgleich ins Netz. Die Begegnung wurde gar nicht erst wieder angepfiffen. Und die Schalker tobten an der Grundlinie vor ihren restlos begeisterten Fans in einem wilden Ballett. Schon in Dortmund hatte Naldo beim 4:4 den letzten Treffer in der Nachspielzeit markiert. "Diese Spieler glauben bis zum Schluss an sich", stellte Trainer Domenico Tedesco fest, "das macht Spaß." Nicht nur ihm. Seinen Anteil an der Entwicklung der Schalker Mannschaft will er nicht herausheben. Das tun andere. Naldo zum Beispiel. "Wenn du den Trainer draußen mitgehen siehst, dann willst du einfach etwas zurückgeben", erklärte der Kapitän. Und er hat zurückgegeben. Mit seinem Tor, mit seiner Einstellung zum Spiel und mit seiner Einstellung zum Klub. Als er sich nach dem 2:2 brüllend vor Glück aufs Herz schlug, wo auf dem Trikot das Schalker Wappen prangt, da war das ausnahmsweise mal kein hohler Akt. Naldo ist im reifen Alter von 35 Jahren noch mal richtig angekommen in einem Verein. So mancher hatte ihn milde belächelt, als er aus dem sehr beschaulichen Wolfsburg ins chronisch aufgeregte Gelsenkirchen zog. Das ist anderthalb Jahre her. In seiner ersten Saison hat der Brasilianer das typisch aufgeregte Schalke erlebt. Nun genießt er wohltuende Ruhe, zielgerichtete Arbeit und Erfolg. Viel mehr kann man von einem Leben auf Schalke nicht verlangen.

Stuttgart Es war wieder eine dieser "Ausgerechnet"- Geschichten. Ausgerechnet nämlich Sven Ulreich, der von zweieinhalb Jahren vom VfB Stuttgart zu Bayern München gewechselt war, rettete dem deutschen Meister den 1:0-Sieg beim VfB. Die Münchner hatten wie schon häufiger in der jüngeren Vergangenheit durchaus Probleme, ein abstiegsgefährdetes Team in Grund und Boden zu spielen. Offenbar hatte sich der Titelverteidiger im Blick auf das DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund dazu entschieden, nicht die allerletzten Reserven anzugreifen. Es genügte ihm, den Gegner zu kontrollieren und irgendwann programmgemäß in Führung zu gehen. Weltmeister Thomas Müller besorgte den Treffer, der Stürmer war spät eingewechselt worden. Die turbulente Schlussphase erlebte er als Augenzeuge also auf dem Platz. Zunächst vergaben bereits in der Nachspielzeit James und Robert Lewandowski im Anschluss an einen Konter das sichere 2:0, dann traf Niklas Süle beim Abwehrversuch das Bein des Stuttgarter Stürmers Santiago Ascacibar. Chadrac Akolo übernahm die Verantwortung beim Elfmeter. Doch seine Nerven hielten dem Druck nicht stand. Ulreich parierte den Elfmeter. Danach war Schluss in Stuttgart. "Den Film kann man eigentlich nicht besser schreiben", urteilte der glückliche Torwart.

Augsburg So ähnlich wird das Alfred Finnbogason in Augsburg auch gesehen haben. Er brachte seine Mannschaft früh in Führung, und er sorgte mit zwei Treffern in der Nachspielzeit für eine Wende, die niemand mehr für möglich gehalten hatte. Während die Augsburger nämlich auch nach Finnbogasons Eindruck "ein ganz schlechtes Spiel" machten, zog der Gast aus Freiburg scheinbar entscheidend davon. Spätestens nach dem 3:1, das Nils Petersen nach einem Konter mit seinem zweiten Tor perfekt gemacht hatte, schien Augsburg geschlagen. Doch die Mannschaft von Trainer Manuel Baum mobilisierte auch an einem schlechten Tag die Reserven und rannte in der Schlussphase unverdrossen an. Lohn waren die späten Treffer zum 3:3-Unentschieden, das sich wie ein Sieg anfühlen musste. "Alfred ist eine Sensation", sagte Baum über seinen erfolgreichen Stürmer. Finnbogason hatte in der Begegnung mit Köln ebenfalls dreimal getroffen. Seine Tore nähren den Traum von Europa.

Quelle: RP
 
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