"Trainerwechsel bringen nichts" / Symposium soll Solidarität fördern: Fußball-Lehrer fordern Ehrenkodex für Trainer
zuletzt aktualisiert: 11.03.2004 - 11:35Frankfurt/Main (rpo). Wenn' schlecht läuft, ist der Trainer der Erste der in der Konsequenz gehen muss. So funktioniert der Mechanismus im Fußball. Um die Position des Trainers zu stärken, will der Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) mit einem Ehrenkodex die Machtverhältnisse im Profi-Fußball verändern.
Auslöser für die neuerliche Initiative ist die Entlassung von Coach Ralf Rangnick beim abstiegsbedrohten Bundesligisten Hannover 96 - der bereits siebten Trainerentlassung in der laufenden Saison. "Die Machtverhältnisse im deutschen Fußball sind einfach nicht mehr ausbalanciert. Einigen Präsidenten geht es nur noch um sich selbst und nicht um den Ruf des Vereins. Wenn wir Trainer einen Ehrenkodex untereinander vorleben, machen wir es den Vereinen viel schwerer, einen Trainerwechsel durchzuführen", sagte BDFL-Präsident Horst Zingraf.
Das Fass zum Überlaufen brachte für Zingraf der Umgang mit "Fußball-Professor" Rangnick in Hannover. Zunächst führte 96-Präsident Martin Kind in der vergangenen Woche Gespräche mit anderen Trainern. Anschließend hatte der Unternehmer noch vor dem Spiel bei Borussia Mönchengladbach (0:1) die Öffentlichkeit davon informiert, dass bei einer weiteren Niederlage die Entlassung von Rangnick anstünde. "Damit mache ich der Mannschaft schon vor dem Spiel klar, dass ich nicht mehr hinter dem Trainer stehe. Das ist dumm, denn damit hat die Mannschaft ein Alibi und der Trainer trägt die ganze Verantwortung", erklärte Zingraf.
Symposium soll solidarischen Umgang schärfen
Die BDFL will bei einem noch nicht terminierten Symposium, an dem auch Psychologen sowie ein bedeutender Bundesliga-Manager teilnehmen sollen, allerdings auch das Bewusstsein der Trainer für einen solidarischeren Umgang miteinander schärfen. "Schließlich spielen die Trainer das Spiel der Vereine ja mit, wenn sie sich mit Klubverantwortlichen treffen, obwohl ein Kollege noch unter Vertrag steht", meinte Zingraf.
Vor Rangnick hatten in der laufenden Spielzeit bereits die in Hannover gehandelten Erik Gerets (Kaiserslautern), Ewald Lienen (Mönchengladbach) und Friedhelm Funkel (Köln) sowie Huub Stevens (Berlin) und Kurt Jara (Hamburg) ihren Posten räumen müssen. Zudem hatte Armin Veh (Rostock) freiwillig das Handtuch geworfen. Von den Abstiegskandidaten sitzt nur noch Willi Reimann bei Eintracht Frankfurt weiter fest im Sattel.
Erfreuliche Entwicklung in Frankfurt
"Die Entwicklung in Frankfurt freut mich. Denn nicht nur zwei Uni-Studien haben bewiesen, dass Trainerwechsel auf Dauer nichts bringen. Sie kosten nur viel Geld. Erfolg haben die Vereine, die keine zu hohe Erwartungshaltung in die Medien tragen und auf Kontinuität setzen", sagte Zingraf, der als positive Beispiele den Bundesligisten SC Freiburg und den Zweitligisten Energie Cottbus nannte, da beide Teams trotz eines Abstiegs an ihren Trainern festhielten.
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