1. Bundesliga 17/18
| 09.56 Uhr

Proteste gegen den DFB
Fußballfans wollen gehört werden

Fans protestieren weiterhin gegen den DFB
Fans protestieren weiterhin gegen den DFB FOTO: dpa, pst kno
Berlin. Das Fußballjahr 2017 war auch geprägt von den Protesten der aktiven Fanszene. Kollektivstrafen, Kommerzialisierung, Spieltagzersplitterung - die Themen sind vielfältig. Von Thomas Eßer und Ulrike John

Fans in Tarnkleidung marschieren mit einem großen Banner "Krieg dem DFB" durch die Karlsruher Straßen. Der Weg der Anhänger von Zweitligist Dresden zum letzten Auswärtsspiel der vergangenen Saison macht vor allem wegen Gewalttaten einiger Anhänger Schlagzeilen. Die Aktion ist jedoch auch der Auftakt zu Protesten, die das Fußballjahr in Deutschland prägen. "Der überwiegende Teil der deutschen Fanszene hat sich dieser Kampagne angeschlossen", sagt Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS).

Hinter der Parole verbirgt sich laut Gabriel der Wunsch, "stärker einbezogen zu werden". Viele Fans haben das Gefühl, dass sich der Fußball an ihnen vorbei entwickelt und die Basis immer weiter ausgegrenzt wird. Die Anhänger protestieren gegen Kommerzialisierung, Kollektivstrafen und die weitere Zersplitterung des Spielplans - einige stören sich auch am Verbot von Pyrotechnik. "Die Kollektivstrafen", antwortet Rainer Vollmer aus dem Sprecherrat der Interessenvertretung aktiver Fußball-Fans "Unsere Kurve" auf die Frage nach den dringendsten Problemen aus Fansicht. Im kommenden Jahr werde zudem die Spieltagsgestaltung noch eine größere Rolle spielen. nachdem die Deutsche Fußball Liga die ersten Montagsspiele der Saison für Februar angesetzt hat.

Was in Karlsruhe beginnt, setzt sich unter anderem beim DFB-Pokalfinale in Berlin und zu Beginn der laufenden Saison deutschlandweit fort. In den Stadien hängen Banner, auf denen der DFB beleidigt wird. Dazu gibt es Wechselgesänge zwischen Heim- und Auswärtskurve: "Scheiß DFB" - in diesem Punkt sind sich sogar Fans aus sonst erbittert verfeindeten Fanlagern einig.

Die Bundesliga-Klubs und ihre Ultras

Laut Gabriel gibt es "vielversprechende Signale". So hat der DFB Kollektivstrafen ausgesetzt. Fans und Verband sprechen wieder miteinander. "Wir haben eine von gegenseitigem Respekt geprägte Diskussionsgrundlage geschaffen", sagte DFB-Chef Reinhard Grindel nach einem Treffen im November. Neben Themen wie Stadionverbotsrichtlinien oder Umgang mit Fanutensilien drohen weitere Diskussionen über den Videobeweis. "Das macht die Spontanität und den Fußball kaputt", sagt Vollmer.

Trotz der Fortschritte müssen noch viele Probleme gelöst werden. Für Vollmer steht dabei etwas Grundsätzliches im Vordergrund: "Es geht um die Frage, werden Fans bei gewissen Entscheidungen im Vorfeld mit eingebunden oder zumindest frühzeitig informiert."

(dpa)
 
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