Borussia Mönchengladbach : Gladbach tanzt sich für Köln warm
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 25.11.2011 - 15:53Mönchengladbach (RP). Die aktuelle Stärke des Fußball-Bundesligisten ist eng verbunden mit der neu gewonnenen Lockerheit von Juan Arango. Der Mittelfeldmann ist vom Problemfall zum Führungsspieler geworden. Das soll er heute (20.30 Uhr/Live-Ticker) in Köln wieder unter Beweis stellen. Brouwers bleibt bis 2014.
Als Juan Arango das Tor zum 5:0 gegen Bremen erzielte, war es der Moment, der sinnbildlich war für die kreative Wucht, mit der Borussia Mönchengladbach Werder wegfegte. Torwart Tim Wiese hatte den Ball abprallen lassen und Arango hatte das Spielgerät dann mit dem linken Außenrist in einer wundersamen Kurve in den Torwinkel befördert.
Der Spaß, den Arango an seiner Tat hatte, war in seinem Gesicht abzulesen. Der Venezolaner, sonst mit maskenhafter Mimik unterwegs, lachte fröhlich und tanzte mit den Kollegen. Zwar wirkte dieses gemeinsame Gehüpfe weit weniger brasilianisch als Borussias sportliches Tun, doch in dieser Hinsicht wollen die Gladbacher sich heute beim rheinischen Derby in Köln (20.30 Uhr) neue Übungsansätze verschaffen.
Arango ist einer, mit dessen Leistungskurve der Aufschwung Borussias eng verknüpft ist. Er ist die kreative Seele der Mannschaft. Zwei Tore hat er in dieser Saison gemacht, die Bilanz könnte hier besser sein. Aber acht Treffer hat er vorbereitet, so viele wie sonst nur Bayerns Franck Ribéry.
Und die Art, wie er so manchen Pass platziert oder wie er die 40-Meter-Flanke von Filip Daems in Berlin annahm, als habe er Klebstoff am Schuh, all das bringt ihm den höchsten Respekt seiner Kameraden ein. Und nun kommen auch seine Pässe beim Rest des Teams an.
Der Mensch Arango ist jetzt ebenfalls angekommen in Gladbach – und er will weiter bleiben. Wie mit Roman Neustädter gab es bereits konkrete Gespräche über eine Vertragsverlängerung. Roel Brouwers, dessen Kontrakt ebenfalls 2012 endete, unterschrieb gestern vorzeitig bis 2014. Ähnlich lange dürfte auch Arango bleiben.
"Es ist toll, mit den Jungs zu kicken, und ich habe mir mit meiner Familie etwas aufgebaut", sagt er. Ab und an spricht der Schweigsame auch mal ein paar Worte Deutsch außerhalb der Kabine, besser: Er flüstert sie. Drinnen kann er indes auch lachen. Das versichern mehrere Kollegen glaubhaft. "Wir verstehen uns prima", sagt Marco Reus.
Reus profitiert ganz besonders von Arango. "Juan versteht Fußball", sagt sein Trainer Lucien Favre. Das zeigt sich bei den Pässen, die er Reus serviert: Wie ein frisch geschliffenes Messer durchschneiden Arangos Vorlagen die gegnerische Defensive und finden ganz genau die Laufwege des besten Gladbacher Torschützen. Doch Arango verblüfft nicht nur mit Feingeistigem, er erledigt inzwischen auch unschönere Jobs. Wie gegen Bremen, als er sich in der Anfangsphase in einen Freistoß von Mehmet Ekici warf und den Ball abblockte. "Auch damit hat Juan ein Zeichen gesetzt", sagt Sportdirektor Max Eberl.
Es scheint, als habe Favre seinen Schützling Arango aus der Lethargie herausgeholt. Zuvor wirkte Arango oft abwesend, wie ein emotionsloser Mitläufer, der über außerordentliche Qualitäten verfügt. Jetzt hat er Extraqualität und ist ein Teamplayer. Es sieht so aus, als habe sich Arango in Mönchengladbach noch einmal neu erfunden. Oder er hat einfach Zeit gebraucht, bei der Borussia und der Bundesliga anzukommen. Die These, er sei ein Fehlgriff, ist jedenfalls vom Tisch. "Chiller" nennen die anderen Borussen Arango, weil er so cool wirkt. Gerade diese Coolness wird heute im heißen Derby in Köln gefragt sein. "Juan kann Spiele entscheiden", sagt Favre. Das 5:0 gegen Bremen war nicht entscheidend, aber Arangos zweites Saisontor war ein würdiger Schlusspunkt. Borussias Fans sangen sich da längst aufs Derby ein. "Köln ist ein schwerer Gegner. Aber wir haben 26 Punkte und wollen weiter punkten", kündigt Favre an.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum


























