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Marco Reus küsst Ball Borussia Mönchengladbach Werder Bremen 2011 dpa
  Foto: dpa
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Borussia Mönchengladbach: Gladbacher Fußball zum Verlieben

VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 21.11.2011 - 08:42

Mönchengladbach (RP). Die Borussia vom Niederrhein bietet beim 5:0-Sieg gegen Werder Bremen ihr bestes Saisonspiel. Reus trifft dreimal. Trotz Platz drei tritt Trainer Favre aber auf die Euphoriebremse. Er sieht in allen Mannschaftsteilen Verbesserungsmöglichkeiten.

Lukas Schmitz wollte der Sache auf den Grund gehen. "Wollt ihr die Liga auseinandernehmen?", fragte der Bremer seinen Mönchengladbacher Kollegen Marco Reus. Der hatte mit drei Toren zum erstaunlichen 5:0 gegen Schmitz und seine überforderten Kameraden beigetragen. Während die Fans im Borussia-Park ausgelassen feierten, sagte Reus: "Wir werden weiter um jeden Punkt kämpfen und müssen weiter hart arbeiten."

Schmitz dürfte gestaunt haben. Hätte er öfter zugehört, was die Borussen so von sich geben, wären es für ihn Sätze mit Wiedererkennungswert gewesen. "Ich sage ja immer dasselbe", gestand Reus, als er von dem Dialog mit Schmitz berichtete. Er musste grinsen. Doch passt das Ganze ins Schema: Die Borussen lassen sich, auch nicht mit 26 Punkten und nur zwei Zählern Rückstand auf die Bayern, als Spitzenteam definieren.

Reus wusste aber ganz genau, dass die Borussen ein zauberhaftes Spiel abgeliefert hatten, Fußball zum Verlieben. Vor allem er und Patrick Herrmann hatten so wundervoll kombiniert, dass es zumindest in Ansätzen an die hoch gelobte Darbietung der Nationalmannschaft gegen Holland erinnerte, es war Tempospiel vom Feinsten. Der Ball wurde stets nach einem Kontakt weitergeleitet, so dass sich mancher Werderaner schwindelig gefühlt haben muss. "Wir haben ein überragendes Spiel nach vorn gemacht", urteilte Dante. Doch immer wenn die Borussen sich zu einem noch so winzigen Selbstlob hinreißen lassen, folgt ein "Aber". Das ist, wie das flach gehaltene Kombinationsspiel, das die Borussen gegen Bremen regelrecht zelebrierten, die Schule von Lucien Favre.

Denn der Trainer aus der Schweiz beherrscht das Understatement bis zur Perfektion – und er ist dabei sehr erfindungsreich. Nach dem grandiosen Auftritt, der während des Spiels immer wieder ein Lächeln in sein Gesicht gezaubert hatte, wählte Favre das Stilmittel der Perspektivverschiebung. "Ich bin zufrieden, aber als Trainer muss ich das Spiel analysieren", sagte er. Soll heißen: Die Fans dürfen sich freuen, es sei ihnen gegönnt. Aber er, der kühle Analytiker, muss aufzeigen, was nicht gut lief.

Die Balleroberung zum Beispiel, erklärte er mit ernster Miene, sei nicht optimal gewesen. Und in den Anfangsminuten, als Werder noch ernsthaft mitmachte, habe es zu viele Freistöße vor dem eigenen Strafraum gegeben. Und auch später immer wieder Halbchancen, die, wäre eine davon genutzt worden, alles hätten anders werden lassen können. Favre wirkte wie ein Spaßverderber. Denn dieser 19. November 2011 wird den Borussen als Festtag in Erinnerung bleiben, es war eines dieser Spiele, von dem Fans noch häufig erzählen werden. Jedes Tor war ein kleines Kunstwerk, nicht zuletzt das mit Wucht und Eleganz zugleich erzielte 5:0 Juan Arangos. Zudem hatten die Borussen Bremens ausgesprochen gut bestückter Offensive, inklusive Claudio Pizarro, kaum einmal den Ball gegönnt. Diese Einstellung ist eine der Grundlagen für Borussias Erfolg. "Die erste Etappe war, die Abwehr zu stabilisieren. Die zweite Etappe war, mehr Torchancen zu kreieren", erklärte Favre seinen Plan. Und die dritte? "Gewinnen, wenn du schlecht spielst." Seiner Definition nach war das gegen Bremen so. "Es war schwer für uns", sagte Favre. Mike Hanke stellte klar, was den Gladbachern fehlt, um tatsächlich ein Topteam zu sein: "Ein DFB-Pokalsieg und zwei Meistertitel hintereinander." Das gab es schon in Mönchengladbach, vor einer gefühlten Ewigkeit. "Es ist ein langer Weg. Aber wenn wir so weitermachen, kann noch einiges passieren", glaubt Hanke. Wozu die Borussen fähig sind, zeigten sie gegen Werder.

Es hat Spaß gemacht.

Quelle: RP/can


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