Wolfsburger Stürmer in der Krise: Grafite – der abgestürzte Held
VON STEPHAN SEEGER - zuletzt aktualisiert: 08.02.2010 - 15:41Wolfsburg/Düsseldorf (RPO). Es war die Szene der vergangenen Saison: Edinaldo Batista Libano – besser bekannt als Grafite – düpiert die gesamte Hintermannschaft und demütigt den Rekordmeister, als er den Ball mit der Hacke im Tor unterbrachte. Damals schoss der VfL Wolfsburg die Bayern mit 5:1 ab und holte sich später sensationell die Meisterschaft. Heute ist nicht mehr viel meisterlich bei den Niedersachsen – und auch nicht bei Grafite.
Die Szene in der 66. Minute spiegelte den derzeitigen Zustand von Grafite wieder. Der Brasilianer tritt an den Elfmeterpunkt und hat den 1:3-Anschlusstreffer gegen eben jenen FC Bayern auf dem Fuß. Grafite schießt – und Bayern-Keeper Jörg Butt hält den Ball fest.
Grafite scheint seinen Torinstinkt verloren zu haben. In der Meistersaison sicherte er sich mit 28 Treffern die Torschützenkrone, trug großen Anteil an der Meisterschaft der Niedersachsen. In der laufenden Spielzeit traf der 30-Jährige bislang nur sechsmal ins Netz und steht wie kein Zweiter für den Absturz des VfL auf Tabellenplatz zwölf.
Dabei fing im Sommer alles so gut an. Gleich im ersten Saisonspiel gegen den VfB Stuttgart knüpfte der Südamerikaner an die Vorsaison an und erzielte einen Treffer beim 2:0-Erfolg der Wolfsburger. In seinem ersten Champions-League-Spiel erzielte Grafite gegen ZSKA Moskau gleich drei Treffer. Es schien, als würde die Torfabrik Grafite wieder eifrig Treffer produzieren. Es kam anders.
Zwar hatte Grafite in der ersten Saisonhälfte eine Vielzahl guter Einschussmöglichkeiten, vor dem Tor präsentierte er sich aber ungewohnt unkonzentriert, fast ein bisschen ängstlich. So standen nach 17 Spielen nur fünf Tore auf Grafites Konto.
Auch in der Rückrunde ist der Knoten noch nicht geplatzt. Zwar rackert Grafite viel für die Mannschaft, Zählbares kommt dabei aber nicht heraus. Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner redet den Angreifer deswegen stark. "Er hat in den vergangenen Tagen freiwillig immer mehr trainiert. Ein solches Engagement erwarte ich jetzt auch von den anderen Spielern", sagte Köstner nach dem 1:3 gegen die Bayern.
Vielleicht bedeutet Grafites Ehrentreffer in der Schlussminute das Ende der Formkrise – und das Ende des Wolfsburger Tieffluges.
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