Bundesliga-Spitzenspiel: Grafite will's gegen Bayern wissen
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 06.02.2010 - 12:21Düsseldorf (RP). Vor zehn Monaten erzielte der Wolfsburger Stürmer mit einem Kabinettstück das 5:1 gegen den Rekordmeister. Der Treffer wurde von den Sportschau-Zuschauern zum Tor des Jahres gewählt. Doch nach der Meistersaison fiel der Brasilianer in ein Formtief.
Die Geschichte des FC Bayern ist eine Chronik großer Erfolge, frei von völlig missratenen und blamablen Auftritten ist sie allerdings nicht. So etwa verlor das Starensemble von Trainer Udo Lattek mit Franz Beckenbauer, Sepp Maier und Gerd Müller im Oktober 1973 beim 1. FC Kaiserslautern mit 4:7, nachdem es bis zur 57. Minute noch mit 4:1 geführt hatte.
Und so erlebten die Münchner im Dezember 1978 ein 1:7-Debakel bei Fortuna Düsseldorf; es hatte zur Folge, dass Bayern sich von Coach Gyula Lorant trennte. Wohl noch peinlicher war jedoch die Demontage im April 2009 durch die 1:5-Abfuhr beim VfL Wolfsburg.
Heute treffen die beiden Mannschaften an gleicher Stätte erneut aufeinander, diesmal allerdings unter völlig anderen Vorzeichen. Denn anders als in der Zeit der Turbulenzen in den letzten Wochen der kurzen Ära von Jürgen Klinsmann als Trainer in München strotzt der FC Bayern wieder vor Selbstvertrauen.
Die "Roten" treten mit der bestechenden Serie von neun Pflichtspielsiegen hintereinander an – sieben in der Bundesliga, zwei in der Champions League. Und so sagt Philipp Lahm zum 1:5 vor zehn Monaten: "Das war letzte Saison. Wir fahren da hin, um in dieser Saison drei Punkte zu holen."
In krassem Gegensatz dazu ist der VfL Wolfsburg nur noch ein Schatten seiner selbst nach dem Sturz auf Rang zehn mit acht sieglosen Bundesligaspielen in Folge. Auf dem Höhepunkt der Krise trennten sich die Niedersachsen am 25. Januar von Armin Veh. Für ihn kehrte nach gut acht Jahren Lorenz-Günther Köstner als Chefcoach in die Bundesliga zurück, womöglich aber nur auf Zeit.
Mit dem 5:1-Sieg über die Bayern löste der VfL Wolfsburg am 26. Spieltag der vergangenen Saison Hertha BSC Berlin von der Tabellenspitze ab – damals hatten die Fans des heutigen Schlusslichts tatsächlich noch von der Meisterfeier in der Hauptstadt geträumt. Edin Dzeko und Grafite, das Stürmer-Traumpaar des großen Wolfsburger Jahres, erzielten je zwei Treffer.
Dabei dribbelte und tanzte Grafite vor dem 5:1 die Münchner Defensive einschließlich Torhüter Michael Rensing aus, und als wollte er die Demütigung des prominenten Gegners auf die Spitze treiben, bugsierte er den Ball auch noch mit der Hacke ins Gehäuse der Gäste. Das Kabinettstück wurde von den Zuschauern der ARD-Sportschau zum Tor des Jahres gewählt. Genauso logisch war die Wahl des Bundesliga-Torschützenkönigs Grafite (28 Treffer) zum Fußballer des Jahres.
Doch den Glanztaten des Brasilianers und dem überraschenden Titelgewinn folgte Grafites Formsturz. In seinem mäßigen Notenschnitt dieser Saison (4,22 laut "Kicker") spiegelt sich das graue Mittelmaß wider, in das der Titelverteidiger abgerutscht ist.
Dennoch betont Bayern-Trainer Louis van Gaal vor dem heutigen Gastspiel seiner Mannschaft in der Autostadt mit Recht: "Für Wolfsburg ist es das richtige Spiel, etwas zu ändern. Die Motivation ist gegen Bayern München immer größer. Deshalb ist es viel schwerer für uns, Meister zu werden, als für die anderen."
Die anderen, die neben den Bayern für den Titel in Frage kommen, sind wohl allein noch Spitzenreiter Bayer Leverkusen und Schalke 04. Dabei fällt es jedoch nach wie vor schwer, der jungen Gelsenkirchener Mannschaft schon jetzt den großen Coup zuzutrauen – trotz des ehemaligen Wolfsburger Meistertrainers Felix Magath.
Anders als Grafite scheint sich Edin Dzeko, neunmal als Torschütze erfolgreich, wieder seiner Paradeform zu nähern in seiner vermutlich letzten Saison beim VfL. Zu groß ist die Konkurrenz zahlungskräftiger ausländischer Klubs, als dass der Deutsche Meister den 23 Jahre alten Angreifer aus Bosnien-Herzegowina trotz einer Vereinbarung bis 2013 halten kann. Angeblich gibt es eine Klausel im Vertrag, die Dzeko für eine Ablöse von 40 Millionen Euro den Ausstieg ermöglicht.
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