Motivator und harter Hund: Gross krempelt den VfB Stuttgart um
VON DENIS CANALP - zuletzt aktualisiert: 07.12.2009 - 10:10Düsseldorf (RPO). Nun ist er endlich in der Bundesliga angekommen. In den vergangenen Jahren wurde der Name Christian Gross in schöner Regelmäßigkeit ins Spiel gebracht, sobald ein Trainerstuhl in Deutschland wackelte. Jetzt trainiert der Schweizer den VfB Stuttgart.
Am Sonntagabend um 19 Uhr wurde der Schweizer auf einer Pressekonferenz vorgestellt, unmittelbar danach stürzte sich der 55-Jährige schon in die Arbeit. Noch am Abend leitete der neue Coach die erste Trainingseinheit mit seiner neuen Mannschaft.
Die kann sich auf einige Veränderungen gefasst machen. Wollte Markus Babbel noch mit Kurzpässen zum Erfolg, setzt sein Nachfolger mit der markanten Glatze auf Powerfußball, der auf Kraft und Wucht basiert. Zudem bevorzugt der neue Mann, der in der Branche als harter Hund gilt, lange Bälle in die Spitze.
"Ich habe auch menschliche Züge"
Gross, der in der Schweiz zehn Jahre lang den FC Basel trainierte, ist bekannt dafür, mit bescheidenen finanziellen Mitteln nicht nur zurecht zu kommen, sondern sogar mit wenig Geld viel Erfolg zu haben. Er wurde vier Mal Schweizer Meister und in seiner Heimat bereits neun Mal als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Der Schweizer gilt als akribischer Arbeiter und großer Motivator. "Ich bin in der Ansprache direkt, habe aber auch menschliche Züge", charakterisiert er sich selbst.
Gross lässt keinen Zweifel daran, was er unter Hingabe versteht. "Ich verlange von den Spielern immer volle Leidenschaft, das habe ich in den 20 Jahren, in denen ich nun Trainer bin, immer getan. Man kann ein Spiel verlieren, wenn der Gegner besser ist, aber wenn der Gegner schlechter ist, dann explodiere ich", sagte der 55-Jährige, der sich im Sommer nach zehn Jahren als Trainer des FC Basel mit dem Bruce-Springsteen-Hit "Tougher than the Rest" (Härter als der Rest) verabschiedet hatte.
Bei der Systemfrage zeigte sich Gross in seiner Trainer-Karriere bislang flexibel. Grundsätzlich favorisiert er ein 4-4-2 mit Raute, also mit Spielmacher, doch er kann sich auch mit einem eher defensiven 4-2-3-1 anfreunden. Gross bevorzugt bei der Umsetzung seines Systems eher robuste, großgewachsene Spieler.
"Es gilt zu retten, was zu retten ist", sagte der Eidgenosse bei seinem ersten Auftritt vor Medienvertretern. Er weiß, dass ihm nur wenig Zeit bleibt, seine Vorstellungen umzusetzen, denn schon am Mittwoch (20.45 Uhr/Live-Ticker) müssen die Schwaben in der Champions League gegen Unirea Urziceni ran. Mit einem Sieg würden die in der Bundesliga in Abstiegsnot geratenen Stuttgarter ins Achtelfinale der europäischen Königsklasse einziehen. Und Gross hätte etwas Zeit, um den VfB nach seinen Wünschen zu gestalten.
Das erste Interview von Christian Gross haben wir hier für Sie!
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