Forsche Töne vor dem Revier-Derby: Großkreutz: "Wir verlieren kein Spiel mehr"
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 04.02.2011 - 12:27Düsseldorf/Dortmund (RP). An Lobeshymnen haben sie sich längst gewöhnt. Die jüngste Einschätzung eines der ganz großen Sachverständigen aber wird selbst die Dortmunder überraschen. "Die Art und Weise, wie diese Mannschaft der Borussia auftritt, spielt und auch Ergebnisse erzielt, das haben wir damals nicht geschafft", sagte Matthias Sammer, der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes ist und Mitglied der Dortmunder Meisterteams von 1995 und 1996 war. In einer Talkshow beim TV-Sender "Sport1" bejubelte er das Dortmunder Team "mit diesen Typen, mit diesem Trainer, das ist einfach das Nonplusultra".
Was für die Fans vor dem 137. Revierderby gegen Schalke 04 (Freitag, 20.30 Uhr/Live-Ticker) sicher runtergeht wie Öl, wird dem gepriesenen Trainer Jürgen Klopp bestimmt nicht gefallen. Er pflegt seit Monaten den verbalen Flachpass, obwohl der so gar nicht zu seiner munteren Persönlichkeit zu passen scheint. Er hat das Wort Meisterschaft auf den Index gesetzt, und er versichert trotz eines Elf-Punkte-Vorsprungs auf Verfolger Bayer Leverkusen trotzig, in Dortmund werde nur von Spiel zu Spiel gedacht.
Großkreutz und das Bauchgefühl
Bislang unterwarfen sich die Spieler brav der vorgestanzten Sprachformel. Auch Kevin Großkreutz. "Damit sind wir gut gefahren". sagte er noch nach dem 3:1-Erfolg zum Rückrundenauftakt in Leverkusen. Gedacht hatte er schon viel weiter. In der Winterpause, gestand er unlängst, habe er darauf gewettet, "dass wir kein Spiel mehr verlieren". Das sei "ein Bauchgefühl. Ich spüre doch, wie gut wir drauf sind", erklärte er der "Bildzeitung". Frech. Deshalb ist denkbar, dass Klopp die bislang nicht durch bedeutende Wortbeiträge aufgefallene Offensivkraft Großkreutz zur sprachlichen Nachschulung einbestellt hat.
Am fußballerischen Konzept seiner jungen Mannschaft, das Sammer derart in Begeisterung versetzt hat, wird der Dortmunder Trainer natürlich nichts ändern. Denn auf dem Platz hat das BVB-Team im Verlauf der Saison mit großer Beständigkeit alle Skeptiker widerlegen können, die von Spieltag zu Spieltag den logischen Leistungseinbruch herbeireden wollten.
Sahin: Talent und Führungsspieler
Auch ihnen galt im Winter die Kampfansage von Spielmacher Nuri Sahin. "Keiner soll denken, dass wir nun bequemer werden", sagte der 22 Jahre alte Türke, "wir wollen noch besser werden als in der Hinrunde." Angesichts einer Bilanz von 43 Punkten aus 17 Spielen bei nur zwei Niederlagen und einem Unentschieden im ersten Saison-Halbjahr konnte der Konkurrenz schon damals ziemlich schwindlig werden.
Zu den Erfolgen der Dortmunder hat Sahin große Beiträge geleistet. Trotz seiner Jugend ist er das Gehirn des BVB-Spiels, der Taktgeber und der Mann mit den entscheidenden Ideen. Am Ende seiner Leistungsfähigkeit ist er aber immer noch nicht. Das sieht ein anderer großer Sachverständiger, sein Nationaltrainer Guus Hiddink.
"Sahin ist ein großes Talent", erklärte der Holländer der Zeitschrift "Sportbild", "aber ich rate ihm, noch ein paar Jahre in Dortmund zu spielen. Dieser Klub tut ihm gut." Sahin ist bestimmt klug genug, das ebenfalls zu erkennen. Ob ihn aber die Vernunft im Sommer sicher über all die millionenschweren Angebote der großen Klubs tragen wird, ist damit nicht gesagt. Immerhin hat nicht nur Hiddink festgestellt, "dass seine Entwicklung bemerkenswert ist". Gegen Schalke will Sahin das unterstreichen. Prognosen über eine Siegesserie bis zum Saisonende sind ihm jedoch nicht zu entlocken. Ein Erfolg über Schalke reicht vorerst.
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