1. Bundesliga 17/18
| 19.19 Uhr

Interview mit Reporter-Legende Günther Koch
"Ich habe geheult – eine halbe Stunde danach"

Günther Koch: Interview mit dem Reporter-Urgestein
Günther Koch 2001 im Frankenstadion in Nürnberg. FOTO: dpa, fe jai
"Radio. Radio. Radio. Das schnellste Medium der Welt", sagte einst Günther Koch, eine Radio-Legende. Seine Stimme ist einzigartig, seine Emotionen Kult. Der dramatischste aller Abstiege seines 1. FC Nürnberg geht ihm auch 18 Jahre später noch nah.

Last-Minute-Abstiege, verlorene Endspiele und große Fußball-Dramen: Kult-Kommentator Günther Koch hat in seiner langen Karriere im Fernsehen und im Radio einiges erlebt. 1999 musste er kommentieren, wie sein Verein, der 1. FC Nürnberg, in einem Herzschlagfinale in die Zweitklassigkeit abstieg. Warum Koch dafür die Schuld auch bei sich selbst sucht und was er seinen Kollegen für das Bundesliga-Finale in diesem Jahr wünscht, verrät das 75 Jahre alte Radio-Urgestein im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Herr Koch, wie haben Sie das Abstiegsfinale 1999 erlebt?

Günther Koch: Es war furchtbar, es war aufregend. Es war für einen Radio-Reporter die größte Herausforderung, die ich je hatte. Einerseits musste ich objektiv sein, andererseits emotional. Ich musste ja an viele Dinge gleichzeitig denken, ganz genau lauschen und auch noch rechnen.

Was ging an jenem Tag im Mai in Ihnen vor, als der 1. FC  Nürnberg von Tabellenplatz 12 noch auf Abstiegsrang 16 abrutschte?

Koch: Ich machte mir im Kopf selbst Vorwürfe, dass ich schuld bin, dass der Club absteigt. Auf obskure Weise, mehr will ich dazu nicht sagen, wurden in der zweiten Halbzeit den Zuschauern die sich am Ende zuspitzenden Ereignisse nicht bekanntgegeben. Und ich Depp war verkabelt. Ich habe in der Halbzeit geahnt, dass da noch was passiert. Alle haben gesagt: "Jetzt spinnt er total, der Alte." Ich hätte mit dem Sender in der Arschbacke loslaufen und in den Innenraum gehen sollen. Die Nürnberger haben ja geträumt, die haben gedacht, da passiert nichts mehr, wenn sie verlieren.

Wie haben Sie emotional auf den Abstieg reagiert?

Koch: Ich habe geheult - aber erst eine halbe Stunde danach.

War die Schlusskonferenz am 34. Spieltag im Mai 1999 der emotionalste Moment in ihrer Reporter-Karriere.

Koch: Nein! Das Tor von Cedric Teuchert gegen den VfB Stuttgart, das ich vor zwei Wochen im Fan-Radio kommentiert habe, war genauso emotional. Ich habe auch die Champions-League-Endspiele des FC Bayern in Mailand und Barcelona kommentiert. Gegen Manchester United 1999 sagte ich noch: "Beckham um Himmels Willen jetzt nicht das Siegtor." Batsch bumm, war er drin.

Wünschen Sie sich mal wieder ein Herzschlagfinale wie in früheren Jahren?

Koch: Ja, natürlich! Und ich bedauere alle Kollegen, die dann untergehen, weil der blöde linke Pfosten nicht mitspielt!

Macht es die Liga in Ihren Augen unattraktiver, dass der Meister in den vergangenen Jahren schon immer vor dem Finale feststand?

Koch: Das finde ich nicht. Mich interessiert eh der Abstiegskampf viel mehr. Es kann nicht an beiden Enden der Wurst spannend sein.  Grundsätzlich ist es aber nicht schön, dass die anderen nicht mit Bayern mithalten können.

Das Radio war früher ein weit verbreitetes Medium. Mittlerweile gibt es neben der Konferenz im Pay-TV auch unzählige Apps und diverse Liveticker. Welchen Stellenwert besitzt Radio noch?

Koch: Ich hab es damals schon gesagt: Ich wollte Reklame fürs  Radio machen. Schon damals haben sie im Stadion immer die Monitore gesucht, um zu sehen, wie es steht. Wieso? Das Radio ist immer noch das schnellste Medium! Selbst als Internet-Fuzzi - Radio ist unschlagbar! Wenn du als Reporter die Tore vorhersagst und das siehst du ja kommen - Sekunden bevor die in der Konkurrenz nachher rufen: "Tor in Dingsbums".

1999 in Nürnberg meldeten Sie sich mit den Worten: "Hallo hier ist Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund." Was würden Sie am 34. Spieltag in diesem Jahr gerne in der Schlusskonferenz hören?

Koch: "Meine lieben Freunde, Fußball ist so wunderbar, Fußball ist so schön. Das hat vor allem dieser letzte Spieltag bewiesen. Freuen wir uns auf die nächste Saison."

(dpa)
 
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