Bundesliga-Analyse: Gute Zeiten, schlechte Zeiten
VON CHRISTIAN KURTH - zuletzt aktualisiert: 29.10.2008 - 11:20Düsseldorf (RPO). Die Bundesliga sortiert sich, die Trends werden eindeutiger. Während Bayer Leverkusen mit seinem neuen Trainer Bruno Labbadia einmal mehr die Tabellenspitze erklommen hat, scheint der Zauber von Hans Meyer in Gladbach bereits nach dem zweiten Spiel verflogen.
Gute Zeiten: Die Werkself von der rechten Rheinseite bewies beim 2:0-Erfolg in Bremen einmal mehr spielerische Klasse. Aus zwei Gründen: Die Mannschaft besitzt starke Individualisten (Patrick Helmes, Renato Augusto, Simon Rolfes oder Rene Adler), und sie haben ein System. Labbadias Handschrift ist längst zu erkennen. Daran ändert auch das schwächere Spiel am vergangenen Freitag gegen den 1. FC Köln nichts. Da kam Bayers Offensiv-Taktik nicht zur Geltung, was man getrost der starken Kölner Defensive zuschreiben darf.
Schlechte Zeiten: Borussia Mönchengladbach hat unter Hans Meyer ein Spiel gewonnen, nicht mehr. In Wolfsburg (0:3) wurde einmal mehr deutlich, dass das Potenzial der Truppe limitiert ist. Meyer hat etliche Problemzonen, vor allem im Tor, wo auch der dritte Mann in dieser Saison, Frederic Löhe, den Eindruck der Untauglichkeit hinterließ. Im Sturm geht's auch nicht voran. Oliver Neuville saß wieder einmal auf der Bank, Rob Friend ist meilenweit von einer ansprechenden Form entfernt (siehe Einzelkritik). In der Tabelle steht nur Cottbus schlechter, der Weg aus dem Keller ist weit. Die nächsten beiden Spiele gegen Frankfurt und in Bielefeld sind von größter Bedeutung.
Gute Zeiten: Schalke 04 hat nach vier sieglosen Partien wieder gewonnen. Kevin Kuranyi trifft und bereitet vor - wie schon im Uefa-Cup gegen Paris St. Germain. Der Abstand zur Bundesliga-Tabellenspitze ist erträglich. In Cottbus muss das Team von Fred Rutten nachlegen, dann kommen die großen Bayern.
Schlechte Zeiten: Werder Bremen wartet seit vier Spielen auf einen Sieg und ist im Mittelmaß der Tabelle versunken. Vor allem die Defensive bereitet Trainer Thomas Schaaf weiterhin große Sorgen, bei den beiden Gegentoren gegen Leverkusen verhielten sich die Abwehr-Spezialisten trotz der Rückkehr von Per Mertesacker nach Roter Karte wie aufgescheuchte Hühner, liefen verwirrt durch den eigenen Sechzehner. Und jetzt leistet sich auch die sonst so starke Offensiv-Abteilung der Hanseaten zunehmend Aussetzer beziehungsweise Auszeiten. In Hannover wurden beste Chancen vergeben, gegen Leverkusen blieb Werder sogar das erste Mal in dieser Saison ohne eigenes Tor. Trainer Thomas Schaaf muss sich beeilen, sondern fahren die internationalen Züge am Saisonende an Bremen vorbei.
Schlechte Zeiten: Die Euphorie der tollen ersten Saison nach dem Aufstieg ist verflogen, der Karlsruher SC ist längst im verflixten zweiten Jahr angekommen. Die Niederlage gegen Schalke machte deutlich, dass die Badener in diese Tagen nicht das Potenzial haben, wieder für Überraschungen zu sorgen. Die Abgänge von Mario Eggimann und Tamas Hajnal wurden nicht kompensiert. Zur gleichen Zeit standen in der Vorsaison noch 19 Punkte auf dem Konto der Karlsruher, nun sind zehn weniger. Der Abstiegskampf läuft auf Hochtouren, was womöglich auch den Ausraster von Maik Franz erklärt.
Schlechte Zeiten: Abstiegskampf lautet auch die Devise für Arminia Bielefeld und Energie Cottbus. Die Lausitzer haben in dieser Saison erst einmal gewonnen und rangieren mit sechs Zählern ganz unten in der Tabelle. Auch in Bielefeld schwächte sich die Mannschaft einmal mehr selbst, als Dimitar Rangelow noch in Halbzeit eins die Gelb-Rote Karte sah. Schon in Köln spielte Energie über eine Stunde in Unterzahl. So kann man die wichtigen Spiele gegen direkte Konkurrenten nicht gewinnen. Bielefeld wollte nach der erfolgreichen Abwehrschlacht auf Schalke (0:0) nachlegen, muss sich aber mit einem Punkt begnügen. Zu wenig, um sich von der Abstiegszone zu entfernen.
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