Trainerwechsel in der Bundesliga: Hannover 96 holt Mirko Slomka
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 20.01.2010 - 07:49Hannover/Düsseldorf (RP). Der ehemalige Schalker Chefcoach folgt auf Andreas Bergmann, der nach sieben sieglosen Spielen in Folge entlassen wurde. Der neue Mann soll den Abwärtstrend beim Bundesliga-Drittletzten aufhalten.
Die große Bundesliga-Karriere hat Andreas Bergmann nun doch nicht gemacht. Dabei fing alles so schön an. Nach dem Rücktritt von Hannovers Cheftrainer Dieter Hecking im vergangenen Spätsommer übernahm Bergmann die Erstliga-Mannschaft. Mit beachtlichem Anfangserfolg – das Team gewann beim 1. FC Nürnberg mit 2:0.
Aber das Glück hat Bergmann längst verlassen. Nach sieben sieglosen Spielen in Folge und drei Niederlagen hintereinander bekam er gestern die Papiere. "Wir hatten nicht mehr das Gefühl, dass Andreas Bergmann der Mannschaft die nötigen Impulse für den Verbleib in der Bundesliga geben kann", erklärte Sportdirektor Jörg Schmadtke. Bergmanns Nachfolger ist Mirko Slomka, der 2008 beim Liga-Rivalen Schalke 04 entlassen worden war.
Der Rauswurf entspricht den Gepflogenheiten, und er ist weniger überraschend als Slomkas Einstellung. Denn der ehemalige Schalker galt als schwer vermittelbar. Er war vor ziemlich genau vier Jahren in Gelsenkirchen zum Chefcoach aufgestiegen. Und weil er die Königsblauen sogar in die Champions League führte, genoss Slomka den Ruf des Senkrechtstarters unter den deutschen Trainern. Die Erfolgsgeschichte endete, weil sich der smarte Fußball-Lehrer zunehmend im Schalker Gestrüpp der Eitelkeiten verhedderte. Ebenso herzlich, wie seine fachlichen Qualitäten zunächst gefeiert worden waren, wurden sie nun öffentlich bezweifelt.
Das wiederum zeigte Wirkung. Slomkas Name tauchte zwar auf jeder Liste auf, wenn wieder mal ein Trainer der Ersten oder Zweiten Liga den Job verloren hatte. Trotzdem blieb der gebürtige Hildesheimer fast zwei Jahre lang arbeitslos.
Nun erwartet Hannover von ihm den entscheidenden Anstoß zu einer Trendwende. "Wir sind überzeugt davon, dass Mirko Slomka mit unserer Mannschaft den Abstieg vermeiden wird", versicherte Schmadtke am Abend, "darüber hinaus soll er die 96-Mannschaft der Zukunft entwickeln."
Fußball-Hannover traut das dem neuen Mann zu, weil der ein Jahr lang mit Erfolg die A-Junioren von "96" betreute und von 2001 bis 2004 auf eine zumindest nicht unerfreuliche Tätigkeit als Assistent beim Bundesliga-Team zurückblicken kann. Die Voraussetzungen ähneln jenen seines Vorgängers. Bergmann war als Trainer des U-23-Teams ebenfalls kein Fremder. Und auch von ihm wurde erwartet, dass er der Mannschaft Perspektive gibt. Er schien auf dem richtigen Weg, als den Verein ein Schicksalsschlag traf. Der Selbstmord von Torwart Robert Enke im November erschütterte das Team nachhaltig. Es holte danach keinen Sieg mehr.
Vereinschef Martin Kind ist nicht nur überzeugt, dass Slomka mit den richtigen Methoden an seine Arbeit geht. Kind glaubt auch: "Slomka hat Visionen." Altkanzler Helmut Schmidt hat für solche Fälle den Besuch eines Arztes empfohlen.
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