Das 135. Revier-Derby: Hass-Duell elektrisiert den Pott
VON ECKHARD CZEKALLA - zuletzt aktualisiert: 26.02.2010 - 07:37Düsseldorf (RP). Jeder, der heute Abend (20.30 Uhr/Live-Ticker) dabei ist, fühlt sich bereits als Sieger. Viel mehr Fans hätten liebend gerne das 135. Revier-Derby erlebt, aber mehr als 61.673 Plätze bietet die Gelsenkirchner Fußballarena nun mal nicht. Schalke 04 gegen Borussia Dortmund ist mehr als die Partie des Tabellen-Dritten (Schalke) gegen den sechs Zähler schlechteren Tabellen-Fünften.
Auch wenn die nächsten Tage immer noch jeweils 24 Stunden haben, auch wenn sich die Arbeit im Beruf nicht von alleine erledigt – die echten Fans wirken größer nach einem Sieg, der gefühlt viel wertvoller ist als die drei Punkte, und sie leiden heftiger als nach einer "normalen" Niederlage.
Die Partie Schalke gegen Dortmund, zum 65. Mal in der Bundesliga (je 26 Siege, 116:110 Tore für Dortmund), hat manchmal die Grenzen des Zumutbaren gesprengt, auf und abseits des Spielfeldes. "Keine Freunde zu sein, heißt nicht, dass man nicht respektvoll miteinander umgeht", betonte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp. Dass es zwischen beiden Klubs und deren Fanklubs eine gewisse Abneigung gibt, findet Schalkes Abwehr-Ass Benedikt Höwedes "okay. Dabei geht es aber ums Sportliche. Gewalt darf rund um dieses Duell keine Rolle spielen".
Kein "Kuschel-Derby"
Ein "Kuschel-Derby" will niemand. Emotionen gehören dazu, aber Rivalität hat nichts mit Feindschaft zu tun. In einem gemeinsamen Appell hatten die Klub-Verantwortlichen ihre Fans um fairen Umgang gebeten. "Wir wollen einen Neuanfang auf allen Ebenen", erklärte Schalkes Sicherheitsbeauftragter Volker Fürderer.
Wenig hilfreich sind dabei Kommentare wie jener von Dortmunds Eigengewächs Kevin Großkreutz, der in einem Zeitungsinterview behauptete, "wenn mein Sohn Schalke-Fan wird, kommt er ins Heim". Die Äußerung, dies sei ein Spaß gewesen, zeugt nicht vom richtigen Gespür für die Situation.
Auch Manuel Neuers Aufwärmen der Vorfälle im Hinspiel zündelt im explosiven Fan-Lager. Schalkes Torhüter hatte nach dem Abpfiff vor der Fankurve der Dortmunder demonstrativ und provokativ den 1:0-Sieg gefeiert und Tumulte auf dem Platz ausgelöst. Im Gerangel habe Neuer ihm den Ellbogen ins Gesicht geschlagen, behauptete Großkreutz, was dessen Kollegen Nuri Sahin und Marcel Schmelzer bestätigten. Ein Schilderung, die den Nationatorhüter verärgert, denn "die Vorwürfe sind absurd. Einige Spieler vom BVB haben meinen Ruf beschädigt", erklärte Neuer im Interview mit der "Sport Bild".
Großkreutz wird heute unter besonderer Beobachtung der Schalker Fans stehen. Doch letztlich geht es für beide Teams darum, ihre Position im Kampf um einen Platz in einem europäischen Wettbewerb zu verbessern. Dortmund mus auf seinen gelbgesperrten Top-Torjäger Lucas Barrios verzichten, kann aber wohl mit Abwehrspieler Patrick Owomoyela planen, der eine Stirnhöhlenvereiterung überwunden hat.
Bei Schalke ist Nationalspieler Heiko Westermann nach seiner Meniskusoperation vor einem Monat wieder fit, gehört aber noch nicht zum Team, das sechs Heimspiele in Folge gewann und seit 596 Minuten ohne Gegentor ist.
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