1. Bundesliga 15/16 Bundesliga
| 21.14 Uhr

Schiedsrichter-Boss schlägt Alarm
"Verhalten gegenüber den Unparteiischen wird immer respektloser"

Zwayer unterbricht Spiel nach Streit mit Bayer-Trainer Schmidt
Zwayer unterbricht Spiel nach Streit mit Bayer-Trainer Schmidt FOTO: dpa, hak
Frankfurt/Main. Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel hat nach dem Eklat um Roger Schmidt Alarm geschlagen und die zunehmende Respektlosigkeit gegenüber den Unparteiischen in der Bundesliga angeprangert.

"Wir haben den Tiefpunkt einer leider erheblich negativen Entwicklung erlebt, die mich sehr nachdenklich stimmt", sagte Fandel mit Blick auf das Verhalten des Trainers von Bayer Leverkusen auf DFB.de.

Laut Fandel ist es "nicht zu übersehen, dass sich das Verhalten gegenüber Schiedsrichtern, Assistenten und Vierten Offiziellen deutlich verändert hat. Es ist respektloser geworden, in einer Art und Weise, die nicht länger akzeptabel ist".

Der Vorsitzende der Schiedsrichter-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) fordert rasche Konsequenzen. "Es müssen Verhaltensänderungen her, dringend. Wir müssen mehr für unsere Werte einstehen, und dabei sind Respekt, Fair Play und Anstand ganz zentral", sagte Fandel: "Alle Akteure im Fußball müssen dahin wirken, dass der Profifußball seiner Vorbildrolle wieder mehr gerecht wird. Sonst zerstören wir unsere Fußballkultur."

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Für Fandel ist die Rolle der Schiedsrichter als Sündenböcke mittlerweile unerträglich. "Seit Beginn der aktuellen Spielzeit befinden wir uns sichtlich in einer Negativspirale. Die Schiedsrichter werden dabei immer häufiger zum Alibi. Jede kleinste Entscheidung wird kritisiert und überhöht", äußerte der Funktionär: "Einwürfe oder Eckstöße werden in den Mittelpunkt des Fußballs gestellt, Schiedsrichter können kaum noch Entscheidungen fällen, die nicht von allen Seiten sofort kommentiert und kritisiert werden."

Nach Ansicht Fandels sind sich die Akteure nicht darüber im Klaren, welchen Schaden sie anrichten. "Die Schaufensterwirkung der Bundesliga auf den Fußball insgesamt in Deutschland wird völlig unterschätzt. Es ist an der Zeit, dass wir uns darauf besinnen, welche Vorbildfunktion alle Akteure im Profibereich haben", sagte der frühere Top-Referee: "Das ist eine große Verantwortung, und dieser Verantwortung wird immer weniger entsprochen."

Fandel befürchtet beim Blick auf den Amateurbereich das Schlimmste. "Die Grenze dessen, was noch als akzeptabel gilt, wird immer mehr verschoben", äußerte der Konzertpianist aus Kyllburg: "Das hat unmittelbaren Einfluss auf das Verhalten der Trainer und Spieler auf den Amateurplätzen in Deutschland und damit auf die Arbeit der Schiedsrichter abseits des Profibereichs. Das muss jeder wissen. Wie bisher kann es nicht weitergehen."

(sid)
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