Borussia Mönchengladbach: Herrmann – der neue Musterschüler
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 23.01.2012 - 15:54Mönchengladbach (RP). Der 20-Jährige erzielt zwei Tore gegen Bayern München und trägt zu einem 3:1-Erfolg bei, der Borussia Mönchengladbach zum festen Bestandteil des Spitzenquartetts in der Bundesliga macht. Herrmann steht für die Strategie seines Klubs, der weiter auf junge Leute setzt.
Er war fast vorbei, dieser wundervolle Tag für Borussia, als Marco Reus aus der Kabine schlich. Der größte Spieler der Mönchgladbacher, der auch zum 3:1-Triumph gegen den FC Bayern München ein Tor beigetragen hatte, kam ungewöhnlich unbehelligt durch die Mixedzone. Im Scheinwerferlicht der Fernsehteams stand ein anderer: Patrick Herrmann. 20 Jahre alt und ein Eigengewächs der Borussen. Zwei Tore hat er geschossen gegen den Rekordmeister, ganz cool, ganz lässig hatte er die Bälle vorbeigebracht an Manuel Neuer. Den Nationaltorwart hatte er vor dem 1:0 unter Druck gesetzt und so den bösen Fehlpass auf Marco Reus provoziert. Somit war Herrmann der Matchwinner und sorgte dafür, dass die Borussen sich mit 36 Punkten ganz fest in der Spitzengruppe der Bundesliga verankert haben.
Nun stand er da mit leuchtenden Augen und berichtete von seiner Gefühlslage. Natürlich sei es ein schönes Erlebnis, einen Doppelpack gegen die Bayern zu schaffen. Vor allem aber freue er sich, dass die Mannschaft gewonnen habe, gab Herrmann bekannt. Und, gemäß der Sprachregelung seines Trainers Lucien Favre, dass man oben bleiben wolle, aber weiter von Spiel zu Spiel denken werde. Herrmann und die Kollegen haben verstanden, welchen Plan der Trainer hat – auf dem Platz und daneben. Dann machte er sich auf den Heimweg. Es gab noch einen Händedruck plus lobende Worte von Präsident Rolf Königs. Herrmann, der im hauseigenen Internat groß geworden ist, bedankte sich artig.
Sein Trainer Lucien Favre wurde gefragt, ob dieser neue Musterschüler einer sei, der den künftigen Dortmunder Marco Reus beerben könnte. "Patrick spielt seit drei Monaten gut, er hat auch im Training seine Qualität gezeigt. Er spielt sehr schnell und macht es vor dem Tor sehr gut. Aber ihn mit Marco zu vergleichen, das geht nicht", sagte Favre. Am Anfang der Saison war der gebürtige Saarländer weit entfernt von einem festen Platz im Stamm, erst eine Verletzung von Igor de Camargo, der noch das Hinspiel in München entschieden hatte, gab ihm die Chance. Herrmann nutzte sie, zunächst fast unbemerkt, zuletzt aber mehr und mehr auffällig. Seit zehn Spielen ist er die Nummer eins auf der rechten Außenbahn. "Ich komme von Spiel zu Spiel immer besser in die Mannschaft. Natürlich bekommt man auch mehr Selbstbewusstsein, wenn man immer spielt", sagte Herrmann. Fünf Tore hat er geschossen und fünf vorbereitet: Das spricht für eine gesunde Mischung aus stürmertypischem Egoismus und Teamgeist.
Patrick Herrmann steht für vieles, das die von Sportdirektor Max Eberl ausgerufene Fohlen-Strategie ausmacht. Er ist jung, unbekümmert und lernwillig. Von diesem System will Eberl trotz der 17-Millionen-Euro-Ablöse für Reus im Sommer nicht abrücken. "Wir investieren in die Mannschaft, aber werden bestimmt nicht zehn Millionen für einen Spieler ausgeben. Wir setzen auch weiter auf eigene Leute", betonte er.
Favre braucht Herrmann für sein Konterspiel – und ein Trainer wie Favre tut Herrmann gut. "Es ist wichtig, dass er weiß, dass er als junger Spieler auch Fehler machen darf. Er hat sich oft zu viele Gedanken darüber macht, das hat er abgelegt. Jetzt hat er einen guten Lauf", sagte der erfahrene Verteidiger Martin Stranzl. Der 31-Jährige ist in Mönchengladbach einer der Ansprechpartner für die vielen Jungspunde.
Insgesamt ist gerade das gute funktionierende Ganze eine entscheidende Stärke der Borussen. "Bei uns geht alles über die Teamleistung", sagte Stranzl. "Die ganze Mannschaft hat ein sehr gutes Spiel gezeigt", sagte Herrmann entsprechend, auch, um seine eigene starke Leistung zu erklären.
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