Youngster avanciert zum Matchwinner: Herrmann verzaubert Gladbacher "Fohlen"
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 30.08.2010Leverkusen (RPO). Der 19-Jährige schoss bei Borussias 6:3 in Leverkusen zwei Tore und machte ein starkes Spiel. Bayers Sportdirektor Rudi Völler gratulierte ihm "zu meinem schönsten Bundesligaspiel".
Wäre es ein anderer Tag gewesen, und nicht der, an dem Borussia 6:3 bei Bayer Leverkusen gewann, dann wäre Patrick Herrmann nicht ungeschoren davon gekommen. So aber war Michael Frontzeck gnädig, auch wenn dem doppelten Torschützen ein herber verbaler Ausrutscher unterlaufen war. "Nach oben gibt es keine Grenzen", sagte Herrmann nach dem furiosen Auftritt der Borussen. Eine Einlassung, die aber auch gar nicht in die von den Borussen ausgerufene "Schritt-für-Schritt"-Philosophie passt. "Dass man nach so einem Spiel ein wenig euphorisch ist, kann man ja verstehen. Und Patrick ist noch ein junger Spieler", sagte Frontzeck.
Wer geht noch weg?
Frist läuft ab Am Dienstag um 12 Uhr endete die Wechselfrist. Bis dahin will Borussia Gal Alberman, Jan-Ingwer Callsen-Bracker und Paul Stalteri möglichst noch vermitteln. "Ich hoffe, wir finden für alle Seiten sinnvolle Lösungen", sagt Sportdirektor Max Eberl.
Training Heute haben die Borussen frei.
Vorzug vor Bobadilla
19 Jahre alt ist Herrmann, und erlebte gestern "mein schönstes Bundesligaspiel". Es war das 15. an dem er aktiv teilnahm, und das erste, in dem er zwei Tore schoss. Seinen ersten Bundesligatreffer hatte er beim 1:6 in Hannover in der vergangenen Saison erzielt. Damals war es kein Freudentag, dieses Mal schon.
"Wenn man in Leverkusen gewinnt, ist das schon toll", sagte Hermann. Nicht wenige hatten spekuliert, dass Raúl Bobadilla für den verletzten Karim Matmour ins Team kommen würde, doch Michael Frontzeck entschied sich für Herrmann. "Er hat in der vergangenen Saison mit seiner Unbekümmertheit schon überzeugt, das hat er jetzt unterstrichen", lobte Sportdirektor Max Eberl seinen jungen Mitarbeiter.
Kollege Dante geriet regelrecht ins Schwärmen, als er sich an Herrmanns herrliches Tor zum 3:1 erinnerte. "Unglaublich, wie er das gemacht hat, er hat ganz toll gespielt", fand der Brasilianer. Herrmann selbst hatte seinen Einschuss mit einigem Staunen zur Kenntnis genommen.
"Ich wollte natürlich dahin schießen. Letzte Woche gegen Nürnberg hatte ich es ja schon versucht, aber da hat Rafael Schäfer die Finger noch dran gekriegt. Jetzt hat es gepasst", erzählte Herrmann. Heute reist er zur U21 des DFB, die in der der EM-Qualifikation erst in Tschechien und dann gegen Nordirland spielt. Eine interessante Woche also für den früheren Internatsschüler, der nun eine eigene Wohnung hat.
Dass er einen gehörigen Teil beigetragen hat zu einem historischen Ereignis, das war Herrmann durchaus bewusst. Denn als Borussia am 5. März 1994 zuletzt ein Sieg gegen Bayer gelang, da war Patrick Herrmann gerade mal drei Jahre alt. Und Rudi Völler stand noch als Torjäger auf dem Platz.
Danach war er Bundestrainer, und nun ist Völler Sportdirektor bei Bayer Leverkusen. Als solcher gratulierte er Patrick Herrmann zu seiner Leistung. Der Borusse war sichtlich überrascht. Doch er hatte sich diesen Ritterschlag verdient. Max Eberl machte die Annäherung seines Leverkusener Kollegen keine Angst. "Patricks Vertrag läuft noch lange genug", sagte Eberl grinsend.
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