Berlin - Hannover 4:0: Hertha demontiert Hannover
zuletzt aktualisiert: 19.08.2006 - 17:51Berlin (rpo). Das war eine Heimpremiere mit Bravour: Hertha BSC Berlin hat nach dem schwachen Auftakt in Wolfsburg einen glänzenden Einstand vor heimischem Publikum abgeliefert. Die Berliner feierten gegen Hannover 96 einen auch in der Höhe verdienten 4:0 (2:0)-Erfolg.
Vier Tore, sehenswerte Spielzüge und Fans in Feierlaune: Hertha BSC Berlin erwischte beim 4:0 (2:0)-Sieg gegen Hannover 96 in der Fußball-Bundesliga einen Heimspiel-Auftakt nach Maß und ließ im Olympiastadion sechs Wochen nach dem Finale wieder etwas WM-Euphorie aufkommen. Die Gäste aus Niedersachsen hingegen präsentierten sich erschreckend schwach und stehen nach zwei Niederlagen und acht Gegentoren bereits mit dem Rücken zur Wand.
"Man hat Leidenschaft gesehen, Freude am Fußball und echten Teamgeist", sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß nach den ersten 90 Minuten im heimischen Stadion und geriet ins Schwärmen. Seine Mannschaft präsentierte sich vor der "Woche der Wahrheit" in bester Spiellaune. "Dieses Erfolgserlebnis hilft uns für die Aufgaben in Tiflis und in Hamburg", sagte Hoeneß. Am Donnerstag (19 Uhr) geht es zum Rückspiel der letzten Qualifikationsrunde für den UEFA-Cup zum georgischen Pokalsieger FC Ameri Tiflis, am kommenden Sonntag folgt das schwierige Auswärtsspiel beim Hamburger SV.
Götz mehr als zufrieden
"Jeder kann sich vorstellen, dass wir heute zufrieden sind", sagte deshalb Trainer Falko Götz. Nach dem mäßigen Saisonstart am vergangenen Wochenende beim 0:0 in Wolfsburg wirkte der Coach wie erlöst. Großes Lob verteilte Götz an seine Stürmer, von denen der argentinische Neuzugang Christian Gimenez sein erstes Spiel von Beginn an bestritt: "Gimenez hat viel für Marko Pantelic gearbeitet. Beide haben miteinander harmoniert. Mit ihnen haben wir zwei echte Brenner."
Vor allem Pantelic hatte Anteil am Sieg der "alten Dame". Beim 1:0 nach Zuspiel von Ellery Cairo aus abseitsverdächtiger Position war er zur Stelle. Das 2:0 durch Pal Dardai bereitete der Torjäger mit vor, ehe er in der 63. Minute die Entscheidung erzwang. Unter großem Applaus wurde Pantelic in der 73. Minute ausgewechselt - nach seinem Länderspiel-Tor beim 3:1 am Mittwoch in Tschechien endete für den Serben eine tolle Woche.
Den Schlusspunkt beim munteren Toreschießen setzte der erst 19 Jahre alte Mittelfeldspieler Patrick Ebert, der die Vorarbeit von Spielmacher Yildiray Bastürk nutzte und aus dem Rückraum einschoss. "Jubelt mir den Jungen nicht so hoch", warnte Götz. Denn dass dem talentierten Blondschopf noch die Erfahrung fehlt, zeigte er beim Torjubel. Voller Euphorie riss er sich das Trikot vom Körper und kassierte prompt die Gelbe Karte.
Neururer schimpft auf die Schiedsrichter
Hannovers Trainer Peter Neururer akzeptierte die Niederlage seines Teams nur mit Einschränkungen: "Unser Spiel wurde heute zweimal massiv beeinflusst", schimpfte der Coach. Vor dem 1:0 habe der Schiedsrichter-Assistent wegen Abseits die Fahne gehoben, dann aber schnell wieder gesenkt. "Das hat meine Spieler irritiert", so Neururer. Zudem sei der Platzverweis von Michael Tarnat wegen groben Foulspiels an Cairo unberechtigt gewesen. "Die Gelbe Karte zuvor war ein Witz", meinte der Coach.
In Anbetracht der vielen Gegentore sprach Neururer am Ende doch von einer "kleinen fußballerischen Katastrophe". Das einzig Gute an dem Spiel sei gewesen, dass Schlussmann Robert Enke in der 88. Minute noch einen Elfmeter von Bastürk abwehrte. Vor dem wichtigen Heimspiel am kommenden Wochenende gegen Alemannia Aachen will der Coach aber dennoch keine Änderungen vornehmen: "Wir werden so arbeiten wie bisher auch."
Torwart Enke, der in dem ideen- und energielosen Ensemble aus der niedersächsischen Hauptstadt als einziger Akteur eine gute Figur machte, stellte nach der deftigen Pleite Forderungen: "Zunächst müssen wir in der Abwehr wieder stabiler werden", sagte Enke. Dies dürfte nach dem Abgang von Nationalverteidiger Per Mertesacker nicht einfach werden.
STIMMEN:
Trainer Falko Götz (Hertha BSC Berlin): "Dass wir heute zufrieden sind, kann sich jeder denken. Es war wichtig, dass wir noch vor der Pause das 2:0 gemacht haben, das hat uns Selbstvertrauen und Sicherheit gegeben. Wir haben auch in der zweiten Halbzeit immer versucht, den Torerfolg zu erzwingen. Neuzugang Christian Gimenez hat heute sehr gut gearbeitet, deshalb hatte Pantelic auch soviel Platz. Mit den beiden Stürmern haben wir zwei richtige Brenner."
Trainer Peter Neururer (Hannover 96): "Wir sind zutiefst enttäuscht. Man hat bis zum Platzverweis von Michael Tarnat gesehen, dass wir heute etwas bewegen wollten. Leider wurden wir nicht belohnt. Der Schiedsrichterassistent hat vor dem 1:0 unsere Spieler irritiert, weil er die Fahne gehoben hat und zunächst Abseits angezeigt hat. Torwart Enke hat uns durch seine Paraden noch vor einer höheren Niederlage bewahrt. Dass er am Ende einen Elfmeter gegen Yildiray Bastürk abgewehrt hat, ist fast das einzig Positive an diesem Spiel für uns."
STATISTIK:
Berlin: Fiedler - Friedrich, van Burik, Simunic, Fathi - Dardai (79. Chahed) - Cairo (62. Ebert), Bastürk, Gilberto - Pantelic (73. Lakic), Gimenez. - Trainer: Götz
Hannover: Enke - Cherundolo, Zuraw, Fahrenhorst, Tarnat - Balitsch - Jankow (39. Brdaric), Bruggink, Huszti (60. Andersson) - Stajner (70. Lala), Hashemian. - Trainer: Neururer
Schiedsrichter: Dr. Drees (Mainz)
Tore: 1:0 Pantelic (20.), 2:0 Dardai (31.), 3:0 Pantelic (63. ), 4:0 Ebert (76.)
Zuschauer: 37.166
Beste Spieler: Pantelic, Gilberto - Enke
Rote Karte: Tarnat wegen groben Foulspiels (50.)
Gelbe Karten: van Burik (2), Ebert - Huszti
Bes. Vorkommnis: Enke hält Foulelfmeter von Bastürk (87.)
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