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Michael Skibbe Hertha BSC
  Foto: dpa
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Trainer muss nach fünf Niederlagen gehen: Hertha entlässt Michael Skibbe

zuletzt aktualisiert: 12.02.2012 - 12:12

Berlin (RPO). Michael Skibbe hat nur ein Kurzintermezzo als Trainer des Bundesligisten Hertha BSC gegeben: Der krisengeschüttelte Berliner Bundesligist hat sich am Sonntag nach nach 41 Tagen vom 46-Jährigen getrennt.

Das bestätigte der Kapitän des Berliner Fußball-Bundesligisten, Andre Mijatovic, am Sonntag. Die Mannschaft sei vor dem Training darüber informiert worden. Skibbe hatte erst zu Jahresbeginn das Amt bei den Berlinern als Nachfolger von Markus Babbel angetreten. Der ehemalige DFB-Trainer hatte in fünf Pflichtspielen mit der "alten Dame" fünf Niederlagen erlitten, darunter am Samstag ein 0:5 beim VfB Stuttgart.

Angeblich plant der Traditionsklub, der erst 2011 mit Babbel aus der 2. Bundesliga in die Eliteklasse zurückgekehrt war, zunächst eine Interimslösung. Der nächste Gegner in Berlins 1000. Bundesligaspiel ist am kommenden Samstag (18. Februar, 15.30 Uhr/Live-Ticker) kein Geringerer als der Tabellenführer und deutsche Meister Borussia Dortmund. Im Gespräch ist der bisherigen U19-Trainer der Hertha, Ex-Profi Rene Tretschok.

Die insgesamt aufgeladene Atmosphäre verdeutlichte am Sonntagmorgen auf dem Berliner Trainingsgelände eine "Verfolgungsjagd", bei der rund 150 verärgerte Fans die Spieler auf dem Weg zum Auslaufen nahezu in "Manndeckung" nahmen.

Info

Wowereit spricht von "Desaster"

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat die Entwicklungen beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC am Sonntag als "Desaster" bezeichnet. Noch in Unkenntnis dessen, dass Trainer Michael Skibbe nach nur fünf Spielen gekündigt wurde, meinte er in Potsdam am Rande der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Filmstudio Babelsberg: "Das muss besser werden. Das kann aber auch noch besser werden. Wir müssen jetzt nicht verzweifelt sein und der Hertha die Daumen drücken." Und Wowereit forderte vom Hauptstadtclub: "Hertha selber muss alles unternehmen, damit mal wieder ein Sieg kommt. Gegen Dortmund wird das natürlich schwer. Aber drei Punkte müssen her!"

Preetz: "Was wollen Sie hören?"

Bereits am Samstag hatte es seitens Manager Michael Preetz kein klares Bekenntnis mehr zu Skibbe gegeben. "Was wollen Sie hören? Wir werden nach Hause fahren und alles aufarbeiten", sagte der Manager auf die Frage nach der Sicherheit von Skibbes Job. Der Start seiner Amtszeit sei natürlich "denkbar schlecht", merkte Preetz noch an. Doch nach der abenteuerlich schlechten Vorstellung der Hauptstädter in Stuttgart war klar, dass der Fußballlehrer, der eigentlich dem heftigen Wind trotzen wollte, in einen Orkan geraten würde, der ihn sogar von seinem Trainerstuhl fegen könnte.

Nach gut fünfwöchiger Amtszeit war der glücklose Skibbe in den Mittelpunkt der Diskussion geraten. Der ehemalige Assistent von DFB-Teamchef Rudi Völler selbst war in Stuttgart so bedient wie noch nie in seiner Karriere. "Ich bin schrecklich enttäuscht von der Vorstellung, die wir abgeliefert haben. Nach dem 0:1 haben wir uns bis zur Halbzeit nicht mehr gewehrt und uns ergeben. Die erste Halbzeit war die schlimmste, die ich je als Trainer erlebt habe. Das war so schlecht, dass man dafür kaum Worte findet", sagte er vollkommen niedergeschlagen. Der zarte Aufwärtstrend der Berliner aus dem unglücklich verlorenen Pokalspiel gegen Gladbach (0:2 n.V.) wurde regelrecht zertrümmert von einer Leistung, die der Coach gerade vor der Pause als "absolute Katastrophe" einstufte. Die fünfte Pleite in Serie und das Abrutschen in die unmittelbare Nähe der Abstiegsränge sollen nicht ohne Konsequenzen bleiben. "Das war ein Auftritt, wie wir ihn uns nicht gefallen lassen können", äußerte Preetz.

"Debakel" und Katastrophe"

"Debakel" und "Katastrophe", "desolat" und "grausam" waren die meist benutzten Vokabeln der Berliner Spieler und Verantwortlichen. Regelrecht kampflos hatte sich Hertha ergeben, der vollkommen berechtigte Platzverweis für Andreas Ottl in der 30. Minute wischte den letzten Hauch von Gegenwehr beiseite. Stuttgart erhielt Aufbauhilfe aus der Hauptstadt, durfte nach Lust und Laune kombinieren. Für den spielerischen Offenbarungseid und die höchste Bundesliga-Niederlage seit über fünf Jahren könne man "sich nur entschuldigen", sagte Skibbe. Rot-Sünder Ottl wollte nicht einmal ausschließen, dass sich die im Spiel ersichtlichen Auflösungerscheinungen festsetzen. "Die Gefahr ist da", sagte er. Mittelfeldspieler Peter Niemeyer erklärte, man müsse aufpassen, dass man in der Mannschaft den Respekt voreinander nicht verliere. Beide sprachen zudem vom "Tiefpunkt der Saison". Lauter könnten die Alarmsignale kaum sein.

Irgendwie muss Hertha nun rasch einen Weg aus dem Schlamassel finden. Sonst könnte der Weg im schlimmsten Falle wieder direkt in die 2. Liga führen. Michael Preetz hatte dazu am Samstag als Antwort erst einmal nur Durchhalteparolen parat. "Wir werden wieder zurückkommen. Hertha BSC hat mehrfach in dieser Saison ein anderes Gesicht gezeigt". Skibbe war überzeugt, dass "wir noch unsere Punkte holen werden" - allerdings nicht mit ihm.

Die Entlassung Skibbes wäre der sechste Trainerwechsel der laufenden Saison in der Bundesliga. Zuvor hatten Babbel (Hertha), Marcus Sorg (SC Freiburg), Michael Oenning (Hamburger SV) und Holger Stanislawski (1899 Hoffenheim) gehen müssen. Ralf Rangnick trat bei Schalke 04 wegen eines Burn-outs zurück.

Quelle: can/top/can/sid/dpa/sgo

 
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