Krise in Berlin: Hertha entlässt Trainer Favre
zuletzt aktualisiert: 28.09.2009 - 18:25Berlin (RPO). Hertha BSC Berlin hat die Reißleine gezogen: Am Montag wurde Cheftrainer Lucien Favre entlassen. Das teilte der Klub am Montag mit. Damit reagierte der Bundesligist auf die anhaltende Krise mit mittlerweile sechs Niederlagen in Serie und dem Sturz auf den letzten Tabellenplatz.
Co-Trainer Harald Gämperle wurde ebenfalls mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Das Training der Bundesliga-Mannschaft wird interimsmäßig von U 23-Coach Karsten Heine geleitet.
"Vor allem die letzten beiden Niederlagen in der Bundesliga mit neun Gegentoren haben mich zu der Überzeugung gebracht, dass dieser Schritt notwendig ist", sagte Herthas Manager Michael Preetz.
Die Mannschaft hatte am Sonntag beim 1:5 in Hoffenheim zum sechsten Mal in Folge in der Bundesliga verloren und steht seit dem 6. Spieltag auf dem letzten Tabellenplatz. Montagmittag hatte der Verein eine Krisensitzung abgehalten. Dort wurde die Trennung vom einstigen Wunschtrainer beschlossen. Der 51 Jahre alte Favre, der im Juni 2007 vom FC Zürich an die Spree gewechselt war, besaß bei der "Alten Dame" einen Vetrag bis 2011.
Heine wird die Mannschaft wohl auch in den wichtigen Spielen am Donnerstag in der Europa League bei Sporting Lissabon (21.05 Uhr/Live-Ticker) sowie am Sonntag im Bundesliga-Heimspiel gegen den Hamburger SV (17.30 Uhr/Live-Ticker) betreuen. Fraglich blieb, wer Favre langfristig ersetzen soll. Neben Heine sind auch die beiden ehemaligen Hertha-Trainer Jürgen Röber und Hans Meyer Kandidaten.
Stürzten die Spieler Favre?
Neben der sportlichen Krise war offenbar auch das gestörte Verhältnis von Favre zur Mannschaft ein Grund für die Trennung. Spielern wie Arne Friedrich wurde zuletzt offenbar vorgeworfen, sie würden gegen den Trainer spielen. Co-Trainer Harald Gämperle meckerte am Montag: "Es kann nicht sein, dass einige Spieler hinter dem Rücken Politik machen. Wenn einige Akteure zwei-, dreimal hintereinander so schlecht spielen, dann muss man sich schon fragen, welche Interessen die Spieler haben."
Beim 1:5 in Hoffenheim hatte die Mannschaft ein Bild des Jammers abgegeben. Die Abwehr schaute bei den Gegentoren zu, das Mittelfeld verlor die Zweikämpfe, und vom Sturm ging keine Gefahr aus. Hoffenheims Josip Simunic, im letzten Jahr noch Herthas Abwehrchef, musste sich nach seiner Auswechslung zur Halbzeit wegen einer Wadenverletzung die Frage gefallen lassen, ob er aus Mitleid mit seiner alten Mannschaft vom Platz gegangen war.
Fehler im Umgang mit dem Team
Favre hatte sich am Sonntagabend zunächst kämpferisch gegeben: "Ich werde weitermachen", hatte der Coach gemeinte. Seine Aussagen klangen längst schon wie Durchhalteparolen. Zudem machte der Ex-Profi in der Krise keine gute Figur. Nach dem Abpfiff in Hoffenheim versammelte er seine Spieler 40 Minuten in der Kabine. Dabei soll jedoch kaum gesprochen worden sein. Als die Spieler anschließend in die "Freiheit" entlassen wurden, verweigerten sie jegliche Aussagen. Ein offensives Krisenmanagement wäre in dieser Situation angebrachter gewesen.
So verwundert es nicht, dass die Kritik im Umfeld wuchs. Die Hauptstadt fürchtete um ihre Präsenz in der Fußball-Bundesliga. Die Berliner Boulevard-Zeitungen haben sich längst auf den Schweizer eingeschossen. Am Montag hieß es: "Monsieur Favre, bitte gehen Sie" (Bild), "Favre am Ende" (BZ) oder "Preetz rückt von Favre ab" (Berliner Kurier).
Ein Grund für die sportliche Talfahrt ist die Personalpolitik, für die in erster Linie Favre steht. In Marko Pantelic, Andrej Woronin und Simunic wurde zu viel Substanz verkauft. Der Coach hatte wohl geglaubt, dass er - wie in den Jahren zuvor - seine jungen Spieler schnell zu gestandenen Bundesliga-Profis formen könnte. Doch nun zeigt sich, dass die Youngster ohne ein Gerüst von Routiniers überfordert sind. Hinzu kommt, dass der Coach bei Neueinkäufen kein glückliches Händchen bewies.
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