Intermezzo mit Knall-Effekt: Hertha im Chaos – Preetz rechtfertigt sich
zuletzt aktualisiert: 12.02.2012 - 20:44Berlin (RPO). Michael Skibbe ist wieder weg: Nach 41 Tagen endete das Intermezzo des Trainers bei Hertha BSC mit einem Knall. Vermummte Fans stürmten das Trainingsgelände am Olympiastadion.
Vermummte stürmten das Gelände am Berliner Olympiastadion, brüllten Kraftausdrücke in die Eiseskälte, folgten den Spielern sogar beim Auslaufen: Der peinliche Kurzbesuch von Michael Skibbe bei Hertha BSC endete nach nur 41 Tagen ohne einen einzigen Punkt, aber krachend. Die explosive Stimmung bei einem Fußball-Bundesligisten im Chaos entlud sich am Sonntagmorgen nach dem 0:5 beim VfB Stuttgart. Rund 200 Hertha-Fans machten Stunk. Längst klar war da: Der Klub korrigiert seinen teuren Fehler, beendet die Episode Skibbe nach fünf Pleiten in fünf Pflichtspielen.
Genau das habe er "heute morgen gemacht", erklärte der ebenfalls scharf kritisierte Manager Michael Preetz auf einer Pressekonferenz am Mittag: "Der erhoffte Erfolg hat sich nicht eingestellt. Wenn ich das Gefühl habe, an einem Punkt zu sein, wo wir nicht mehr weiterkommen, dann muss ich handeln." Er als Geschäftsführer Sport trage "die Verantwortung für Personalentscheidungen", also, selbstverständlich, "auch für die Verpflichtung von Michael Skibbe". Aber persönliche Konsequenzen sind deswegen nicht zu erwarten: "Ich bin keiner, der wegläuft", sagte Preetz.
Der Nächste, bitte!
Skibbe hatte sich am frühen Morgen bereits von der Mannschaft, die er eigentlich noch gar nicht richtig hatte kennenlernen können, verabschiedet. Der Nächste, bitte! Aber wer? "Mit gebotener Sorgfalt", sagte Preetz, und es wirkte irgendwie unfreiwillig komisch, werden die Herthaner wieder einmal "einen neuen Trainer suchen".
Bis dahin übernimmt der ehemalige Profi Rene Tretschok das Team als Interimstrainer. Das gab der Klub am Sonntagabend bekannt. Tretschok (43), bisher Trainer der vereinseigenen U19, wird von Ante Covic (36) unterstützt, der bisher für die U15 verantwortlich war.
Den Namen Stanislawski wollte Preetz (noch) nicht kommentieren. Holger Stanislawski war erst am Donnerstag bei 1899 Hoffenheim entlassen worden, er wurde dort von Markus Babbel beerbt, Skibbes Vorgänger bei der Hertha. Es würde sich insofern mit einer Verpflichtung Stanislawskis ein ziemlich kurioser Kreis schließen: Der ehemalige Trainer des FC St. Pauli könnte ein Nachfolger seines Nachfolgers werden.
Als bei der Hertha die Entscheidung gegen Skibbe gefallen war, stand zunächst die Personalie Preetz im Vordergrund. Der unerfahrene Sportdirektor hatte die verhängnisvolle Entscheidung getroffen, Skibbe aus dessen Vertrag beim türkischen Erstligisten Eskisehirspor herauszukaufen und ihn bis 2014 an die Berliner zu binden. Nun entließ er Skibbe nach nicht einmal fünf Prozent der Vertragslaufzeit. Wieder eine kostspielige Trennung.
Schon bei der Entlassung Babbels hatte Preetz, der ehemalige Klasse-Torjäger und Nationalstürmer, eine unrühmliche Rolle gespielt, die Beziehung endete mit beiderseitigen Lügenvorwürfen. Zudem verschliss Preetz auch Lucien Favre, der drauf und dran ist, mit Borussia Mönchengladbach sogar in die Champions League einzuziehen.
"Ich hinterfrage mich"
"Ich hinterfrage mich. Wir hatten in meinem Zeitraum vier Trainer, möchten gerne kontinuierlich arbeiten, haben das aber nicht hinbekommen", sagte Preetz. "Ich bin ein Kämpfer, bin keiner, der wegläuft. Ich habe meinen Fehler eingeräumt. Das macht nicht jeder!"
Immerhin: Die angespannte Lage auf dem Trainingsgelände entspannte sich schnell. Spontan wurden Aussprachen zwischen Spielern und Fans angesetzt, es seinen "emotionale, aber ruhige" Gespräche gewesen, hieß es anschließend. Die zunächst bedrohlich wirkenden Szenen waren schnell vergessen, verdeutlichten aber, womit die Mannschaft im Falle eines weiteren Abstiegs nach 2010 rechnen müsste.
Mit der Entlassung seines Nachfolgers gerechnet hatte zumindest Markus Babbel. "Das ist einfach bedauerlich. Ich schätze ihn menschlich. Natürlich ist das nicht schön. Andererseits hat Corny Littmann (früherer Präsident des FC St. Pauli, d. Red.) auch irgendwann zu mir gesagt: Augen auf bei der Berufswahl! Wir wissen, worauf wir uns einlassen."
Dem kommenden Hertha-Trainer sollte es eine Warnung sein. Babbel sagte: "Stani könnte ich mir sehr gut vorstellen." Damit, weiteres Kuriosum, empfahl er seinen Vorgänger bei seinem jetzigen Klub als Nachfolger bei seinem früheren Verein.
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