1. Bundesliga 17/18
| 20.54 Uhr

Nur 0:0 gegen Dortmund
Hertha lässt Frust am Schiedsrichter aus

Nur 0:0 gegen Dortmund: Hertha lässt Frust am Schiedsrichter aus
Michael Preetz (l.) und Friedhelm Funkel (2.v.r.) wollten die Entscheidung von Schiedsrichter Lutz Wagner (3.v.r.) nicht wahr haben. FOTO: ddp, ddp
Berlin (RPO). Hertha BSC Berlin hat nach dem 5:1-Wunder von Wolfsburg im Heimspiel gegen Borussia Dortmund verpasst, nachzulegen. Nach dem torlosen Remis war für die Hauptstädter klar, wer die Schuld an dem verpassten Sieg trägt: der Schiedsrichter.

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff stürmte Hertha-Trainer Friedhelm Funkel auf Lutz Wagner zu und diskutierte mit dem Schiedsrichter. Die Entscheidung des Unparteiischen, das Kopfballtor von Theofanis Gekas in der 79. Minute wegen angeblichen Abseits nicht zu geben, erhitzte nach dem Spiel die Gemüter. Für den Tabellenletzten aus der Hauptstadt könnte der umstrittene Pfiff bittere Folgen haben.

"Ich kenne Herrn Wagner nach all den Jahren ganz gut und habe ihn sachlich gefragt, warum er das Tor nicht gegeben hat. Er hat gesagt, er habe gepfiffen, weil der Linienrichter die Fahne gehoben hat", sagte Funkel: "Das ist ganz, ganz bitter für uns. Das sind Punkte, die uns am Ende fehlen könnten."

Klopp sicher: "Das war Abseits"

Dortmunds Trainer Jürgen Klopp war da ganz anderer Meinung. "Das war zu einhundert Prozent Abseits", sagte Klopp, forderte aber dennoch: "Die Regeln müssen eindeutiger definiert werden. Jetzt geht der Mist wieder los, dass über passives Abseits diskutiert wird."

Folgendes war geschehen: Mittelfeldspieler Fabian Lustenberger passte auf den Griechen Gekas, der sich zum Zeitpunkt der Ballabgabe im Abseits befand, zunächst aber nicht an den Ball kam. Die entscheidende Frage, ob durch die zwischenzeitliche Rettungsaktion von Felipe Santana eine neue Spielsituation entstanden war, legten beide Seiten anschließend unterschiedlich aus.

Die Fernsehbilder gaben jedoch der Hertha recht. Deutlich war zu sehen, dass die Rückgabe von Santana bewusst vorgenommen worden war. "Dadurch ist eine neue Spielsituation entstanden. In diesem Falle kann man nicht mehr auf Abseits entscheiden, deshalb war es aus meiner Sicht ein Tor", sagte Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel vom Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Berlin fühlt sich betrogen

Die Berliner witterten eine klare Benachteiligung, zumal im Skandalspiel vor zwei Wochen gegen den 1. FC Nürnberg (1:2), bei dem rund 150 Chaoten den Innenraum gestürmt und dort gewütet hatten, eine ähnliche Situation zu einem Gegentor geführt hatte. "Dem Linienrichter ist erst beim Jubeln eingefallen, die Fahne zu heben. Vorher war sie nicht oben", sagte Hertha-Manager Michael Preetz sichtlich genervt.

Was die Berliner in ihrem Frust auf die Schiedsrichter vergaßen: Sie hatten es sich aufgrund einer fahrlässigen Chancenauswertung selbst zuzuschreiben, zum wiederholten Mal eine große Chance auf die Rettung vergeben zu haben.

Besonders bitter: Nach den Ausrutschern der Konkurrenten 1. FC Nürnberg (2:4 bei Werder Bremen) und Hannover (1:4 gegen den 1. FC Köln) hätte sich Hertha auf Schlagdistanz zu den Nicht-Abstiegsplätzen vorabrbeiten können. Der 5:1-Coup beim Meister VfL Wolfsburg vor einer Woche war damit fast nur die Hälfte wert.

Zu wenig für den BVB

Auch für die Dortmunder dürfte der Punktgewinn beim Tabellenletzten zu wenig sein - zumindest für diejenigen, die insgeheim von den Champions-League-Plätzen träumen. "Das war insgesamt zu wenig von uns. Unsere Leistung hat nicht gestimmt", sagte Torhüter Weidenfeller kritisch.

Dass sich die Laune des Keepers noch im zumutbarem Rahmen hielt, lag auch am umstritten Abseitspfiff von Schiedsrichter Wagner. "Wenn wir so ein dummes Tor gekriegt hätten, dann hätte man mich anders erlebt. Da habe ich erst einmal ganz tief durchgeschnauft", sagte Weidenfeller. Den Ärger hatte dafür Hertha.

(SID/seeg)
 
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