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Berlin - Bielefeld 1:0: Hertha-Sieg in der 93. Minute

zuletzt aktualisiert: 16.02.2008 - 17:31

Berlin (RPO). Die Talfahrt von Arminia Bielefeld in der Fußball-Bundesliga geht auch unter Trainer Michael Frontzeck weiter. Ein Tor von Raffael in der Nachspielzeit (90.+3) besiegelte eine unglückliche 0:1 (0:0)-Niederlage der Ostwestfalen bei Hertha BSC Berlin. Für Frontzeck war es die vierte Pflichtspielpleite seit seinem Amtsantritt.

Der Bielefelder Bernd Korzynietz schrimt den Ball gegen Patrick Ebert ab.  Foto: ddp, ddp
Der Bielefelder Bernd Korzynietz schrimt den Ball gegen Patrick Ebert ab. Foto: ddp, ddp

Die Stadionuhr zeigte die Spielzeit von 92:17 Minuten an, da brach für Michael Frontzeck die Fußball-Welt zusammen. In letzter Sekunde hatte der Brasilianer Raffael aus kurzer Distanz das Siegtor für Hertha BSC erzielt und die Spieler von Arminia Bielefeld in eine kollektive Depression gestoßen. Durch die dritte Niederlage im dritten Liga-Spiel unter Frontzeck rutschten die Ost-Westfalen in akute Abstiegsnot und machten den schlechtesten Rückrunden-Start seit dem Jahr 2000 perfekt.

"Grundsätzlich denke ich, dass die Spielzeit zum Zeitpunkt des Tores abgelaufen war", haderte Frontzeck mit dem Unparteiischen. Schiedsrichter Günter Perl hatte zwei Minuten Nachspielzeit angzeigt, ehe sich Raffael in der dritten Minute die Torchance bot. Die Arminen-Abwehr bekam den Ball nach einem Einwurf von Sofian Chahed nicht aus der Gefahrenzone: "Ein Einwurf in der Schlusssekunde ist immer unangenehm. Da musst du höllisch aufpassen", meinte Frontzeck.

Bis zum Fehler in der Schlussphase attestierte der Coach seiner Mannschaft eine gute Leistung. "Das war das beste Spiel, seitdem ich in Bielefeld Trainer bin." Frontzecks Bilanz kann jedoch nicht schlechter sein: Aus drei Liga-Spielen und einer Pokal-Partie gab es vier Niederlagen. Dennoch glaubt der Coach an sein Team: "Ich habe immer gesagt, dass wir in kleinen Schritten vorwärts kommen. Heute hätte uns ein großer gelingen können."

Torwart Mathias Hain stand der Frust über den späten Gegentreffer noch Minuten nach dem Abpfiff ins Gesicht geschrieben: "Das ist bitter", stellte der Keeper fest. In der 61. Minute konnte er bei Raffaels erster Torchance noch retten, ehe der Schock zur Schlusssekunde folgte: "Wir müssen diese Niederlage ausklammern. Wenn wir so weiterspielen, werden wir auch punkten. Am besten im nächsten Spiel gegen Duisburg", forderte der Kapitän.

"Ich habe immer an unsere Siegchance geglaubt. Auch als der Schiedsrichter nur noch zwei Minuten Nachspielzeit angezeigt hat", sagte Herthas Matchwinner Raffael. Eine Woche nach seinem ersten Tor für die Berliner beim 3:1-Sieg gegen den VfB Stuttgart glückte ihm der erste Heimtreffer.

"Das Tor zu Hause wird ihm Auftrieb geben", lobte Hertha-Trainer Lucien Favre seinen Musterschüler, für den Hertha in der Winterpause rund 4,5 Millionen Euro an den FC Zürich überwies. Und Hertha-Manager Dieter Hoeneß wirkte erleichtert: "Jeder weiß, dass er kein billiger Spieler war. Das Tor tut ihm gut. Er nimmt Druck von Marko Pantelic und von der gesamten Mannschaft." Trotz des ersten Heimspielsieges seit dem 10. November 2007 konnte Hertha keineswegs überzeugen.

"Wir haben zu wenig Druck aufgebaut. Daran müssen wir arbeiten", sagte Manager Dieter Hoeneß. Trainer Favre sprach von dennoch einem Verdienten Sieg: "Unsere Mannschaft hat das Glück provoziert, weil sie mehr probiert hat."

Für Bielefelds Stürmer Artur Wichniarek blieb der befürchtete Spießrutenlauf aus. Der ehemalige Hertha-Stürmer hatte vor dem Spiel Manager Hoeneß scharf kritisiert, demzufolge hatten die Berliner Fans ein Pfeifkonzert angekündigt. Zwar gab es Pfiffe, die hielten sich aber im Rahmen.

"Wir sollten die Geschichte jetzt vergessen", sagte Hoeneß. Unter der Woche hatte die Hertha noch angekündigt, juristische Schritte prüfen zu wollen, da Wichniarek gegen eine Verschwiegenheitsklausel im Auflösungsvertrag mit Hertha verstoßen haben soll, die bei Nichtbefolgen eine Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro vorsieht.

Am Spieltag erhitzten sich die Gemüter lediglich in der 72. Minute. Nachdem Wichniarek gegen Herthas Malik Fathi nachgetreten hatte, lieferte sich Hertha-Kapitän Arne Friedrich eine Rangelei mit seinem polnischen Ex-Kollegen. "Ich habe gesehen, dass er nachgetreten hat. Da ist es mein Recht, ihn zur Ordnung zu rufen", rechtfertigte Friedrich seinen Auftritt.

Bei den Berlinern verdienten sich Abwehrspieler Josip Simunic und Alleinunterhalter Pantelic die Bestnoten, bei den Gästen konnte neben Keeper Hain Abwehrspieler Schuler gefallen.


Statistik

Berlin: Drobny - Friedrich, Simunic, Fathi - Chahed, Lustenberger, Kacar (65. Mineiro), Skacel (78. Okoronkwo) - Ebert, Raffael - Pantelic. - Trainer: Favre

Bielefeld: Hain - Korzynietz, Gabriel, Mijatovic, Schuler - Marx, Kucera - Zuma (88. Rau), Nkosi (80. Halfar), Kamper (72. Kirch) - Wichniarek. - Trainer: Frontzeck

Schiedsrichter: Günter Perl (München)

Tor: 1:0 Raffael (90.+3)

Zuschauer: 32.031

Beste Spieler: Simunic, Pantelic - Hain, Schuler

Rote Karten: keine

Gelb-Rote Karten: keine

Gelbe Karten: Skacel, Fathi (2) - Kucera


 
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