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Fünfte Niederlage für den FC Bayern: Heynckes hat aus Fehlern nicht gelernt

VON DENIS CANALP - zuletzt aktualisiert: 23.01.2012 - 07:57

Düsseldorf (RPO). Das 1:3 bei Borussia Mönchengladbach bedeutet für den FC Bayern am 18. Spieltag bereits die fünfte Niederlage in der laufenden Bundesliga-Saison. Doch nicht nur die Pleite schmerzt, sondern auch die Tatsache, dass sich die Niederlagen ähneln. Die Bayern finden gegen bestimmte Gegner einfach kein Rezept.

Gladbach ist so ein Gegner. Eine Mannschaft, die deutlich mehr läuft, in der Defensive die Räume konsequent eng macht, Bayerns offensive Außenbahnspieler ständig mit zwei Gegenspielern beackert und die eigenen Angriffe schnörkellos, schnell und zielstrebig vorträgt, stellt den Rekordmeister vor ein unlösbares Problem. Bayerns Taktik wirkt festgefahren, Trainer Jupp Heynckes gelingt es nicht, sein Team auf die überfallartigen Angriffe dieser konterstarken Mannschaften einzustellen.

Bekannte Gegner – bekannte Probleme

Und so ist es eigentlich keine Überraschung, dass die Bayern am 18. Spieltag nach dem laut Heynckes "besten Trainingslager aller Zeiten" in Mönchengladbach einen Fehlstart hinlegten und dabei eine durchwachsene Leistung zeigten. Schließlich verlor die Heynckes-Elf schon vor dem Rückrunden-Auftakt in dieser Spielzeit bereits in Hannover (1:2), in Mainz (2:3), gegen Dortmund (0:1) und gegen Gladbach (0:1) – alles Mannschaften, die das Prinzip des schnellen Umschaltens eindrucksvoll praktizieren. Das Schlimmste aus Bayern-Sicht: Diese Probleme sind keinesfalls neu, schon unter Vorgänger Louis van Gaal taten sich die Bayern gegen diese Mannschaften schwer, steckten dabei teilweise vernichtende Niederlagen ein.

Bayern hat in diesen Partien stets mehr Ballbesitz, weiß jedoch nicht viel damit anzufangen, die einzige Sturmspitze Mario Gomez ist isoliert und wird allenfalls mit undankbaren Flanken aus dem Halbfeld bedient, da die gedoppelten Flügelspieler nicht bis zur Grundlinie durchkommen. Der Gegner beschränkt sich auf Konter und nutzt die riesigen Lücken zwischen Mittelfeld und Abwehr, um relativ simpel zu Toren zu kommen.

Die Statistik belegt dies eindeutig. Spielten die Bayern in Gladbach 579 Pässe mit einer Genauigkeit von 88,5 Prozent, benötigten die Gastgeber gerade einmal 199 Pässe für den Erfolg. Dass lediglich 77,4 Prozent der Zuspiele den Mitspieler fanden, ist zudem ein Indiz dafür, dass die Borussia die risikoreicheren Pässe in die Tiefe wählte und direkter spielte.

Der Tabellenführer, den nur noch vier beziehungsweise 13 Tore von den Verfolgern Dortmund und Schalke sowie ein Punkt von Gladbach trennen, kommt zudem nicht mit Rückständen zurecht. Sechs Mal lag die Mannschaft 0:1 zurück, fünf Spiele gingen verloren, lediglich gegen den VfB Stuttgart drehten die Münchner die Partie.

Dadurch reicht den Bayern in neun Heimspielen ein überragendes Torverhältnis von 30:3 auch nur zu sieben Siegen. Läuft nicht alles nach Plan, ist die Mannschaft verunsichert und findet keine Lösungen. Heynckes hält stur am statischen 4-2-3-1 fest und verzichtet in der Regel auf eine Systemumstellung auf zwei oder gar drei Angreifer.

Die Mannschaft agiert wie in der Endphase unter van Gaal gefangen im eigenen Taktik-Korsett, die Offensivakteure verharren auf ihren Positionen, anstatt wie zu Beginn der Saison den Gegner durch Rochaden zu verwirren. Der langsame Spielaufbau mit vielen Querpässen verhindert Überraschungsmomente in der Offensive, das defensive Umschalten erfolgt teilweise lustlos. Der FC Bayern ist zum Rückrunden-Auftakt weit von seinen ambitionierten Zielen entfernt.

Auf Augenhöhe mit Barca?

Dabei war in der Winterpause immer wieder vom Champions-League-Finale in der eigenen Arena, dem FC Barcelona, Real Madrid und in diesem Zusammenhang dem Wort "Augenhöhe" die Rede. Doch eines kann dem FC Bayern dieser Tage keiner nehmen und das ist die Harmonie. Die Spieler zeigen sich einsichtig und geloben Besserung, die sonst recht meinungsfreundlichen Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß schweigen, einzig Heynckes übt leichte Kritik an Torwart Manuel Neuer, der mit einem verunglückten Pass die Niederlage einleitete.

Eine öffentliche Diskussion aller Vereinsgremien dieses folgenschweren Patzers bleibt im Gegensatz zum Vorjahr, als Eigengewächs Thomas Kraft gegen Nürnberg ein ähnliches Missgeschick unterlief, aber ebenso wie Trainer-Diskussionen, die nach fünf Niederlagen in 18 Spielen in München durchaus üblich sind, aus.

"Das ist der erste Spieltag der Rückrunde und ich weiß noch ganz genau die Debatten, die nach dem ersten Spieltag der Vorrunde losgegangen sind. Da wurde auch jegliche Sau durchs Dorf getrieben und das wird jetzt wieder passieren. Dann werden wir die sportliche Antwort genauso wie auch in der Vorrunde geben", gibt sich Sportdirektor Christian Nerlinger gleichermaßen zuversichtlich wie gelassen.

Angesichts der guten Form der Bundesliga-Konkurrenz, der eigenen Ambitionen und der auf Konter angelegten Spielweise des FC Basel, dem Gegner im Achtelfinale der Champions League, benötigt der FC Bayern diese Reaktion dringend.

Quelle: can/chk/can/top/das

 
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