Jahreshauptversammlung des FC Bayern: Hoeneß neuer Chef, "Kaiser" Ehrenpräsident
zuletzt aktualisiert: 27.11.2009 - 23:49München (RPO). Sie verabschiedeten ihn mit stehenden Ovationen – und der ein oder andere in der Halle auf dem Münchner Messegelände hatte sogar eine Träne in den Augen. Franz Beckenbauer ist nicht länger Präsident des Fußball-Rekordmeisters FC Bayern. Der "Kaiser" übergibt an Uli Hoeneß.
Stolze Bilanz und Standing Ovations für die aus ihren Ämtern scheidenden Franz Beckenbauer und Manager Uli Hoeneß, nur wenige Pfiffe für Trainer Louis van Gaal: Trotz der sportlich weiterhin angespannten Lage hat Fußball-Rekordmeister Bayern München eine Jahreshauptversammlung ohne größere unangenehme Überraschungen erlebt.
Im Fokus standen dabei der scheidende Präsident Beckenbauer, den Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge als "größte Persönlichkeit, die unser Klub je hervorgebracht hat", würdigte – und Hoeneß, der nach 30 Jahren als Manager Beckenbauer auf dem Präsidenten-Stuhl nachfolgte. Das langjährige Erfolgs-Duo verabschiedete sich mit eindrucksvollen Zahlen und einem Gewinn von 2,5 Millionen Euro.
Für Franz Beckenbauer sollte aber nicht nur die Zeit als Präsident zu Ende gehen, sondern eine neue beginnen – als Ehrenpräsident. Mit 32-jähriger Verspätung ehrt der Rekordmeister ihn zudem mit einem Abschiedsspiel gegen Real Madrid. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge erklärte am Rande der Jahreshauptversammlung, Beckenbauer sei 1977 bei seinem Wechsel zu Cosmos New York "nicht gebührend und vor allem nicht FC-Bayern-like" verabschiedet worden. Dies wolle der Klub nachholen und Beckenbauer zum Ehrenspielführer ernennen.
Das Spiel gegen die "berühmteste und erfolgreichste Mannschaft der Welt" (Rummenigge) wird im August 2010 in der Münchner WM-Arena stattfinden. Im Anschluss soll Beckenbauer mit einem großen Fest "gebührend gefeiert und verabschiedet" werden.
Angesichts des emotionalen Abschieds von Beckenbauer und Hoeneß fiel auch die Kritik für den umstrittenen van Gaal schwächer aus als von vielen erwartet. Der Coach wurde von den 4490 Mitgliedern in der Halle C1 der Münchner Messe mit recht höflichem Applaus begrüßt, in den sich nur vereinzelte Buhrufe und Pfiffe mischten.
Von den Bossen erhielt er Rückendeckung. "Ich weiß, dass in der letzten Zeit mit viel Kritik auf dich, lieber Louis, eingedroschen wurde. Wir tun alle gut daran, das Wort Geduld zu leben. Wenn unsere Raketen Ribery und Robben zurückkommen, werden wir eine Aufholjagd starten", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, dessen Auftritt deutlichere Unmutsäußerungen begleiteten. Auch der "Kaiser" selbst meinte: "Man muss Geduld haben, Zeit geben."
Rekorde präsentieren konnten der scheidende Präsident und sein Erbe Hoeneß bei ihrer letzten Versammlung in diesen Ämtern nicht, dafür aber erneut stolze Zahlen. Zwar ging der Umsatz der FC Bayern AG im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/09 wegen geringerer Einnahmen bei Transfers um 18,1 Millionen auf 268,7 Millionen Euro zurück, am Ende stand aber erneut ein Gewinn von 2,5 Millionen Euro.
Zunächst stand sogar ein Überschuss von 12,9 Millionen Euro zu Buche, in die Bilanz flossen jedoch 10,4 Millionen Verlustübernahme der Stadion GmbH ein. Zudem verfügt die AG über Eigenkapital in Höhe von 177,5 Millionen und freie Liquidität von 33,7 Millionen Euro - Zahlen, die Hoeneß eine "goldene Zukunft" prophezeihen ließen.
Die "Seele des FC Bayern" (Rummenigge) folgte Beckenbauer, der zum Ehrenpräsidenten und -Spielführer ernannt wurde, zudem an die Spitze des Aufsichtsrats nach. Das Votum der Mitglieder für Hoeneß bei dessen Wahl fiel erwartungsgemäß eindeutig aus, er erhielt nur zwölf Gegenstimmen. Hoeneß' Manager-Posten übernimmt Sportdirektor Christian Nerlinger im sportlichen Bereich. Beckenbauer nannte es eine "sehr sehr schwierige Aufgabe" in Hoeneß' Fußtapfen zu treten, "mit seinen großen Latschen".
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