Borussia Mönchengladbach: Hoeneß sieht Gladbach als Titelkonkurrent
zuletzt aktualisiert: 27.11.2011 - 16:14Köln (RPO). Uli Hoeneß traut dem Überraschungsteam Borussia Mönchengladbach noch Großes zu: Der Präsident von Rekordmeister Bayern München sieht in den "neuen Fohlen" einen echten Meisterschaftskonkurrenten.
"Ich habe das Gefühl, dass Borussia Mönchengladbach sich sehr stark stabilisiert hat und so eine Überraschungsmannschaft sein könnte, wie es schon oft passiert ist. Wie Wolfsburg vor zwei Jahren oder wie Kaiserslautern mal", sagte Hoeneß im Aktuellen Sportstudio des ZDF mit Blick auf zwei Sensationsmeister: "Man hat die ja gar nicht auf der Rechnung gehabt."
Während die 8000 Gladbacher Fans am Freitagabend nach dem 3:0 (2:0)-Sieg im rheinischen Derby beim 1. FC Köln in grün-weißen Zipfelmützen die zwischenzeitliche Tabellenführung mit Meistergesängen feierten, zollte Hoeneß den "Überfliegern" echten Respekt. Auch Lucien Favre erinnerte - unfreiwillig - an eines von Hoeneß angesprochene Beispiel. "Das 1:0 in München hat uns viel Selbstvertrauen gegeben", sagte der Gladbacher Trainer. Damit erinnerte er an die Initialzündung zu Saisonbeginn nach dem soeben vermiedenen Abstieg in der Vorsaison - und damit an das Beispiel des Sensationsmeisters 1. FC Kaiserslautern.
Der hatte 1997 als Aufsteiger das erste Saisonspiel mit 1:0 bei den Bayern gewonnen und wurde auf der Euphoriewelle zum Titel getragen. "Es ist unseriös, über so etwas zu sprechen", sagte Favre, wogegen sein Kölner Kollege Stale Solbakken Gladbach "als die wohl derzeit beste deutsche Mannschaft" bezeichnete.
Auch Hoeneß beeindruckte der Auftritt der Gladbacher, die zum dritten Mal in Folge den Erzrivalen aus Köln vorführten und zum Auftakt des Spieltags die Tabellenführung eroberten - niemals in den vergangenen 27 Jahren hatte der fünfmalige Meister zu einem solch späten Zeitpunkt der Saison als Erster übernachtet. Auch wenn der Platz an der Sonne nur eine Nacht behauptet wurde - die Gladbacher fühlten sich im siebten Fußball-Himmel.
Vom Europapokal oder gar der Meisterschaft, versicherte Doppeltorschütze Mike Hanke, spreche bei der Borussia aber niemand. "Auch in der Kabine nicht. Das ist wirklich so", beteuerte er: "Wir verfallen nicht in Euphorie und haben auch nicht vor, unsere Saisonziele zu ändern."
Torhüter Marc-Andre ter Stegen, der nach dem dritten klaren Derbysieg in Folge (4:0 und 5:1 im Vorjahr) mit dem Megafon die Fangesänge anheizte, entgegnete auf die Frage nach Titelträumen treu dreinschauend eine Gegenfrage. "Welchen Titel?", meinte er: "Die Meisterschaft? Nein, wir lassen uns nicht von der Tabelle beeindrucken."
"Im Moment klappt einfach alles", sagte Nationalspieler Marco Reus, der mit einem gebrochenen kleinen Zeh besser spielte als alle Kölner. Ob Reus für das Topspiel gegen Meister Borussia Dortmund am 3. Dezember ausfällt, werden die nächsten Tage zeigen.
In Köln blieb Borussias bester Torschütze (zehn Treffer) ohne eigenes Erfolgserlebnis. Verschmerzen konnte er dies, weil diesmal Mike Hanke in die Bresche sprang. Der Ex-Nationalspieler und WM-Teilnehmer von 2006 hatte mit seinen ersten beiden Saisontoren (20./47.) seine 1036 Minuten währende Flaute beendet. "Jetzt werden wir sicher das ein oder andere Bier trinken und den Moment genießen", sagte der Stürmer - und wirkte dabei ganz entspannt.
Denn über den Klassenerhalt brauchen sich die Gladbacher keine Sorgen mehr machen. 29 Punkte haben die Gladbacher bereits. So viele wie im Vorjahr drei Spieltage vor dem Saisonende. "Und diese 29 Punkte haben wir verdient", sagte Favre, dem beim Tiefstapeln langsam die Argumente ausgehen. Diesmal fiel ihm nur noch ein, daran zu erinnern, "dass Frankfurt im Vorjahr im Winter 26 Punkte hatte und noch abgestiegen ist."
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