Krise beim Hamburger SV: Holländer löst Labbadia ab
VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 27.04.2010 - 07:38Hamburg/Düsseldorf (RP). Drei Tage vor dem Rückspiel im Europa-League-Halbfinale wechselt der Hamburger SV den Trainer. Ricardo Moniz betreut den HSV wohl nur für zwölf Tage. Wer kommt dann? Löw, Terim und Houllier werden gehandelt.
Plötzlich ging es schnell. In der Nacht nach dem bestürzenden 1:5 in Hoffenheim tagten die Gremien. Für 8.30 Uhr gestern lud der Vorstand des Hamburger SV Trainer Bruno Labbadia zum Gespräch. Und ab 10.16 Uhr leitete Ricardo Moniz das Training.
Dazwischen lagen eine Analyse der verfahrenen sportlichen Situation und die dem Vernehmen nach mit einer Abfindung von einer Million Euro verbundene Trennung von Labbadia. Bis Mitte 2012 stand der Coach, den der HSV für eine geschätzte Ablöse von 1,3 Millionen Euro vor zehn Monaten aus Leverkusen geholt hatte, ursprünglich unter Vertrag. Die Entscheidung für den Trainer, dessen Jahresgehalt bei über einer Million Euro gelegen hatte, erwies sich als teures Missverständnis.
Moniz, bislang als Techniktrainer in Labbadias Stab beschäftigt, bereitet die Mannschaft auf das Rückspiel im Europa-League-Halbfinale übermorgen beim FC Fulham in London (Hinspiel 0:0) vor. "Er hat eine klare und deutliche Ansprache", erklärte Vereinsboss Bernd Hoffmann. Moniz hatte mit Chefcoach Martin Jol, der ihn vor knapp zwei Jahren zum HSV brachte, bei Tottenham Hotspur gearbeitet. Dem 45-jährigen Niederländer wird die Fähigkeit zugesprochen, die orientierungs- und vor allem willenlose Mannschaft nach nur einem Sieg aus den zurückliegenden sieben Liga-Begegnungen wieder auf Kurs zu bringen. Doch er ist wohl nur das, was man im Fußballjargon eine Interimslösung nennt. Nach nur zwei Bundesliga- und maximal zwei Europapokal-Partien soll er vom Hamburger SV zum Unternehmen Red Bull als Chefausbilder für dessen Klubs in Salzburg, Leipzig und New York wechseln.
Als die kurze Ära Labbadia endete, schossen gleich wieder die Spekulationen um einen HSV-Trainer für das Spieljahr 2010/11 ins Kraut. Hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass Bundestrainer Joachim Löw nach der WM kommt. Auch der Türke Fatih Terim wird gehandelt. Und Gerard Houllier, der sich angeblich mit dem VfL Wolfsburg weitgehend einig ist, könnte ebenfalls wieder Gefallen am HSV finden. Der Franzose galt schon einmal als Kandidat.
Doch zunächst ist Moniz dran. Der lobte Labbadia: "Er ist ein großer Mensch." Und Hoffmann pries Labbadia nach seiner sechsten Trainerentlassung im siebten Amtsjahr: "Er war sehr engagiert und hat vom ersten bis zum letzten Tag vollen Einsatz gezeigt." Diese Äußerung hört sich verdächtig nach der Formulierung "Er hat sich bemüht" in einem verheerenden Arbeitszeugnis an.
Viel zu oft sagte Labbadia in der zweiten Saisonhälfte seinen Standardspruch nach Niederlagen: "Wir hatten uns viel vorgenommen." Entfremdung von der Mannschaft, sportlicher Niedergang nach verheißungsvollen ersten Monaten – so war's in Hamburg, so war's vordem in Leverkusen. Zum zweiten Mal binnen eines Jahres scheitert der gebürtige Hesse italienischer Abstammung. Zum zweiten Mal täuschen sich Klubchefs in dem ehemaligen Stürmer. Zum zweiten Mal bereuen Vorstände wohl, Labbadia gekauft zu haben. Bayer zahlte damals mindestens eine halbe Million Euro an Greuther Fürth.
Der Marktwert dieses Trainers ist gesunken. Nach so einem Karriereknick führt der Weg gern in die Türkei oder nach Österreich. Aber da war Löw ja auch schon. Labbadia entwickelt sich zu dem, was er auch als Spieler mit acht Profi-Stationen war: zu einem Job-Hopper.
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