Erste Trainerentlassung der Bundesliga: HSV trennt sich von Michael Oenning
zuletzt aktualisiert: 19.09.2011 - 17:52Hamburg (RPO). Der Hamburger SV zieht die Reißleine: Trotz einer zugesagten Galgenfrist bis zum Freitag hat sich der Bundesliga-Tabellenletzte am Montag mit sofortiger Wirkung von Cheftrainer Michael Oenning getrennt.
Aus und vorbei: Nach einer beispiellosen Serie von Misserfolgen hat Bundesliga-Schlusslicht Hamburger SV die Reißleine gezogen und Cheftrainer Michael Oenning am Montag mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Als Übergangslösung wird der Argentinier Rodolfo Cardoso, Trainer der HSV-Regionalligamannschaft, die HSV-Profis bei ihrem nächsten Bundesligaspiel am Freitag (20.30 Uhr/Live-Ticker) beim VfB Stuttgart betreuen.
Noch nach der 0:1-Heimniederlage am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach hatte HSV-Sportdirektor Frank Arnesen dem umstrittenen Coach eine letzte Bewährungschance in Stuttgart fest zugesagt. 48 Stunden später dann der Sinneswandel: "Wir sind jetzt zu der Überzeugung gekommen, dass wir diese Entscheidung treffen mussten."
Auf einer Pressekonferenz am Abend wehrte sich der Däne gegen Vorhaltungen, er sei ein "Umfaller". "Noch am Sonntagabend hatte ich ein gutes Gefühl, aber manchmal muss man mit dem Kopf und nicht mit dem Herzen entscheiden", sagte der frühere dänische Nationalspieler, der im Sommer vom FC Chelsea zum HSV gewechselt war. Noch sei es für eine Trennung nicht zu spät gewesen, "denn wir sind besser als der 18. Tabellenplatz und müssen dies jetzt zeigen."
Klubboss Carl Edgar Jarchow nannte das klare Anforderungsprofil für den neuen Trainer: "Er muss Deutsch sprechen und unsere Philosophie, mit jungen Spielern ein neues Team aufzubauen, mittragen." Cardoso, mit dem HSV II derzeit Tabellenführer, kommt als Dauerlösung nicht in Frage, dem Südamerikaner fehlt die notwendige Trainerlizenz.
Laut einer offiziellen Mitteilung der Hanseaten nahm Oenning den Trennungs- Beschluss gefasst auf. "Es ist auch für mich nachvollziehbar, dass der Verein in der jetzigen Situation einen anderen Weg geht", wird der 45-Jährige auf der HSV-Homepage zitiert. Noch im Juni hatte der Fußballlehrer in einem Zeitungsinterview den Umgang der Vereine mit ihren Übungsleitern gegeißelt und behauptet: "Trainerwechsel sind eine Bankrotterklärung."
Während in Hamburg mit Huub Stevens, Horst Hrubesch, Thomas von Heesen und Lothar Matthäus bereits erste Namen als Nachfolger Oennings gehandelt wurden, fällte Kaiser Franz Beckenbauer bereits am Sonntag ein vernichtendes Urteil über die Situation in der Hansestadt. "Ich kenne keinen Trainer auf der Welt, der dem HSV helfen könnte", sagte Beckenbauer in der Fußball-Talkshow Sky90: "Ein neuer Trainer müsste ein Zauberer sein - vielleicht kann ein Zauberer vom Circus Krone oder Circus Sarrasani helfen. Ein normaler Mensch hätte kurzfristig keine Chance."
Auch HSV-Idol Uwe Seeler ließ kein gutes Haar an seinem Klub. "Es wird nicht besser, es wird immer schlechter, sagte der Ehrenspielführer der Nationalmannschaft. "Uns Uwe" hat allerdings nicht den nun geschassten Oenning Sündenbock ausgemacht: "Die älteren Spieler haben die Mannschaft auch nicht im Griff. Wir haben mit Marcell Jansen, Mladen Petric, Heiko Westermann, Dennis Aogo, David Jarolim und Paolo Guerrero sechs erfahrene Spieler im Team. Wenn die nicht in die Socken kommen, dann wird es für den HSV furchtbar schwer."
Oennings Bilanz mit nur einem Punkt aus sechs Spielen war vernichtend. Sechsmal schickte Oenning sein Team in dieser Saison aufs Feld, sechsmal wählte er unterschiedliche Aufstellungen. Gegen Mönchengladbach versuchte er es am vergangenen Wochenende mal mit sieben Defensiv-Spielern - und scheiterte grandios. Das Tor zum 0:1 war bereits das achte Gegentor (von insgesamt 17) nach einer Standardsituation. Vorne harmlos, hinten hilflos - der HSV gibt 2011 ein trauriges Bild ab.
Die Ära Michael Oenning ging damit als eines der dunkelsten Kapitel in die HSV-Chronik ein. er schaffte nur im ersten Spiel gegen den 1. FC Köln (6:2) einen Sieg, seither folgten 13 Spiele ohne Dreier. 14 Spiele in Folge ohne Sieg schaffte als HSV-Coach nur Josef Schneider, der war dann seinen Job 1967 los.
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